Ali wird gegen Wladimir nie boxen – wären sie aber in etwa gleich alt, könnten beide mit einem Kampf viele Millionen verdienen. Warum eigentlich? Boxen ist eine Randsportart. Selbst bei olympischen Spielen zieht im Normalfall das olympische Boxturnier nicht die Massen an und steht auch in der Berichterstattung keinesfalls im Mittelpunkt. Der Profiboxsport war zudem die erste Sportart, durch die „Schiebung“ und Betrug am Wettkunden praktiziert wurde. Lange bevor der erste Fußballer auf die Idee gebracht wurde, den Ball absichtlich in das eigene Tor zu befördern. Regelmäßig kommt es aber puncto Boxsport zu einer Art Massenhysterie – bestimmte Kämpfe elektrisieren die Sportwelt - und weit darüber hinaus.

Boxen und Politik

Max Schmeling – die erste deutsche Boxlegende. Schmeling versuchte sich Mitte der dreißiger Jahre gegen eine Vereinnahmung durch die Nationalsozialisten zur Wehr zu setzen. Über 100.000 Zuschauer zählte man bei Schmelings Kampf 1934 gegen Walter Neusel in Hamburg. Noch immer die Zuschauer- Rekordmarke für einen Boxkampf in Deutschland. Die Nationalsozialisten drängten Schmeling sich von seiner tschechischen Frau und seinem jüdischen Manager zu trennen. So richtig war Schmeling für die Propagandamaschinerie der Nazis nicht einzuspannen. Sein legendärer Kampf fand 1936 gegen Joe Louis statt, der damals als unschlagbar galt. Max schlug Joe K.O. Und nun konnten die Nazis nicht mehr widerstehen und propagierten diesen Kampf als Beispiel für die Überlegenheit der „arischen Rasse“. Max Schmeling ließ sich dann doch von den Nazis einspannen, um einen Boykott der USA bei den olympischen Spielen 1936 abzuwenden. Max Schmeling faszinierte als Persönlichkeit die Menschen – das hätte er sicher auch in jeder anderen Sportart geschafft.

Das „Großmaul“

Ein Mann lockte Millionen vor den Bildschirm. Seine Marketingstrategie war perfekt, dazu war er wohl der beste und eleganteste Boxer aller Zeiten. Als Cassius Clay geboren wechselte er später zum Islam und nannte sich Muhammad Ali. Im Zuge seiner religiösen Überzeugung verweigerte er den Wehrdienst und verlor seinen Weltmeistertitel. Die Kämpfe gegen Joe Frazier und George Foreman waren perfekt vermarktete Großereignisse. Die halbe Welt war via TV live dabei, in Europa stand man mitten in der Nacht auf oder ging einfach nicht schlafen. Ali provozierte geschickt. Viele, die sich überhaupt nicht für Boxen interessiert haben, schauten trotzdem zu um Ali verlieren zu sehen.

Alis Kampf 1976 gegen Antonio Inoki

Der absolute Medien-Höhepunkt sollte ein Kampf gegen einen japanischen Wrestler namens Antonio Inoki werden. Es war wohl der größte „Pflanz“, den die Sportwelt erlebt hat. Inoki kroch auf allen Vieren im Ring umher und attackierte Alis Beine. Ali ließ sich natürlich nicht darauf ein, am Boden eventuell in den Schwitzkasten von Inoki zu geraten. Über Satellit wurde dieser Kampf in die ganze Welt übertragen – vor vierzig Jahren überhaupt keine Selbstverständlichkeit. In etwa war dieser Kampf medientechnisch mit der Mondlandung zu vergleichen, der Inhalt war aber eines Ali unwürdig. Er kassierte sechs Millionen Dollar, Inoki vier.

Henry Maske und die Klitschkos

Henry Maske hat den Boxsport in Deutschland wieder salonfähig gemacht. Auf einmal waren Live-Boxkämpfe im TV der große Hit – auch für jene, die sich ansonsten aus #Sportübertragungen nicht viel machen. Als emotionale Show wurde es aufgezogen. Den genauen Werdegang von Maske kennen nur Boxfans. Fast jeder verbindet aber den Titel „Time to say goodbye“ mit Henry Maske. Sein letzter Kampf gegen Virgil Hill wurde 2007 durch die „Box-Hymne“ von Andrea Bocelli und Sara Brightman umrahmt. Henry Maske hat den Klitschko-Brüdern den Boden bereitet, die abermals für große Box-Begeisterung sorgten und sorgen.

Typen und deren Vermarktung

Boxen ist eine für den Zuschauer einfache Sportart. Zwei Männer, oder Frauen, versuchen mit Geschick und Kraft, den jeweils anderen auf die Bretter zu schicken. Große Boxer müssen Charisma haben, dem richtigen Manager über den Weg laufen. Nur wenn zwei solcher Box-Typen zur selben Zeit optimal im Saft stehen, gibt es eben die „Kämpfe des Jahrhunderts“. Echte Boxlegenden, die auf der ganzen Welt für Furore gesorgt haben, kann man mit den Fingern beider Hände abzählen.