Ein ganz persönlicher Kommentar einer Stuttgarterin ohne vertiefte Fußballkenntnis, aber mit dem kritischen Blick der Außenstehenden.

Beim Relegationsspiel gegen den KSC konnte der HSV in der Verlängerung das entscheidende Siegtor schießen. Gut, dass ich nicht so oft #Fußball schaue, sonst wäre mein Nervenkostüm ziemlich lädiert. So wie bei diesem endlos langen Spiel. Wieder einmal hatte der Hamburger Sportverein das Glück auf seiner Seite und verwies die Karlsruher auf den hinteren Rang. Verdammt viel Glück, wie ich finde. Die Karlsruher waren entsprechend sauer auf den Schiedsrichter. Viele sind überzeugt, dass der HSV nun zu Unrecht in der ersten Bundesliga bleiben kann und machten ihrem Ärger lauthals Luft.

Markus Kauczinski wollte mit dem KSC endlich aufsteigen.

Das Relegationsrückspiel war dramatisch. Erst in der Verlängerung konnte der HSV seine Existenzberechtigung durch einen Freistoßtreffer in der ersten Bundesliga untermauern - auch wenn diese auf wackligen Füßen steht. Je nachdem, zu welchem Lager der heimische Fan gehört, konnte man anschließend bei Nachbarn & Co. euphorische Jubelschreie, Kummer-Ersauf-Orgien oder wahlweise Freu-mich-tierisch-und-trink-Bier-Gelage sowie Wutausbrüche jeglicher Art beobachten.

Die Spannung steigerte sich von Minute zu Minute und selbst die Nerven der ARD-Kommentatoren lagen blank. René Adler erklärte, dass er so ein Spiel nicht oft braucht. Er fühle sich drei Jahre älter. Also mindestens drei, muss man ergänzend sagen. Ähnlich ist es sicher vielen Fans ergangen. Im  HSV-Lager wird diese Begegnung vermutlich bald zu einem Traumspiel hochstilisiert, obwohl es sicher keines war. Lokalpatrioten träumen vielleicht schon davon, dieses schicksalhafte Fußballmatch in die Familienchronik aufzunehmen.

War der HSV-Sieg wirklich so grandios?

Die Relegation hat viele Feinde. Nicht umsonst möchten etliche Fußballfans die Relegation  abschaffen, damit sie sich solche Spiele nicht mehr antun müssen. Die Relegation hilft nur dem Erstligisten, während die Mannschaft der niedrigeren Liga zusätzliche Hürden überwinden muss. Letztendlich erzeugt sie nur Spannungen und dient den Vereinen der ersten Liga als Schutz vor dem Abstieg. Wie Spiegel online berichtet, konnte sich in 17 Jahren nur fünfmal ein Zweitligist durchsetzen. Doch warum muss diese Schonfrist eigentlich sein? Warum kann es in der ersten Bundesliga nicht genauso gehandhabt werden wie in vielen anderen Sportarten auch? Wer eine ganze Saison lang mehr oder weniger schlecht gespielt hat, sollte eigentlich absteigen und verdient es nicht, dafür auch noch hofiert zu werden. Die Relegation erzeugt ein falsches Bild auf die tatsächlichen Verhältnisse.

Schade, ich hätte den Karlsruhern den Sieg gegönnt. Fans, Mannschaft und Trainer waren nicht nur völlig frustriert, sie waren fassungslos - ein Meer voller Tränen, gemischt mit Wutausbrüchen. Von dieser Niederlage wird sich der KSC sicher nicht so schnell erholen. Der Relegation kann auch ich nicht viel abgewinnen.

Bild: Karlsruher Wildparkstadion/von JAY-R /lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons #Sport