Update 20:46: Aufgrund einer konkreter Gefahrenlage musste das Spiel kurzfristig doch noch abgesagt werden. 

Soll das Länderspiel gegen die Niederlande stattfinden oder nicht? Diese Frage stellte man sich im Kreise der Verantwortlichen beim DFB und entschloss sich Sonntag dazu, das Spiel wie geplant über die Bühne zu bringen.

Die beiden Möglichkeiten

Das Spiel abzusagen wäre vielleicht die sinnvollste Möglichkeit gewesen. Man hätte gezeigt, dass man sich gegen die Terroranschläge stellt und #Fußball nicht das wichtigste im Leben ist. Aus Respekt vor allen Opfern der Anschläge sich nicht direkt dem Alltag zuzuwenden und beim Fußballspielen und –gucken Spaß zu haben, wäre dies eine Möglichkeit gewesen, Mitgefühl auszudrücken.

Das Spiel ohne große Umschweife wie geplant stattfinden zu lassen, dazu war Überwindungskraft nötig. Man hätte zeigen können: „Von euch Terroristen lassen wir uns nicht unsere Lebensfreude, unseren Spaß und unseren #Sport kaputt machen.“ Ein Freundschaftsspiel als Ablenkung von den schlimmen Nachrichten der letzten Tage, ein Zeichen, dass der Sport stärker ist als der #Terror – all das wäre möglich gewesen.

Die schlechteste Lösung

Zunächst einmal: Das Spiel findet statt. So weit, so gut. Doch Löw und sein niederländischer Kollege betonten, es werde kein normales Spiel, das Ergebnis stehe nicht im Vordergrund. Löw geht sogar so weit, dass er eine Taktikbesprechung wie sonst gar nicht erst stattfinden lässt. Nebenbei bemerkt: Derselbe DFB sah sich vor einiger Zeit nicht einmal in der Lage, vor dem Schriftzug „Kein Fußball den Faschisten“ zu trainieren, aus dem Grund, Politik gehöre nicht ins Stadion. Jetzt will „Die Mannschaft“ als Anti-Terror-Botschafter auftreten.

Normalität? Fehlanzeige. Spaß und Spielfreude? Nicht zu erwarten. Das beabsichtigte Zeichen gegen den Terror wird auf eine große Trauerfeier hinauslaufen, die bizarre Züge annimmt. Ganz oder gar nicht, möchte man den Verantwortlichen zurufen. Entweder, ihr lasst das Spiel so weit wie möglich in normalen Bahnen stattfinden, oder ihr sagt es ganz ab. Der Mischmasch, den sich der DFB überlegt hat, wird keinem etwas bringen. Außer vielleicht den Terroristen, die ihr Ziel mehr denn je dadurch erreichen, dass ein Fußballspiel zur Trauerfeier verkommt, an der keiner so richtig Freude haben wird.

Lichterkette vor dem Stadion, Kondolenzbücher vom Fanclub „powered by Coca Cola“, Trauerminute, Trauerchoreo, es fehlt nur noch ein symbolischer Sargzug durchs Stadion „powered by Bauhaus“.

Wenn das Spielresultat eines Länderspiels für alle aktiv Beteiligten so egal ist wie die Antwort auf die Frage, ob im Stadion Krombacher, Jever oder Bitburger ausgeschenkt wird, dann ist das kein Fußballspiel mehr, mit dem man der Welt klarmachen kann, dass man sich die Freude nicht von Terroristen nehmen lässt.

Jubeln auf der Spieltrauerfeier wird wohl kaum zu erwarten sein – weder von Fans noch von Spielern. Es erwartet uns eine gespenstische Atmosphäre; die Spieler werden den Ball mehr oder weniger lustlos über das Spielfeld treiben, die Fans werden mehr sich nicht trauen, die bei Deutschlandspielen sowieso schon rar gesäten Fangesänge anzustimmen, wer singt schon „Auf geht’s Deutschland schieß ein Tor“ auf einer Trauerfeier. All das wird begleitet von mit Maschinenpistolen ausgestatteten Polizisten. Beklemmung, Angst, Pflicht-Trauer und ein Fußballspiel, in dem der Fußball nicht im Mittelpunkt steht. Ist es nicht das, was die Terroristen wollen? Die Freude unterdrücken, die Normalität nehmen, das ist den Terroristen eindeutig gelungen.

Wenn bei einem Fußballspiel nicht der Fußball im Mittelpunkt steht, dann kann auch niemand davon sprechen, der Sport wäre stärker als Terrorismus. Man wollte ein Zeichen setzten – das wird den Verantwortlichen deutlich misslingen. Jedenfalls wenn sich die Befürchtungen einer Trauerfeier bewahrheiten.

Bildquelle: DFB.de

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