Sehr geehrter Herr Sammer,

Sie fordern also „mehr Geld“.

„Mehr Geld“ für sich, den FC Bayern, dessen Interessen Sie vertreten und ebenso, zumindest scheinheilig, für die gesamte Bundesliga.

Nun, ich schätze Ihre Verdienste um den Fußballsport, aber leider ist das Ende der Fahnenstange erreicht!

Sehen Sie ruhig nach England, wo die TV-Milliarden nur so fließen, wie in den 1980er-Jahren die Milchseen in unserem Land.

Blicken Sie neidisch dorthin, nur zu!

Ich muss gestehen, ich empfinde es als ausgesprochen spöttisch, dem deutschen Volk, welches indirekt durch das riesige Zuschauerinteresse und die Gebührenordnung der Öffentlich-Rechtlichen, den deutschen #Fußball mitfinanziert, noch mehr Geld für den Fußballsport aus der Tasche ziehen zu wollen.

Nichts anderes bedeutet Ihre Forderung für mich.

Denken Sie bitte einmal an die anderen Sportarten, die existieren und ebenso gebührend gefördert werden wollen!

Ihre öffentliche Meinungsäußerung in Sachen „mehr Geld für die Bundesliga“ geht meiner Ansicht nach in Richtung „aufmerksamkeitsheischendes Jammern“. Denn, der Bundesliga, sofern Sie nicht nur den eh schon übermächtigen #FC Bayern München damit meinen, geht es hervorragend.

Neid auf die Premier League? Ich bitte Sie inständig! Das Konstrukt „Premier League“ wird unter den TV-Milliarden früher oder später einstürzen. Mal abgesehen davon, ob solche Gehälter, wie sie Fußballer verdienen, gerechtfertigt sind oder nicht: Die Gier aller, die die Premier League derzeit befriedigt, muss früher oder später zum Einsturz führen!

Irgendwann werden die Klubs einen aufgeblähten Kader ihr Eigen nennen können, voll mit Spielern, die ihre hochdotierten Verträge über Jahre hinweg aussitzen, weil kein anderer Verein jenes Gehalt stemmen könnte oder zwecks „Gehaltshygiene“ wollte.

Infolgedessen wird der ein oder andere Spieler, der wirklich noch am sportlichen Wettbewerb interessiert ist, seine Zelte dort abbrechen und eventuell zu einer wesentlich moderateren Ablösesumme auf dem Transfermarkt erscheinen, da die englischen Klubs Platz in den Kadern freimachen müssen für „neue“ Stars. Des Weiteren werden wohl die Gehaltszahlungen des neuen, aufnehmenden Vereins „subventioniert“ werden, um Spieler wieder loszuwerden.

Das Faninteresse an der Bundesliga ist gewaltig!

Das Gros der Partien unserer Eliteklasse ist ausverkauft, neue Märkte erschlossen (Asien und USA). Trotz der Kommerzialisierung ist die Stimmung in den meisten Stadien weltmeisterlich, die Merchandising-Abteilungen jubeln, da der Absatz boomt!

Wenn Sie nach England blicken, finden Sie in den dortigen Stadien meist kaum Stimmung vor.

Kein Wunder, bei Ticketpreisen jenseits von Gut und Böse.

Doch hierzulande stecken schon die Jüngsten ihr weniges Taschengeld in „Berni“ und die „FCB-Heftebox“.

Eltern müssen für ein Trikot mit dem „Müller“-Flock 85 € unter den Weihnachtsbaum legen, für ein Stück Polyester, das die Ärmsten der Welt aus Materialien im Wert von 10,15 € genäht haben!

Dass viele Fans eben nicht noch mehr Geld für ihren innig geliebten Verein ausgeben, liegt weder am Pay-TV-Konzept, noch am wenig mangelhaften Einfallsreichtum der Marketingabteilungen.

Die Fans selbst müssten erst „mehr Geld“ fordern!

Seien Sie vorsichtig damit, die Fankultur zu zerstören und sozial Schwächere noch heftiger an den Rand der Gesellschaft zu drängen!

Denke Sie darüber nach…

P.S. (in eigener Sache!): Dann gewinnt der FC Bayern München eben bedauerlicherweise mal fünf lange Jahre keine Champions League! Diese Welt kennt schlimmere Missstände, als im Fußball „international überrollt“ zu werden. Werfen Sie einen Blick auf die aktuelle Situation des Planeten und fordern Sie lieber mehr Geld für den Umweltschutz, gegen Armut und für Chancengleichheit ein!

 Bildquelle: Wikimedia unter CC BY 3.0 durch Harald Bischoff

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