Der große Fight im Rahmen der SES-Boxgala in Magdeburg war am 12. November 2016 der EM Kampf zwischen Titelverteidiger Mehdi #Amar und Herausforderer Robert #Stieglitz. Normalausleger Mehdi Amar wird von vielen in Insiderkreiesen mit „er kann alles – aber nichts gut“ charakterisiert. Es war aber klar – es wird eine enge Angelegenheit. Alle Experten rechneten damit, dass der Kampf über die volle Distanz – zwölf Runden – gehen wird. Ein dickes Plus dem MDR, der diesen Fight direkt überträgt. Für Boxfans sowieso absolut unverständlich: von jedem (auch noch so schwachem) Fußballspiel gibt es zwei Stunden Analyse plus Direktübertragung – Boxkämpfe gibt es extrem selten im TV zu sehen!

Boxen: EM Kampf mit a capella Intro

Mit den Bundeshymnen von Deutschland und Frankreich in a capella Versionen stimmte man sich auf den Kampf ein. Die Hoffnung in der Halle war groß, dass die Kämpfer boxtechnisch besser drauf sind als die Sängerin mit ihren Künsten – davon war aber auszugehen. Speziell die deutsche Bundeshymne bereitet Probleme – ein gutes Omen?

Blaue Ecke Stieglitz – rote Ecke Mehdi Amar

Ringrichter Victor Loughlin aus Schottland erklärt den Fightern die grundsätzlichen Regeln in kaum verständlichem englisch und los geht es in die erste Runde. Die Anfeuerungen der etwa 5000 Zuschauer halten sich zunächst akustisch sehr in Grenzen. Es ist wohl die Spannung, aber zwei Linke von Stieglitz sorgen für die ersten Emotionen im Publikum. Stieglitz in roter Hose, der Europameister in „goldiger“ Hose – in der ersten Runde das übliche Abtasten. Gegen Ende der zweiten Runde der erste recht intensive Schlagabtausch. Starke Rechte von Stieglitz in Runde drei – Stieglitz kann nicht rückwärts – bislang schaut es gut aus für den Magdeburger.

385. Profirunde von Stieglitz

Amar geht dynamisch in die vierte Runde. Er hat den Ernst der Situation erkannt. Es ist übrigens die 385. (!) Runde von Stieglitz in seiner Profikarriere. Toller Treffer von Stieglitz nach etwa dreißig Sekunden in der fünften Rinde – Amar beutelt es ordentlich durch. Nach fünf Runden steht es 4:1 für Stieglitz – zumindest nach menschlichem Ermessen. Ringrichter sehen ja manchmal auch einen „anderen Kampf“ als den, den sie bewerten müssen. Die sechste Runde geht knapp an Amar, Stieglitz legt in Runde sieben aber sofort nach. Die Taktik von Stieglitz ist klar – vorlegen in jeder Runde und es dann in weiterer Folge lockerer angehen. In Runde sieben kontert aber der Europameister gefährlich – eine enge Geschichte für die Punkterichter.

Stieglitz wird „Nachfolger“ von Max Schmeling

Runde acht ist die farbigste Angelegenheit bislang. Kaum Vorteile für einen der Kontrahenten – aber jede Menge Action. Zwei schwere Treffer von Stieglitz in den ersten Sekunden der neunten Runde. Ermahnung gegen Amar. Auch Runde zehn beginnt Stieglitz stark. Am Ende der Runde Treffer für Amar – er reagiert mit einer Schauspieleinlage – kommt beim Publikum schlecht an. Trotzdem eine enge Sache. Runde elf geht knapp an Stieglitz – man muss aber den „Titelträgerbonus“ berücksichtigen. Es ist der erwartete Krimi. Ermahnung für Stieglitz in Runde zwölf. Im Finish Amar gezeichnet – aber wird es für Stieglitz reichen? In der Halle ist man sich einig, wer der Sieger ist. Amar versucht eine Triumphgeste auf den Schulten seines Bruders – nicht überzeugend. Es reicht! Dreimal 116:112 für Robert Stieglitz. Stieglitz hat den Gürtel, den einst auch Max Schmeling getragen hat – mehr geht nicht! #Boxen