Dass #Fußball nach wie vor die beliebteste Sportart der Deutschen ist, bestreitet wohl kaum jemand. Auch im thüringischen Jena schlagen tausende Herzen für den Ballsport. Tradition wird hier großgeschrieben. Viele Fans denken noch immer verträumt an die Vergangenheit, in welcher der FC Carl Zeiss Jena Titel gewann und sich auf internationaler Bühne mit den großen Vereinen Europas duellierte. Diese Zeiten sind lange vorbei. Heute kickt der Traditionsverein in der Regionalliga, doch die Begeisterung hält an. Auch in der Saison 2016/17 besuchen noch durchschnittlich 3.787 Zuschauer die Heimspiele des FC Carl Zeiss im Ernst-Abbe-Sportfeld. Dass in der Stadt durchaus auch Erstliga-Fußball geboten wird, ist vielen dabei gar nicht bewusst.

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Die Sportbegeisterung endet oft, wenn es um die Fußballerinnen der Stadt geht.

Der Frauenfußball zwischen Ignoranz und Vorurteilen

Seit 2008 spielt der #FF USV Jena durchgängig in der Allianz Frauen-Bundesliga. Steigen die meisten Neulinge am Ende der Saison wieder ab, hielt der #Frauenfußball Universitätssportverein Jena im Aufstiegsjahr mit neun Punkten Vorsprung auf die Abstiegsränge die Klasse. Wenn sich der Verein im Abstiegskampf wiederfand, behielt er am Ende der Saison stets die Oberhand. Auch finanzielle Engpässe und ein - verglichen mit anderen Bundesligisten - Mini-Etat konnten den USV bislang nicht aus der Frauenfußballlandschaft vertreiben. Das Erreichen des DFB-Pokalfinales 2010 und ein 5. Platz in der Liga, direkt hinter den Topteams, in der Saison 2013/14 gehören zu den Erfolgen des Thüringer Bundesligisten.

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Dennoch kommen die Zuschauerzahlen nicht einmal ansatzweise an jene des FC Carl Zeiss heran. Durchschnittlich gerade einmal 498 Zuschauer fanden in den bisherigen Heimspielen der Saison 2016/17 den Weg zum FF USV. Fragt man nach Gründen für das Desinteresse, sind die Antworten oft die gleichen. Frauenfußball ist viel langsamer oder aber es geht nicht so hart zu wie bei den Männern. Dies sind nur zwei der Argumente, mit denen sich der Frauenfußball regelmäßig konfrontiert sieht und dies nicht nur in Jena. Viele, die jene Vorurteile teilen, haben sich noch nie wirklich mit Frauenfußball auseinandergesetzt oder gar ein Bundesligaspiel besucht. Auch das Interesse daran, dies zu ändern und sich gar eines Besseren belehren zu lassen, scheint verschwindend gering.

Was ist dran?

Betrachten wir für einen Moment die beiden obenstehenden Argumente. Frauenfußball ist langsamer. Tendenziell ist dies nicht von der Hand zu weisen. Anatomische Unterschiede zwischen Mann und Frau gestalten auch das Spiel unterschiedlich, was allerdings nicht bedeutet, dass es nicht auch schnelle Fußballerinnen gibt.

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Technisch und taktisch ist der Frauenfußball aber auf einem vergleichbaren Level mit dem Männerfußball, was dafür sorgt, dass ein Frauenfußballspiel keineswegs uninteressanter ist.

Es geht nicht so hart zu wie bei den Männern. Dieses Argument ist grundliegend falsch. Auch im Frauenfußball wird mit dem Körper gearbeitet und Fouls sind nicht minder hart. Der Eindruck, dass der Frauenfußball nicht so hart gespielt wird, könnte wohl daher rühren, dass es hier nicht üblich ist, simulierend am Boden zu liegen. Der eigentliche Fußball steht noch im Mittelpunkt und das macht diesen Sport auf eine erfrischende Weise sehr angenehm.

Ein Plädoyer für den Frauenfußball

Jena ist nicht besonder groß. Etwas mehr als 100.000 Menschen nennen die thüringische Universitätsstadt ihr Zuhause, fast jeder Vierte davon ist Student. Der FF USV Jena hat hier einen Vorteil gegenüber anderen Vereinen der Frauen-Bundesliga. Als Ausgliederung des Universitätssportvereins Jena, repräsentiert er auch die Universität. Geht man aber durch die Stadt und hört sich unter den Studierenden um, dann wissen viele nicht einmal, dass der FF USV in der Bundesliga spielt. Hier schlummert ein Potenzial, dass es deutlich mehr abzurufen gilt! Mehr Interesse und höhere Zuschauerzahlen können dazu beitragen dem Frauenfußball aus seinem Schattendasein zu helfen.