Von der Metrostation sind es nur fünf Minuten Fußweg bis zum ersehnten Ziel. Lauthals werben die vielen Händler von links und rechts mit ihren eher zweifelhaft originalen Trikots für einen Kauf. Nach dem hundertsten "No, Gracias" geht es weiter an einer großen Straße entlang, umgeben von einigen hohen Gebäuden.

Und dann plötzlich, wie aus dem Nichts, erscheint es. Das Estadio Santiago de Bernabéu. In kaum einem anderen Stadion standen so zahlreiche Legenden des Fußballs auf dem Rasen wie in der Heimstätte von #Real Madrid. Alleine der erste Anblick dieser Sportstätte schüchtert einen dann doch ein.

Jedoch lässt die äußere Fassade nicht im geringsten erahnen, was sich im Inneren dieses Stadions abspielt.

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Es ist noch eine Stunde bis zum Anpfiff des Champions League Gruppenphasenspiel Real Madrid gegen Tottenham Hotspurs. Wie es in Spanien üblich ist, erscheinen die meisten Fans erst pünktlich zum Anpfiff, sodass zu diesem Zeitpunkt die Ränge noch eher mager gefüllt sind. Dennoch lädt der Blick ins Stadioninnere dazu ein, einfach nur mit offenem Mund dazustehen und zu staunen. Beim Gedanken daran, wie viele Geschichten, Tore und Triümphe dieses Festung bereits erlebt hat, muss man erst einmal in sich gehen und diesen Moment einfach genießen.

Beim Aufwärmen der beiden Mannschaften kann man sie dann das erste Mal sehen, das Starensemble von Real Madrid. Toni Kroos, Sergio Ramos, Isco und natürlich Christiano Ronaldo. Alles Spieler, die in der absoluten Weltspitze des Fußballs einzuordnen sind.

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Noch zehn Minuten bis zum Anpfiff.

Das Stadion füllt sich langsam, aber sicher und der nächste Höhepunkt steht bevor.

Die berühmte Vereinshymne von Real "Hala Madrid" ertönt durch das Stadion. Auf den Videoleinwänden werden bedeutende Momente der glorreichen Geschichte von Real Madrid gezeigt, während das Stadion begeistert mitsingt.

"Hala Madrid, y nada mas" ( Auf geht's Madrid, und sonst gar nichts) brüllen die Fans in den Abendhimmel und lassen durch diese Gesangseinlage keinen Zweifel daran, dass sie voller Leidenschaft hinter ihrer Mannschaft stehen.

Nun wird es Zeit, dass die beiden Teams mit den Schiedsrichtern in die mittlerweile komplett gefüllte Arena einlaufen. Währenddessen läuft das Lied, welches jedem Fußballfan in Europa eine Gänsehaut verschafft.

Die von Tony Britten komponierte #Champions League Hymne versetzt nicht nur die Fans, sondern auch die Spieler in einen Rausch und macht jedem Beteiligten noch einmal deutlich, dass dies kein gewöhnlicher Abendkick, sondern ein Spiel in der Königsklasse ist.

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Lediglich die Gedenkminute vor Anpfiff für die Opfer der Waldbrände in Portugal trübt die Stimmung kurz. Doch auch hier ist es schön zu sehen, dass 80.000 Menschen gemeinsam innehalten, und durch ihr Schweigen verdeutlichen, dass der #Fußball dann eben doch nur eine herrliche Nebensache ist.

20:45 Uhr - Champions League - Estadio Santiago de Bernabéu- Flutlichtspiel - leichter Regenschauer - zwei hochklassige Mannschaften

Besser könnten die Vorraussetzungen vor diesem Spiel eigentlich nicht sein. Das einzige was nun noch fehlt, ist die Bratwurst im Brötchen in der rechten, und das gezapfte Bier in der linken Hand. Doch diese Kombination, welche in deutschen Stadien praktisch zum Inventar gehört, ist im Bernabeu leider nicht zu ergattern. Kein Problem!

Anstoß in Madrid!

Beide Fanlager versuchen von der ersten Minute an ihre Mannschaft durch Anfeuerungen zu unterstützen. Besonders die zahlreich aus London angereisten Fans, machen schnell deutlich, dass Sie die Reise nach Madrid nicht nur wegen der Tapas angetreten haben. Stimmungsvoll erschallen englische und spanische Gesänge durch das Stadion und sorgen für ein wahres Fußballfest.

Die 22 Spieler auf dem Rasen versuchen es ihnen gleich zu tun und überzeugen mit langen Seitenwechseln und schönen Kombinationsspielen. Madrid verpasst den Führungstreffer nur knapp, als Christiano Ronaldo in der fünften Spielminute mit einem Kopfball nur den Pfosten trifft. Auch weitere Chancen lassen sie in der Anfangsphase aus, sodass es dann doch eher überrascht, dass es die Engländer sind, welche das erste Tor erzielen.

Nach einem offensiven Vorstoß von Tottenhams rechten Außenverteidiger Serge Aurier, bringt dieser eine Flanke auf Stürmer Harry Kane. Jedoch erwischt der englische Goalgetter den Ball nicht richtig und zwingt somit Madrids Innenverteidiger Raphael Varane zu einem Eigentor (28. Spielminute). 1:0 für Tottenham.

Schockiert zeigen sich allerdings von diesem Treffer weder die Spieler noch die Fans von Madrid. Während von den Rängen weiterhin spanische Anfeuerungen ertönen, agieren die Spieler von Real weiterhin mutig und offensiv.

Belohnt werden sie kurz vor der Halbzeit, als der Schiedsrichter nach einem Foul an Madrids Mittelfeldstrategen Toni Kroos auf Elfmeter entscheidet.

Die Ausführung des fälligen Strafstoßes übernimmt selbstverständlich Superstar Christiano Ronaldo. Der viermalige Weltfußballer des Jahres lässt Hugo Lloris im Tor von Tottenham keine Chance und knallt das Leder ins obere rechte Eck (43. Spielminute). 1:1 Ausgleich.

Gespannt wartet das ganze Stadion auf die Reaktion des Torschützen. Doch dieser vezichtet auf seinen berühmten Torjubel, nimmt stattdessen den Ball aus dem Netz und bringt diesen zur Mittellinie. Dadurch signalisiert er, dass der Ausgleich noch zu wenig ist und er mit seiner Mannschaft weiter auf die Führung drängt.

Jedoch bleibt dies der letzte Treffer der Partie. Die zahlreichen Chancen für beiden Mannschaften wurden von den auf beiden Seiten grandios aufgelegten Torhütern gläzend verhindert.

Die durchaus ansehnliche und bis zum Ende spannende Partie endet somit 1:1 Unentschieden.

Recht schnell nach Abpfiff verlassen die beiden Mannschaften den Platz in Richtung Kabine. Lediglich Toni Kroos, der es aus seiner Zeit in der Bundesliga nicht anders gewohnt ist, geht zu den Fans seiner Mannschaft und bedankt sich mit Applaus für die tolle Stimmung und Unterstützung.

Keine 15 Minuten nach Abpfiff ist das Stadion dann beinahe komplett leer. Auch die vielen Ordner und Sicherhheitskräfte fordern die Fans dazu auf, dass Stadion doch möglichst schnell zu verlassen. Es ist noch kurz Zeit für einen letzten Blick durch das eben noch mit 80.000 Menschen gefüllte und nun fast leere Stadion. Es sind nur noch die nur die Fans aus London die immer noch auf den Rängen sind und den Punktgewinn ihrer Spurs durch Gesänge zelebrieren.

Ein letzter Blick durch den Mythos Estadio Santiago de Bernabéu. Über dieses Stadion kann man so viel lesen und schreiben wie man will. Doch um die Faszination dieses Ortes zu verstehen und zu erkennen, muss man einmal da gewesen sein, muss man einmal das "Hala Madrid" gehört haben, muss man einmal diese Weltstars auf dem Rasen spielen gesehen haben, muss man einmal dieses mit Geschichte, Emotionen und Euphorie gefüllte Bauwerk besucht haben.

Wenige Meter folgt man der strömenden Menschenmenge Richtung Metrostation. So plötzlich es erschienen ist, so plötzlich verschwindet das Stadion dann auch wieder hinter den hohen Gebäuden an der großen Straße. Ein Trikot oder einen Schal mit den Daten des eben abgepfiffenen Spieles bedarf es immer noch nicht.

Dem Besuch dieses Champions League Gruppenspieles bedarf es keiner Erinnerungsuntensilien. Dieser Besuch wird garantiert niemals vergessen werden.