Die Qual der Wahl, welchem Spiel man bewohnen möchte, haben am Sonnabend unter anderem auch die Fans im Fußballkreis Erfurt-Sömmerda. Alle Jahre wieder sorgt das Spielverbot am Totensonntag für die üppige Torejagd am Samstag. Wer dabei nicht die Fahrt zum SV Werder Bremen antreten will, bei dessen zweiter Vertretung Drittliga-Schlusslicht Rot-Weiß Erfurt um Anschluss im Tabellenkeller bemüht sein muss, darf in heimischen Gefilden umtriebig von Sportplatz zu Sportplatz tingeln. Der Nachteil: Das Zeitfenster beschränkt sich nicht nur auf den Sonnabend, sondern – zumindest in Erfurt – auf gut zwei Stunden. Bis auf die Kreisoberliga-Partien Ingersleben gegen Empor Erfurt sowie An der Lache/Concordia gegen Kerspleben (je 13.30 Uhr) beginnen sämtliche Partien der höchsten Spielklasse des Fußballkreises und jene der Landesklasse-Staffel II um 14 Uhr.

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(Ausnahme: Sömmerda trifft erst 16 Uhr auf Bad Frankenhausen.)

Also auch die Begegnung zwischen Blau-Weiß Büßleben und dem FC Erfurt Nord, bei der die Landesklasse-Tabellennachbarn (5., 4.) den zumindest vorläufig erfolgreichsten Vertreter des Fußballkreises unterhalb des Elite-RWE ausspielen. Genauer: Aller Wahrscheinlichkeit nach wird die Partie Nord gegen Büßleben lauten.

„Zu neunundneunzig Prozent wird das Heimrecht getauscht“, verrät Büßleben-Coach Mario Wisocki. „Beide wollen es, da wir ja wissen, wie tief unser Platz derzeit ist.“ Bange Blicke gen Himmel blieben im Falle des Spielortwechsels beiden erspart; der Wetterbericht, der für Freitag und Samstag (wenngleich leichten) Regen ansagt, darf bei einer Verlegung ins Sportzentrum an der Grubenstraße freudig ignoriert werden.

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Nord hat einen Lauf, Büßleben etliche Leistungsträger

Nicht vernachlässigt wird hingegen auf beiden Seiten, dass der jeweilige Kontrahent mit Elan und breiter Brust antreten wird. Nord geht mit der Empfehlung von 20 erzielten Punkten aus den jüngsten acht Punktspielen ins Rennen, der Büßlebener Kader wurde derweil im Vergleich zu den letzten Aufgaben massiv aufgetankt, wie Wisocki bescheinigt.

„Marc Frenzel kehrt nach seiner Rot-Sperre zurück, wir hoffen auch, dass Peter Lammert trotz seiner Blessur dabei sein kann.“ Mit Sven Wessel und Robert Simon – „unsere Galionsfigur“ – stehen weitere buchstäbliche Offensivkräfte zur Verfügung. Ihr Fehlen sowie erst recht die doppelte Unterzahl nach Verletzungen (Lammert, Timon Kiermeier) hat das 0:5 in Bielen in einem anderen Licht dastehen lassen, als es das nackte Resultat tat. „Solche Tage gibt es im Fußball. Natürlich gehen wir jetzt erst recht auf den Platz, um zu gewinnen“, so Wisocki.

Da das sein Trainerkollege auf der anderen Seite, Christian Stieglitz, insbesondere bei Heimspielen ebenso sieht, sollte auf Offensivbemühungen nicht lange gewartet werden müssen – zumal das jüngste 3:0 Nords gegen Leinefelde für zusätzlichen Rückenwind gesorgt haben sollte.

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Die Leistung stimmt, nun sollen auch Ergebnisse kommen

Auf Torerfolge ist auch der FSV Kölleda aus, der zwar als Vorletzter den Achten aus Bielen empfängt. Doch schon zuletzt beim 0:0 in Westerengel war der FSV 06 am Dauerdrücker. „Aber der Ball wollte einfach nicht ins Tor. Wenn der Torhüter mal bezwungen war, hat ein anderer Spieler auf der Linie gerettet“, sagt Kölleda-Trainer Matthias Friedrich. „Dann wird einem noch ein Tor weggepfiffen und der Freistoß von Mate Varga kurz vor Schluss landet am Pfosten.“

Was dem Coach aber Mut macht: „Eigentlich fehlt nur ein Quäntchen Glück; wir weisen oft nach, dass wir wenigstens mithalten können und sind immerhin seit zwei Spielen ungeschlagen.“ Aus den letzten Heimduellen 2017 gegen Bielen und Wüstheuterode wünscht sich Friedrich mindestens vier Punkte. „Wir wissen, was wir können, auch wenn so eine perfekte Saison wie die vorige mit dem Aufstieg so schnell nicht wiederkommt.“ Einzige Wermutstropfen neben den zwei liegengelassenen Punkten in Westerengel waren, dass Szabolcs Dorogi nach einer harten Entscheidung wegen einer Gelb-Roten das Feld verlassen musste und auch Peter Bota wegen seiner fünften Gelben nun gegen Bielen zum Zuschauen verdonnert worden ist.

Als viertes Landesklasse-Team des Fußballkreises trifft die junge Mannschaft des FSV Sömmerda mit der Empfehlung des jüngsten 1:0-Erfolges gegen den Dritten Struth auf Bad Frankenhausen. Dass die Elf von Coach Frank Spangenberg gegen so ziemlich jeden Gegner gut aussehen kann, wies sie überdies auch beim 4:3 gegen den ambitionierten SC Leinefelde nach; dass sie gegen so ziemlich jeden auch schlecht aussehen kann, musste sie indes ebenso einige Male erfahren. „Hoffen wir mal, dass wir wieder unser freundliches Gesicht präsentieren“, sagt der Präsident des Tabellenneunten, Maik Schmidt.

„Bis zur Winterpause durchschlagen“

Recht sicher in Sachen Austragung sollten trotz etwaigen Regens in der Kreisoberliga die Spiele zwischen dem FC Borntal und Stotternheim, zwischen dem VfB Grün-Weiß und Marbach sowie zwischen der SG Blau-Weiß 52/Eintracht und Großrudestedt sein (alle 14 Uhr). Auf den Sportgeländen sämtlicher dieser Heimteams befindet sich ein Kunstrasenplatz. Der bei den Blau-Weißen am Wustrower Weg hat auch ein Flutlicht, das diesmal wohl nicht gebraucht wird. Anders am vergangenen Wochenende, als es gegen Ligakonkurrent Empor Erfurt im Kreispokal bis ins Elfmeterschießen ging. „Das war schon eine ungewöhnliche Situation. Erst recht, weil von den ersten zehn Schützen sechs ihre Elfmeter verschossen haben“, sagt 52-Coach Holger Gremler. Letztlich setzte sich sein Team hauchdünn durch; gegen Großrudestedt wartet nun der nächste Gradmesser. „Ich habe den Gegner zwar erst einmal in dieser Saison gesehen, aber da hat er sehr stark gespielt; vor allem physisch gehört Großrudestedt zum Besten in der Liga“, urteilt Gremler. „Nicht umsonst haben die Jungs zwei Jahre erfolgreich in der Landesklasse gespielt.“ Blau-Weiß/Eintracht ist derzeit Vierter in der Kreisoberliga, Großrudestedt Sechster. Der Ausgang scheint vollkommen offen.

Klarer wirken die Kräfteverhältnisse vor der Partie des Vorletzten Alach gegen Spitzenreiter Gispersleben. Nach zwölf Spieltagen trennen beide nicht nur 23 Punkte, sondern auch eine höchst unterschiedlich heftige Fluktuation in den wöchentlich zur Verfügung stehenden Kadern. Während Gispersleben äußerst souverän von Sieg zu Sieg eilt -- wie auch zuletzt im Kreispokal beim noch verlustpunktfreien Kreisligisten FC Union (4:1) --, fragt sich Alach-Coach Sven Schwens in schöner Regelmäßigkeit, welche seiner Mannen ihm am Spieltag zur Verfügung stehen.

„Von unseren Polizisten fehlen allein gegen Gispersleben fünf wegen Dienstes, ein weiterer hat abgesagt, einer ist verletzt. In Kannawurf im Kreispokal musste ich selbst mitspielen.“ Beim 0:1-Pokalaus trat Alach nur zu zehnt an, unter anderem mit einem Akteur jenseits der 50 Lenze. „Da sich zudem im Winter drei Spieler für längere Zeit verabschieden werden, müssen wir uns um Neue kümmern. Jetzt bleibt uns nichts übrig, als uns bis zur Winterpause durchzuschlagen.“

Noch größere Sorgen hat zumindest tabellarisch das Schlusslicht aus Haßleben. Mit nur zwei Punkten ist der SV Olympia auf jeden Zähler angewiesen, auch wenn der Gegner Walschleben heißt, zuletzt den FC Borntal 6:0 besiegte und als Dritter klarer Favorit ist. #seitenwechsel #hintertorkamerad