Es ist der 26. Mai 1999, Camp Nou zu Barcelona, Championsleague-Finale: Manchester United, das bis heute die komplette Championsleague-Saison dominiert hat, verzweifelt an taktisch hervorragend eingestellten Münchner Bayern; die Briten kommen einfach nicht dazu, den zeitigen Rückstand Baslers (6.) zu egalisieren. Im Gegenteil: Scholl, Janker und Co. hätten das Ergebnis gar noch in die Höhe schrauben können. Die Nachspielzeit läuft, zu kurz abgewehrte Ecke, Sheringham, Tor; Ecke Beckham, Solskjaer, Tor, Schluss! Manchester holt den Cup.

Wie durch den Regen buchstäblich als auch durch das 2:3 gegen Großrudestedt sprichwörtlich begossene Pudel schlichen die Kicker von Blau-Weiß 52/Eintracht mehr als 18 Jahre später am Sonnabend vom Platz am heimischen Wustrower Weg.

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Wie diese Partie innerhalb weniger Sekunden direkt vor dem Abpfiff noch verloren werden konnte, werden sie sich noch etliche Male selbst fragen. Bis in die letzte reguläre Minute hinein hatten sie 2:1 geführt, vollkommen verdient -- wie einst die Bayern in Barcelona. Spieltechnisch auf besserem Niveau als die sich meist auf weite Schläge beschränkenden Großrudestedter, ideen- und chancenreich.

„Zur Pause müssen wir wenigstens mit zwei Toren Unterschied führen, weil wir ein Mega-Spiel gemacht haben“, sagte Coach Holger Gremler nach der Partie. „Ähnlich war es ja schon gegen Walschleben und Empor Erfurt. Aber wir nutzen unsere guten Chancen nur unzureichend.“

Letztlich traf aber nur Daniel Schönteich dank seiner linken „Klebe“ – 1:0 (27.). Erster Nackenschlag: Kurz vor der Pause brauchte Leon Hesse nach einer Eingabe von der rechten Seite nur noch den Fuß hinzuhalten, um das 1:1 zu markieren.

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„Ein Tor quasi aus dem Nichts“, so Gremler.

Ein taktischer Schnitzer dreht die Begegnung

Zweite Halbzeit, gleiches Bild. Die Hausherren spielten zielstrebiger, belohnten sich immerhin in der 69. Minute mit dem 2:1. Sicher war auch etwas Glück dabei, dass Martin Hellmunds Versuch aus 20 Metern für den sonst herausragenden Großrudestedter Schlussmann Björn Kunold unhaltbar abgefälscht worden war. Kurz danach reagierte dieser gegen den halblinks allein auf ihn zulaufenden Hellmund einmal mehr prächtig.

Der Rest war ein Hauch von Camp Nou, allerdings auch eine kräftige Portion taktisches Ungeschick: Warum die Blau-Weißen in der letzten Spielminute bei einer Führung mit fünf Leuten auf einer Linie in vorderster Front standen und fast die gesamte Innenverteidigung entblößten, verstand auch Coach Gremler nicht. Gästestürmer David Menge freute es: Er lief allein auf Torwart Hocke zu und überwand ihn. Noch arger: Beim nächsten Großrudestedter Angriff genoss Benjamin Teuber auf der linken Seite seinen Freiraum und flankte von der Grundlinie.

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Routinier Rick Bürgermeister flog per Hechtkopfball-Abtaucher heran und kippte mit dem 2:3 die Partie endgültig. Kaum hatte der Ball im Netz gelegen, ertönte der Abpfiff.

Ingersleben trifft beim attraktiven Schlagabtausch gegen Empor Erfurt zweimal häufiger

Überraschend akzeptable Platzbedingungen hinterließ Petrus trotz seiner miesepetrigen Laune samt Dauerregens den Akteuren aus Ingersleben und Hochheim. Die nutzten beide jungen Mannschaften, um sich einen attraktiven Schlagabtausch zu liefern. Schließlich gewann die Fortuna um Trainer Marco Eberling 4:2. „Beide Mannschaften hätten auch drei Tore mehr schießen können“, war sein Fazit. „Empor Erfurt hat sich sehr gut präsentiert und eine sehr ansehnliche Spielidee.“

Ein Kompliment, das sich das Team um Gästetrainer Olaf Gottfried wöchentlich vom jeweiligen Kontrahenten anhören darf. Allein: Es bleibt derzeit ein Muster ohne Wert. Von den letzten acht Pflichtspielen ging Empor sieben Mal als Verlierer vom Feld.

Auch dieses Mal nahm die Gottfried-Elf das Heft des Handelns in beide Hände. Sie zwang Ingersleben, das auf Marko Dolkowski und nach einer halben Stunde auch Philipp Hartung (Knöchelverletzung) verzichten musste, in die eher ungewohnt abwartende Rolle. „Wir haben umgestellt und auf ein schnelles Umkehrspiel gesetzt“, sagte Eberling. Die Taktik ging auf, da vor allem die schnellen Spitzen Elias Scholz und Nick Wiegand kaum zu bremsen waren. Das Prinzip, die Bälle über den außen startenden Scholz zu spielen, der Dreifachtorschütze Wiegand bediente, funktionierte prächtig. Hinzu kam ein Freistoßtreffer Sascha Heinemanns zum 2:0 (35.). Heinemann war es auch, der neben dem wiederum starken Franz Rochlitz für Stabilität im Zentrum der Hausherren bemüht war.

Folglich kamen auch die Hochheimer über die Außen zu ihren Treffern. Schulbuchmäßig wurden die Bälle von der Grundlinie in den Rückraum gelegt. „Das Einmaleins des Fußballs beherrscht diese Mannschaft“, anerkannte Eberling lobend. Dennoch reichte es für Empor nur für die Treffer Martin Gottfrieds (75.) und Jonathan Bloß' (82.) zum 1:3 und 2:4.

#seitenwechsel: Ergebnisse sind im Fußball nicht alles, wie die Trainer der Heimteams treffend unterlegten.

Holger Gremler (Blau-Weiß 52): „Trotz der Niederlage kann ich meiner Mannschaft überhaupt keinen Vorwurf machen. Sie setzt das meiste von dem, was wir vorher besprechen, hervorragend um. Es gibt solche Tage, an denen man trotz eines starken Spiels am Ende mit leeren Händen dasteht.“

Marco Eberling (Ingersleben): „Empor hat uns zum zeitigen Umstellen gezwungen. Das Schöne am Fußball ist, dass man sich immer wieder neu erfinden kann und muss, um auf die aktuellen Begebenheiten zu reagieren. Das hat das Team heute bestens gemacht.“

Ingersleben – Empor Erfurt 4:2

Ingersleben: Teubner, Schöler (61. Köhler), Eichner (72. Erfurt), Wiegand, Heinemann, Scholz, Rochlitz, Hartung (33. Muric), Bachmann, Luley, Reichardt.

Empor: Wawrzik, Bobzin, Schröder, Wittke, Gottfried, Bloß, Eckermann, Schrepper, Kraulich (70. Schreyl), Jungeilges, Schrimpf.

T.: 1:0 Wiegand (5.), 2:0 Heinemann (36.), 3:0 Wiegand (54.), 3:1 Gottfried (75.), 4:1 Wiegand (80.), 4:2 Bloß (82.).

Blau-Weiß 52/Eintracht – Großrudestedt 2:3

BW 52: Hocke, Stötzer (65. Volkmar), Hofmann, Ulrich, Hamann, Hellmund (87. Niemietz), Schönteich, Papst, Rogowski, Ankaoglu (80. Hubert), Suffa.

Großrudestedt: Kunold, Nenninger, Bohn, P. Hesse, Bürgermeister, Quatuor, Grünbeck (88. Mörseburg), Menge, Teuber, Herold, L. Hesse (71. Rödiger).

T.: 1:0 Schönteich (27.), 1:1 L. Hesse (43.), 2:1 Hellmund (69.), 2:2 Menge (90.), 2:3 Bürgermeister (90.+1).

#hintertorkamerad