30 Millionen Deutsche saßen am 4.7.2006 vor den Fernsehgeräten und sahen das WM-Halbfinale #Deutschland - Italien. Das Spiel stand lange auf der Kippe, am Ende entschieden Treffer von Fabio Grosso in der 119. und von Allessandro del Piero in der 1. Minute der Nachspielzeit der Verlängerung das Spiel zugunsten der Südeuropäer. 5 Tage später stand die "Azzurri", wie die italienische Nationalmannschaft in der Heimat genannt wird, als Fußballweltmeister fest. Neben den Superstars Andrea Pirlo, Fabio Cannavaro oder Francesco Totti ging während der WM oftmals das wahre Quäntchen unter, welches Italien von den anderen Teams unterschied: Kein anderes Team verfügte über einen derart stabilen Torwart wie die Italiener mit Gianluigi "Gigi" #Buffon.

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Es waren nicht die atemberaubenden Reflexe eines Guillermo Ochoas, der 2014 in der Gruppenphase Mexiko buchstäblich im Alleingang einen Punkt gegen die Brasilianer eroberte, auch nicht die hochriskanten Abwehraktionen Manuel Neuers im selben Jahr gegen Algerien, die dem damals 28-jährigen Buffon den Lew-Jaschin-Preis für den besten Torwart des Turnieres einbrachten. Es war die Ruhe, die Buffon in allen Spielen durchgehend behielt. Der Mann des Turnieres wurde zweimal in der regulären Spielzeit überwunden: Das erste Mal in der Vorrunde beim unglücklichen 1:1 gegen die USA vom eigenen Verteidiger Cristian Zaccardo, das andere Mal im Finale vom genialen Zinedine Zidane – per Elfmeter. In den restlichen 5 Spielen hielt Buffon sein Tor sauber, er leistete sich während der gesamten WM keinen einzigen schweren Fehlgriff.

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Dieser Mann, vorher außerhalb von Italien nur mäßig gut bekannt, wurde zum Star, er eröffnete eine Ära, in der Torhüter wieder Helden wurden und er gehörte jahrelang zur Defensive, die Italien den Ruf eines absoluten Defensivbollwerks einbrachten. 2008 ging Italien als Turnier-Mitfavorit in die Europameisterschaft, doch die erste Partie wurde zum Desaster. Buffon spielte mit sichtlich mehr Druck als zuvor, kassierte drei Tore gegen die Niederlande. Ein gehaltener Elfmeter gegen Rumänien brachte die alte Stärke zurück, gegen Frankreich zeigte die gesamte Defensive um Buffon, dass 2006 nicht nur eine Momentaufnahme war. Am Ausscheiden im Elfmeterschießen konnte Buffon im Viertelfinale nicht rütteln, dennoch wurde er wie 2006 ins Allstarteam des Turniers gewählt.

Die WM 2010 wurde für Buffon zum Tiefpunkt. Er spielte nur eine Halbzeit im ersten Spiel gegen Paraguay und erlitt einen Bandscheibenvorfall. Ohne ihn schied Italien in der Vorrunde aus.

Sein erfolgreiches internationales Comeback stellte die Europameisterschaft dar.

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Und tatsächlich galt: sobald Buffon zwischen den Pfosten stand, gab es Erfolge. In der Vorrunde konnte Italien zwar nicht überzeugen, sich in einer nicht gerade einfachen Gruppe allerdings dank starker Abwehrleistungen dennoch die Qualifikation zur KO-Runde sichern. Dort wurde der Keeper im Elfmeterschießen zum Helden, als er den Schuss des Briten Cole abwehren konnte und Italien den Einzug ins Halbfinale und schließlich ins Finale bescherte. Trotz einer 0:4-Niederlage gegen Spanien konnte Buffon sich einige Male auszeichnen und eine Katastrophe verhindern sowie sich einen Platz im Allstarteam des Turnieres sichern.

Auch wenn die Ikone langsam in die Jahre gekommen war, nahm Cesare Prandelli den 36-jährigen Buffon 2014 ein weiteres Mal als Nummer 1 mit zur WM. Es wurde ein Déjà-Vu zu 2010, Italien ging mit nur einem Sieg aus drei Spielen erneut in der Vorrunde. Buffon, der das erste Spiel verletzungsbedingt verpasste, konnte sich immerhin den Titel des „Man of the Match“ im letzten Spiel gegen Uruguay sichern.

Auch die Europameisterschaft 2016 bestritt Buffon als Nummer eins, zum letzten Mal bei einem großen Turnier, wie wir nun wissen. Mit Buffon im Tor gewannen die Italiener ihre ersten beiden Spiele souverän, qualifizierten sich für das Achtelfinale, in welchem Spanien geschlagen wurde und Buffon erneut ohne Gegentor bliebt. Erst im Viertelfinale musste man sich Deutschland im Elfmeterschießen geschlagen geben, Buffon parierte erneut einen Schuss.

Das Turnier 2018 in Russland sollte ein, wenn nicht glänzender, so zumindest befriedigender Abschluss seiner Karriere werden, doch die Italiener scheiterten knapp aber nicht unverdient an den Schweden, die im ersten Spiel in Solna gewannen und sich diesen Vorsprung im zweiten Spiel nicht mehr nehmen ließen. Buffon erklärte unter Tränen seinen unmittelbaren Rücktritt aus der Nationalmannschaft.

Doch was bleibt nun?

Buffon gehörte zur Goldenen Generation Italiens, die 2006 den Weltmeistertitel gewann und damit den Wettskandal, der das Land zuvor erschüttert hatte, zur Randnotiz der Fußballgeschichte machte. Er gewann 8 Meistertitel mit Juventus Turin, dem Verein, dem er, im Gegensatz zur aktuellen Tendenz im #Fußball, seit 16 Jahren treu ist und zog drei Mal ins Finale der Champions League ein. Dass er auch diesen Pokal will, zeigt seine Vertragsverlängerung mit Juventus Turin bis 2018. Sollte er in diesem Jahr die Champions League gewinnen, wäre er bereits 40 Jahre alt. Buffon wird immer als einer der besten Torhüter des beginnenden 21. Jahrhunderts in der Erinnerung aller Fans bleiben, seine Misserfolge sind überschaubar, seine Erfolge glänzend. Allein das Ende der Karriere in der Nationalmannschaft hätte man sich schöner erhofft, eventuell mit einem goldenen Pokal in Moskau. Doch man kann nicht alles haben in einer Nationalmannschaftskarriere – Buffon wird es verschmerzen können, denn er war nicht nur auf dem Platz schon immer ein ganz Großer.

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