„Gegen Spitzenmannschaften wie Leinefelde müssen wir uns messen. Gerade zuhause wollen wir aber nicht nur sehen, wo wir stehen, sondern immer gewinnen. Schließlich können wir jeden in der Liga schlagen.“

Coach Christian Stieglitz und seine Landesklasse-Fußballer vom FC Erfurt Nord bewiesen mit dem 3:0-Sieg an der Grubenstraße gegen den SC Leinefelde, dass sie zurecht wieder Anschluss an die Podestplätze in der Staffel II gefunden haben. Sie überflügelten nunmehr den Lokalrivalen Büßleben sowie Gegner Leinefelde und eroberten Rang 4.

Am Verdienst des Erfolges der vor allem taktisch cleveren Hausherren gab es wenig zu rütteln.

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„Wirklich gefährlich wurde Leinefelde erst kurz vor Schluss bei einem Pfostenschuss“, sagt Stieglitz und hebt dabei das Fundament des Erfolges heraus: „Wir haben durchweg gut verteidigt und im Umkehrspiel viele Nadelstiche gesetzt. Eigentlich hätten wir zeitiger führen müssen.“

Geschickte Spieleröffnung aus allen Mannschaftsteilen

Das schnelle Umschalten klappte, das Toreschießen gegen Ende der ersten Halbzeit endlich auch. Gegen die hochstehenden Nordthüringer waren präzise weite Pässe – oft diagonal – das Mittel, so auch vor dem 1:0 Andy Phams (37.). Steffen Knabe hatte final aufgelegt. Fünf Minuten später traf er selbst, nachdem er von rechts durch Niklas Kliem bedient worden war (42.). Zuvor hatte Stephan Wetzold das Spielfeld „geöffnet“ – ein Muster der klugen Zuspiele von Akteuren aus der Hintermannschaft.

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„Das haben sie alle richtig gut gemacht. Ob Long Pham und Stephan Wetzold in der Innenverteidigung, Kenneth Rost als Rechts- oder Marco Schuchardt als Linksverteidiger.“

Nach der Pause das gleiche Bild: Leinefelde fiel wenig ein; der um die soliden Sechser Francisco Paunde und Marcel Pfreimer formierte Nord-Block erzwang Fehler und versuchte, sich bietende Chancen zu weiteren Treffern zu nutzen. Das klappte noch einmal in der 67. Minute. Nach einem Eckball versenkte Andy Pham per Kopf die Kugel im Leinefelder Kasten.

#seitenwechsel: Mit den Punkten 18 bis 20 aus den jüngsten acht Partien unterstreicht der FC Erfurt Nord seine aktuell beeindruckende Verfassung. Die Hypothek eines bestenfalls mäßigen Saisonstarts bleibt dennoch bestehen. Sondershausen ist bereits auf elf Zähler enteilt, ein Aufstieg in die Verbandsliga scheint 2017/18 nur schwerlich machbar zu sein.

„Das ist aber auch nicht unser primäres Nahziel“, gibt sich Stieglitz gelassen. Nach der fast siebenjährigen Ära seines ehemaligen Vor- und Mitstreiters an der Seitenlinie, Uwe Starkloph, hatten sich die Nord-Kicker in einer neuen Situation wiedergefunden.

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Junge Spieler wurden integriert, andere verletzten sich (Schuchardt, Christoph Weichert, Marcus Decker), der Ex-Rot-Weiße Manh Van Pham befand sich sechs Wochen im Urlaub, Arsid Banushaj (Albanien) noch nicht im Besitz der griechischen Staatsbürgerschaft. Da kann es schon mal passieren, dass der eigentlich für die Alten Herren aus Weimar zurückgekehrte Tony Gretsch (39) im Landesklasse-Team aushelfen muss. „Das macht er dank seiner Routine aber noch immer gut. Zudem ist er mental eine Verstärkung für die Jungs, ein Faktor außerhalb des Feldes“, lobt Stieglitz. „Einer unserer starken Torhüter, Kevin Schoepe, hat bereits draußen mitspielen müssen. Es ist machbar, weil er auch ein passabler Feldspieler ist.“ Dennoch: Bis zu 13 Mann fehlten dem Coach für die Spiele gleichzeitig.

Verbandsliga-Wunsch: ja! Eile: nein!

„Unter diesen Umständen dauert es natürlich eine Weile, ehe neue Werte umgesetzt werden können. Die 70 Punkte aus der vergangenen Saison sind letztlich nur sehr schwer zu toppen. Aber das obere Tabellendrittel ist drin.“

Die neuen Werte: Vor allem noch jugendlicher soll es im Sportforum an der Grubenstraße künftig zugehen, so der Wunsch der Trainers. „Vorbilder sind die Modelle in Sömmerda und Büßleben. Wenn wir ein bis zwei Jungs pro Saison rekrutieren können, sichert das natürlich die sportliche Zukunft des Vereins. Und unsere Nachwuchsteams spielen ja auch weitgehend ordentliche Rollen.“

Die jüngsten Talente im Männerteam sind hingegen noch Importe, wie Mic Metschulat (Stotternheim) und Niklas Thiem (VfB Grün-Weiß). „Auf Dauer ist es aber eine kostspielige Sache, sich Spieler zu holen. Zudem ist es ein großer Vorteil, wenn sich Jungs aus dem eigenen Nachwuchs von klein auf mit dem Verein identifizieren. Stabilisiert sich so ein System, kann man eines Tages mal über einen Aufstieg in die Verbandsliga nachdenken.“ #hintertorkamerad

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