Die WM

Die erste #Fußball-Weltmeisterschaft der Geschichte fand 1930 in Uruguay (streng genommen sogar nur in der Hauptstadt Montevideo) statt. Eine Qualifikation gab es nicht; es nahmen einfach die Länder teil, die wollten und konnten. Das lief darauf hinaus, dass 7 der 13 Teilnehmer der ersten Weltmeisterschaft aus Südamerika stammten – für sie war die Anreise am einfachsten. Aus Nordamerika reisten die USA und Mexiko an, 4 Teams aus #Europa machten sich auf die weite Reise. Ursprünglich sollte es ein KO-Turnier, wie es später zweimal getestet wurde, durchgeführt werden, allerdings wollte man den europäischen Vertretern (Frankreich, Jugoslawien, Rumänien, Belgien) nicht zumuten, wegen eines einzigen Spieles um die halbe Welt gereist zu sein.

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Darum entschied man sich für das Gruppenformat.

Guillermo Stábile – erster Torschützenkönig

In Gruppe 1, der einzigen Vierergruppe, traf das favorisierte Argentinien (u.a. Silbermedaillengewinn bei den Olympischen Spielen 1930) auf Chile, Frankreich und Mexiko. Im ersten Spiel traf Argentinien auf Frankreich. Guillermo Stábile spielte nicht mit, der spätere Star war nicht im Kader, hatte noch nie ein Länderspiel bestritten, ein No-Name wie er im Buche steht. Dank eines Tores durch Luis Monti gewannen die Argentinier dennoch, wenn auch denkbar knapp, mit 1:0. Im zweiten Spiel durfte dann Guillermo Stábile sein Glück versuchen. Er nutzte die Chance – und wie. In der 8. Minute schoss er sein erstes, in der 17. Minute sein zweites Turniertor. Der Gegner aus Mexiko schien in der ersten Halbzeit schockiert, ging dank eines Elfmeters, der von Manuel Rosas verwandelt wurde allerdings „nur“ mit einem 1:3-Rückstand in die Pause (Adolfo Zumelzu hatte für die Argentinier das zwischenzeitliche 2:0 erzielt).

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Nach der Pause trafen Zumelzu und Francisco Varallo in schneller Folge, Mexiko kam noch bis aufs 3:5 ran, doch Guillermo Stábile, der Mann, der den Torreigen eröffnet hatte, beendete das Spiel mit 6:3. Innerhalb von einem Spiel, seinem ersten in der Nationalmannschaft, wurde Stábile zum Held in Uruguay, 3 Tore in einem Spiel waren auch damals eine außergewöhnliche Leistung. Argentiniens letzter Gruppengegner, Chile, war also gewarnt vor Stábile – doch dieser schlug wieder zu. Mit einem Doppelschlag in der 12./13. Minute beendete Stábile das Spiel bevor es richtig angefangen hatte. Argentinien stand mit dem 3:1 im Halbfinale – und das gegen Außenseiter USA. In der ersten Halbzeit lief es schleppend – man ging mit einer Führung von 1:0 in die Kabine. Doch dann drehte die argentinische Offensive um Doppeltorschütze Stábile auf: mit 6:1 wurden die Amerikaner nach Hause geschickt – Stábile hatte mittlerweile 7 Turniertore auf dem Konto. Doch das Schwierigste stand noch bevor: Das Finale gegen Gastgeber Uruguay vor 93.000 Zuschauern im Estadio Centenario.

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Schon vor dem Spiel ging es hoch her: Schiedsrichter John Langenus bestand darauf, dass alle Zuschauer einzeln gefilzt werden (was bei 93.000 ein enormer Aufwand war!) und tatsächlich wurden dabei über 1500 Schusswaffen gefunden! Als Reaktion darauf forderte der belgische Schiedsrichter, dass hinter jedem Tor eine Leibwache für ihn positioniert werde, ansonsten traue er sich nicht anzupfeifen. Nun schien die Partie endlich startbereit, doch hatten beide Mannschaften die Forderung gestellt, jeweils mit „ihrem“ Ball zu spielen – Langenus entschied, dass die erste Hälfte der argentinische, in der zweiten der uruguayische Ball genutzt werde. Nun konnte also endlich das erste WM-Finale der Geschichte beginnen. Pablo Dorado erzielte die frühe Führung für Uruguay, doch Carlos Peucelle und wieder Stábile brachten das Stadion zum Schweigen – und die Stimmung zum Kippen. Denn in der zweiten Halbzeit sollen sich mehrere mit Bajonetten Bewaffnete rund um das Spielfeld positioniert haben und eindeutig gezeigt haben, welches Team hier zu gewinnen hat, wenn alle Beteiligten lebendig nach Hause kommen wollten. Auch so etwas gab es bei der ersten WM. Es schien zu wirken: Argentinien kassierte drei Treffer, erzielte selber keinen und verlor damit das Finale. John Langenus floh so schnell er konnte nach Hause – das Boot dafür hatte er bereits vorher bereitstellen lassen. Argentinien sah sich natürlich ungerecht behandelt doch aller Protest brachte nichts – Uruguay ging als erster Weltmeister in die Geschichte ein.

Wie ging es weiter?

Stábile spielte, so seltsam es auch klingen mag, danach nie wieder für die Nationalmannschaft. Die Gründe sind unbekannt; man mag vermuten, dass dieses Spiel gegen Uruguay am 30. Juli 1930 seinen Anteil daran hatte. Er blieb allerdings bis 1950 WM-Rekordtorschütze, auch seine Quote von 2 Toren pro Spiel ist eine der besten in der Geschichte der Weltmeisterschaft. An diese Erfolge konnte er weder bei Genua noch Neapel so richtig anknüpfen. Einen zweiten Frühling erlebte Stábile allerdings als Trainer der argentinischen Nationalmannschaft: Er gewann die Copa America zwischen 1941 und 1957 sechs Mal. Nach der erfolglosen WM 1958 war für ihn allerdings auch hier Schluss. Bemerkenswert ist, dass Stábile nebenbei auch noch verschiedene Vereinsmannschaften trainierte; bis 1966 leitete er außerdem noch die argentinische Trainerschule. Guillermo Stábile ist einer der wenigen Spieler, die in derart wenigen Länderspielen derart viel Eindruck hinterlassen konnten. Und auch wenn er nie die Weltmeisterschaft gewann: er wird für immer als Star der ersten dieser Art in den Geschichtsbüchern des Fußball stehen.

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