Die Gruppenauslosung zur WM ist durch – Deutschland trifft mit Schweden, Mexiko und Südkorea auf nicht einfache, aber machbare Gegner. Joachim „Jogi“ Löw hat jetzt bis Mai Zeit, einen vorläufigen, 26-köpfigen Kader bekannt zu geben. Doch welche Spieler können sich schon jetzt relativ sicher sein, 2018 nach #Russland zu fahren? Wir haben eine Startelf an Spielern zusammengestellt, auf die Löw wohl bauen würde, wäre das erste Spiel am morgigen Tag.

Manuel Neuer

Auch wenn er momentan noch an einem Mittelfußbruch leidet: der Kapitän der Bayern ist wohl die am wenigsten diskutierte Personalie für die WM. 74 Mal stand er bereits für die #Nationalelf zwischen den Pfosten, bewies spätestens 2014 in Brasilien, dass er der stärkste Torhüter der 2010er ist.

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Unvergessen bleiben seine Ausflüge gegen Algerien und seine Paraden gegen Frankreich. Nur die Verletzung könnte, sollte sie sich als langwieriger als angenommen erweisen, Neuers dritter Weltmeisterschaft noch im Weg stehen. Danach sieht es allerdings nicht aus.

Joshua Kimmich

Kimmich ist in München als Rechtsverteidiger gesetzt und auch bei Löw ist er seit der WM 2016 ein wichtiger Faktor. 2016 wurde noch hin und wieder bemängelt, dass Kimmich Erfahrung fehlt – nach einem einsatzreichen Jahr 2017 kann man dies wohl kaum noch sagen. Kimmich zählt mittlerweile 25 Einsätze für die Nationalmannschaft – mit 22.

Jerome Boateng

Für ihn gilt Ähnliches wie für Neuer – spätestens seit 2014 ist der Münchener unverzichtbar. Bei der Europameisterschaft rettete er unter anderem spektakulär gegen die Ukraine und zeigte, dass er momentan zu den Besten seiner Zunft gehört.

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Es gibt kein System mit zwei Innenverteidigern, in dem Boateng nicht spielen wird. Einzige Ausnahme auch hier die Verletzungszwangspause doch selbst die hielt ihn 2016 nicht von der EM ab.

Mats Hummels

Auch für ihn markiert 2014 den Durchbruch zur absoluten Weltklasse: Bei der Weltmeisterschaft bildete er gemeinsam mit Boateng die sattelfeste deutsche Innenverteidigung, die in sieben Spielen nur vier Tore kassierte; Hummels wurde sowohl von der FIFA als auch von den Fans ins „Dream Team“ der WM berufen. Seit 2016 spielen Hummels und Boateng nun auch in München zusammen.

Jonas Hector

Größtes Defizit der deutschen Verteidigung (vor allem seit dem Rücktritt von Philipp Lahm) ist die Position des Außenverteidigers. Mit Kimmich wurde für rechts eine Lösung gefunden, der linke Außenverteidiger bleibt ungewiss. Bei der EM 2016 zeigte Jonas Hector sehr respektable Leistungen, weswegen er momentan als wahrscheinlichste Alternative gilt. Allerdings kann es gut sein, dass Löw doch auf Herthas Marvin Plattenhardt oder Leipzigs Marcel Halstenberg zurückgreift.

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Beide haben zwar weniger Erfahrung mit der Nationalelf als Hector, könnten allerdings davon profitieren, dass dieser Trainingsrückstand aufgrund eines Syndesmosebandrisses hat. Denkbar ist auch, dass Löw mehrere Kandidaten in den vorläufigen Kader beruft; auf jeden Fall dürfen wir gespannt sein, was der Trainer sich für diese Baustelle ausdenkt.

Toni Kroos

Kroos ist bei Löw auf der Sechserposition gesetzt, egal, ob diese doppelt oder einfach besetzt wird. Seit vielen Jahren ist der schussgewaltige gebürtige Greifswalder der Denker und Lenker im Team der Nationalmannschaft und gilt neben Spielern wie Neuer, Hummels, Boateng und Thomas Müller zu den bedeutendsten Stars, die das deutsche Nationalteam in der Ära Löw hervorgebracht hat. 2010 und 2012 noch Ergänzungsspieler verpasste er in Brasilien zur WM 2014 keine Minute, konnte mit drei Vorlagen und zwei Toren glänzen. Diese Leistung bestätigte er sowohl 2016 bei der Europameisterschaft in Frankreich als auch seit der Saison 2014/15 bei Real Madrid, wo er sofort zum Stammspieler wurde und unter Anderem zwei Mal die Champions League gewann. Sein Marktwert von 70 Millionen Euro spricht ebenfalls für sich.

Sami Khedira

Die Weltmeisterschaften 2010 und 2014 waren für Khedira absolute Höhepunkte: Er zeigte Topleistungen, konnte sich sogar so gut präsentieren, dass Real Madrid ihn 2010 von Stuttgart loseiste. Doch nach dem WM-Sieg in Rio de Janeiro wurde er zum Pechvogel: zu Beginn der Saison 14/15 zog er sich einen Muskelbündelriss zu, kurz nach dem Comeback musste er nach einer Gehirnerschütterung pausieren. 2015 ließ ihn Madrid kostenlos zu Juventus Turin ziehen. Doch dort erlebte er einen zweiten Frühling: Der Deutsch-Tunesier erkämpfte sich trotz erneutem Verletzungspech einen Stammplatz, spielte 2016/17 46 Spiele für die Italiener. Sollte Löw also mit einer Doppelsechs planen, wäre Kroos/Khedira wie 2016 wieder eine Lösung mit Weltklasseformat. Für Khedira wäre es mit 30 Jahren die dritte WM.

Mesut Özil

Auch wenn Özil weder in der Nationalelf noch bei Arsenal völlig frei von Schwächephasen ist – Löws Vertrauen in ihn ist riesig. Und das nicht umsonst: Özil dirigiert das Spiel aus dem offensiven Mittelfeld heraus, seine Übersicht und seine Fähigkeit, diese durch genaue Pässe zu verwerten haben ihm den Spitznamen „Assist-King“ eingebracht. Und Özil beweist, aller Kritik zum Trotz, dass er da ist, wenn er gebraucht wird wie bei der WM 2010: Im letzten Vorrundenspiel gegen Ghana wurde ein Sieg für das sichere Weiterkommen dringend gebraucht, doch die ganze deutsche Mannschaft, Özil eingeschlossen, war erstaunlich blass, nahezu nichts gelang. Dann der lichte Moment: Özil wird 20 Meter vor dem Tor von Thomas Müller angespielt und versenkt den Ball in bester Manier. Deutschland kam als Gruppensieger weiter. Wenn Özil fit ist, wird er also spielen und dann hat Deutschland im Idealfall einen der besten Zehner der Welt in seinen Reihen.

Julian Draxler

Der stärkste deutsche Linksaußen. Seit Anfang diesen Jahres ist er bei PSG unterwegs, steht dort zwar seit diesem Sommer etwas im Schatten der Toptransfers Neymar und Kylian Mbappé, beweist aber immer wieder, dass er trotz starker Konkurrenz sich nicht mit einem Platz auf der Bank zufrieden geben will. Bei Löw ist der 24-jährige, gefürchtet vor allem für seine Stärke im Eins-gegen-eins und seinen Antritt, sowieso gesetzt, bestritt in der letzten Saison die drittmeisten (14) Spiele und kann auch fest mit Russland planen, seinem zweiten Turnier, in welchem er auf der Setzliste stehen wird (nach dem Confed-Cup 2017, den er als Kapitän der deutschen Nationalmannschaft gewann).

Leroy Sané

Rechtsaußen sieht die Sache nicht ganz so klar aus. Gegen Frankreich kickte dort Ilkay Gündogan, der allerdings eher im Zentrum zu Hause ist. Auch der momentan verletzte Mario Götze könnte außen spielen, ist auf dieser Position allerdings sehr unerfahren. Also bleibt die interessante Alternative Leroy Sané. Bei Manchester City gilt der 21-jährige als gefeierter Youngstar, trotz seines jungen Alters liegt sein Marktwert bereits bei 45 Millionen Euro. Zudem könnte er als Pendant zu Draxler auftreten; sein 1-gegen-1 ist nahezu genauso gut, seine Beschleunigung sogar noch besser. Außerdem bestritt er sein erstes Länderspiel als Einwechsler für Draxler. Die Flügelzange Draxler-Sané klingt also sehr verlockend. Gerade Rechtsaußen ist zwar noch eine umstrittene Position, doch Leroy Sané könnte mit einem ersten großen Turnier wichtige Erfahrungen sammeln und sich ´22 oder ´24 endgültig als Superstar präsentieren.

Thomas Müller

„Deutschland sucht den Mittelstürmer“ – seit Miroslav Klose nach der WM 2014 seinen Rücktritt verkündete war dieser Slogan Programm bei Löw. Mario Gomez versuchte sich zwar, kann aber nicht mehr seine besten Leistungen abrufen. Timo Werner hatte seit 2015 eine enorme Leistungsexplosion und hätte durchaus die Berechtigung, seinen Namen hier zu lesen. Allerdings gibt es da noch einen, um den die Nationalelf nicht herumkommt – Thomas Müller. Man kann über ihn meckern wie man will und seine plötzlichen Ladehemmungen bei Europameisterschaften nach Belieben auslegen – bei Weltmeisterschaften ist und bleibt der 28-jährige enorm effizient (10 Tore in 13 Spielen). Allerdings hat er dieses Jahr sehr große Konkurrenz – sollte er tatsächlich auf der Mittelstürmerposition spielen, wird besagter Werner ständig versuchen, ihn zu übertreffen, auf Rechtsaußen gibt es mit Sané, Gündogan und Götze mehrere Spieler, die Löw auch ungern zu Hause lassen möchte und im Zentrum ist Özil der ärgste Konkurrent. Andererseits – was wäre eine WM ohne Müller? Wir werden sehen, ob Löw beim 4-2-3-1 bleibt oder ob er sich noch etwas andere ausdenkt – 4-4-2 mit Werner im Sturm und Müller als hängende Spitze wäre denkbar, sogar ein 4-1-4-1 überlegenswert. Spätestens im Mai wissen wir mehr.

Die Chancen aller Spieler