Man möchte die Videos aus den Archiven kramen. Etliche Europapokal-Abende, Bundesliga- sowie DDR-Oberliga-Spiele, in denen es um die sprichwörtliche Wurst ging, wurden auf vom Schnee überschütteten Fußballplätzen ausgetragen. Und man möchte die Entscheidungsträger fragen, weshalb so etwas heute auf Kreisebene nicht möglich zu sein scheint?

Am ersten Adventssonntag 2017 wurden etwa in der Fußballkreisoberliga Erfurt-Sömmerda drei von vier Spielen abgesagt, der Bedingungen wegen. Doch welche waren es eigentlich? Eine Schneeschicht bedeckte die Fußballplätze und es hörte nicht auf zu schneien.

Was genau bedeutet Unbespielbarkeit?

Selbstverständlich gibt es viele Argumente und Kriterien, ein Fußballspiel wegen der Witterung und vor allem der sogenannten Unbespielbarkeit des Platzes ausfallen zu lassen.

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Eine unbedingte Rechtfertigung ist die Gefahr einer Verwüstung des Spielfeldes. Doch bestand diese tatsächlich für einen Boden, der durch eine zentimeterdicke Schneeschicht geschützt ist? Die Gesundheit der Spieler ist ein Gut, das unmissverständlich immer Vorrang haben sollte! Doch war diese in einem signifikant höheren Maße gefährdet als in den Wochen zuvor? Ein etwaiger Grundsatz, auf Kunstrasenplätzen keine Schneespiele auszurichten, ist zu respektieren; fällt aber nicht weiter ins Gewicht, wenn die betreffenden Vereine mit Heimrecht gar keinen Kunstrasen-Hauptplatz besitzen.

„Der Untergrund war fest, die Schneeschicht dick, die Spieler sind nicht gerutscht, es bestand keine erhöhte Verletzungsgefahr. Fußball ist ein Allwettersport und es gab an diesem Tag keinen Grund, das Spiel ausfallen zu lassen“, sagte etwa Uwe Backhaus, Trainer der TSG Stotternheim, die gemeinsam mit Gegner Haßleben die einzige zur Austragung gekommene Partie bestritt.

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Andernorts fand beispielsweise die vielleicht entscheidende Begegnung um die Herbstmeisterschaft nicht statt: Gispersleben gegen An der Lache/Concordia, das Spiel des Ersten gegen den Zweiten.

Den Stotternheimern konnte es egal sein. Die Scheinwerfer waren allein auf sie und Olympia Haßleben gerichtet. Und so schoben die Hausherren die Linien des Spielfeldes frei und machten sich auf den Weg, die letzten drei Punkte ihres Kalenderjahres einzukassieren.

Auf dem Spielfeld stellte sich vor allem Gäste-Keeper Falko Straube dagegen, hielt bis zur Halbzeit seinen Kasten sauber, obgleich Alex Picht, Johannes Rätz und Franz Kolbe Hundertprozenter besaßen, um die irgendwann überfällige Führung zu erzielen.

TSG sichert sich den Sieg dank Geduld und Übersicht

„Ich habe den Jungs zur Pause gesagt, dass wir den Abnutzungskampf fortsetzen müssen und dass dieses eine Tor fallen wird“, so Backhaus. Der Trainerfuchs behielt mal wieder Recht: Keine vier Minuten nach Wiederbeginn schaute sich sein Sohn Gino de Bortoli Keeper Straube aus und überwand ihn mit einem Abschluss ins kurze Eck.

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Eine Gegenoffensive der Haßlebener? Fehlanzeige! „Sie kamen in dem ganzen Spiel nicht einmal vor unser Tor; sicher auch das Verdienst von Eric Lütz, der unsere Defensive sehr gut geführt hat“, analysierte Backhaus.

Auf der Gegenseite hatte sich später Sebastian Walter auf links in einem Zweikampf durchgesetzt und gelöst, den Ball zu Gino de Bortoli gepasst, der noch weiter rechts Martin Holzapfel fand. Holzapfel beförderte aus 18 Metern den Ball mit viel Gefühl in den Winkel rechts oben zum 2:0-Endstand (72.).

Stotternheim – Haßleben 2:0

Stotternheim: Sauerwein, Balven, Stauch, Picht (72. Olsson), Jüngling, Holzapfel, Kolbe (74. Dunkel), Lütz, Rätz, G. de Bortoli (82. Scharfenberg), Walter.

Haßleben: Straube, Schmidt, Zywiczka, Quittschreiber, Bruder, D. Kraft, Michaelis, Kämmerer, Hopfe, Dzian (84. Berthold), Kutscher.

T.: 1:0 G. de Bortoli (49.), 2:0 Holzapfel (72.).

Die Spiele vom Samstag.

Der vorige Spieltag.

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