Deutschland hat sich inzwischen zu einem der bedeutendsten Einwanderungsländer auf der Welt entwickelt. Trotzdem spielt die zielgerichtete Ansprache von ethnischen Minderheiten hierzulande bisher nur eine Untergeordnete Rolle.

Deutschland hat sich in den letzten Jahren zu einem der weltweit attraktivsten Länder für Einwanderer entwickelt. Inzwischen verfügen circa 25% der Gesamtbevölkerung über einen Migrationshintergrund. In Anbetracht der heutzutage schwierigen Wachstumsmöglichkeiten, aufgrund vielfach gesättigter Märkte, homogener Produktleistungen und einem immer höher werdenden Wettbewerbsdruck, rückt die Erschließung neuer Zielgruppen mehr und mehr in den Fokus von Unternehmen. Doch anstatt die Erschließung neuer Märkte im Ausland zu priorisieren, sollten die hierzulande ansässigen Unternehmen probieren sich stärker auf die unerschlossene Marktpotenziale im Inland zu fokussieren.  In diesem Zusammenhang kann das Ethno-#Marketing und somit eine zielgerichtete Ansprach der Einwanderer ein großes Wachstumspotenzial darstellen.

Vom Auswanderungs- zum Einwanderungsland

Deutschland ist inzwischen ein Einwanderungsland mit einer multikulturellen Gesellschaft. In dieser unterscheiden sich die zu befriedigenden Bedürfnisse der Einwanderer in Teilen sehr stark von denen der deutschen Mehrheitsgesellschaft.

Rund 15,3 Millionen Menschen mit einem Migrationshintergrund leben in der Deutschland, was bedeutet, dass knapp jeder fünfte Bundesbürger keine deutschen Wurzeln mehr hat. In  der werberelevanten Zielgruppe der 15-49 Jährigen beträgt dessen Anteil sogar 40%. Die jährliche Kaufkraft dieser Gruppe wird heutzutage bereits auf über 100 Milliarden Euro geschätzt. Je mehr die deutsche Bevölkerung in den kommenden Jahren aufgrund des demographischen Wandels schrumpft, desto interessanter wird folglich die wachsende Zielgruppe der Migranten für Unternehmen.

Geschichte des Ethno-Marketing

Ethno-Marketing kann als eine spezielle Form des Marketings für bestimmte ethnische Gruppen innerhalb einer Gesellschaft bezeichnet werden, wobei das Ziel verfolgt wird, diese als neues Marktsegment treffend anzusprechen. Es stellt folglich eine ethnische Marktsegmentierung dar. Das Ursprungsland des Ethno-Marketings sind die USA, welches als traditionelles Einwanderungsland eine stark differenzierte und multikulturelle Gesellschaft besitzt.

Entwicklung in Deutschland

Als Pionier für Ethno-Marketing in Deutschland kann Mercedes bezeichnet werden. So hat der Automobilhersteller Anfang der 80er Jahre als erster die ethnische Minderheit der Deutschtürken als Zielgruppe für sich entdeckt bevor Mitte der 90er Jahre dann vor allem Unternehmen aus der Telekommunikationsbranche sowie Energieanbieter das Potential der ethnischen Minderheiten als Zielgruppe realisierten.

Trotz ihrer Kaufkraft gehören Migranten in Deutschland nach wie vor zu einer vernachlässigten Zielgruppe. Während die Werbeausgaben der Unternehmen in diesem Bereich in anderen Einwanderungsländern, wie beispielsweise den USA, inzwischen ein paar Milliarden Euro betragen, liegen sie hierzulande bei unter einem Prozent der gesamten Werbeausgaben.

Ausblick

Auch wenn die Bearbeitung von ethnischen Minderheiten als eigenes Segment noch nicht ausreichend betrieben wird, nehmen die Marketingaktivitäten in den letzten Jahren auch hierzulande stark zu.

Vor allem Unternehmen aus der Bankenbranche, Energieversorgung, Automobilherstellung und aus der Telekommunikation bemühen sich intensiv um die Erschließung dieser Zielgruppen. Neben der bereits relativ gut erschlossenen Zielgruppe der Deutschtürken, dürften sich die Aktivitäten zukünftig vor allem auf die Gruppe der in Deutschland lebenden Russen, sowie der Muslime im Allgemeinen konzentrieren.