Prokon – dieser Name stand in den vergangenen Monaten für „Riesenpleite“. Von „Totalverlust“ war die Rede und Medien berichteten über windige Geschäften mit der Windenergie. Tatsächlich hatte der Firmengründer und lange Zeit alleinige Geschäftsführer etliche große kaufmännische Fehler gemacht. An U-Bahn-Haltestellen in Hamburg und anderen großen Städten prangten Werbeplakate, auf denen für Investitionen in die Windenergie Riesengewinne versprochen wurden. Von sechs und sogar von acht Prozent Gewinn war die Rede. Zudem wurde die Anlagefrist von zunächst drei Jahren auf nur wenige Monate verkürzt.

Prokon-Gelder wurden zudem nicht nur in Windenergie, sondern auch in rumänische Wälder investiert. Wem dort welche Bäume gehören, versuchen Ermittler zu klären. Nach einer gut recherchierten Berichtsserie in der „Welt“ gerieten einige hundert Anleger in Panik und wollten kurzfristig ihr Geld zurück. Doch eine Windparkfirma ist keine Bank. Der ganz überwiegende Teil der eingesammelten rund 1,3 Milliarden Euro war investiert, in Windkraftanlegen und allerdings auch in defizitäre Anlagen wie etwa einer Ölmühle in Magdeburg.

Prokon konnte die Genussrechtsinhaber nicht auszahlen – dies führte zur Insolvenz. Im übrigen trugen die Politik und mit ihr die veröffentlichte Meinung zum Niedergang bei Prokon bei. Statt sich über die tatsächliche Situation erst einmal zu informieren, schwadronierten Bundespolitiker von einem angeblichen Totalverlust der Prokon-Gelder. Ein Gesetz zum Schutz der Verbraucher vor oft windigen Produkten auf dem sogenannten „Grauen Kapitalmarkt“ bekam von Politik und Medien schnell den Namen „Lex Prokon“. Fortan diente der Name „Prokon“ als Synonym für zwielichtige Anlageprodukte. Tatsächlich eignet sich dieser Name keineswegs als Beleg für „Totalverlust“ oder gar windige Produkte. Denn Prokon ist werthaltig. Weil bei Prokon, Banken praktisch keine Rolle spielten, bilden die Anleger –also die Genussrechtsinhaber- die größte Gruppe im Insolvenzverfahren. Sie sitzen sozusagen in der ersten Reihe, dort wo sich sonst Bankenvertreter die Plätze teilen. So kommt es, das noch immer 50 Prozent des ursprünglichen Wertes vorhanden sind. Geht es nach dem Willen mehrere Tausend Anleger , dann wird Prokon nach der Insolvenz als Genossenschaft weiter geführt. Genussrechtsinhaber, die sich zu dem Verein „Die Freunde von Prokon e.V.“ zusammen geschlossen haben, arbeiten daran. Sie wollen Prokon als eine der Großen im Bereich der erneuerbaren Energie erhalten. Sie wollen ihren Beitrag leisten für eine sichere Energieversorgung – ohne Atomkraft und ohne fossile Energie wie Öl und Kohle.

Fortsetzung: Prokon auf dem Weg zur Energiegenossenschaft #Finanzen