Sozialen Brennstoff liefert der neueste Bericht der ILO (Internationale Organisation für Arbeit) welche Jährlich die weltweite Entwicklung der Arbeit prognostiziert. Die Arbeitslosenzahlen werden laut den Prognosen dieses Berichts weltweit bis Ende 2019 auf 212 Millionen steigen! Das sind 11 Millionen mehr Arbeitslose als jetzt. Auch die Einkommensungleichheit steigt von Jahr zu Jahr. Diese Entwicklung führt zu immer weniger Vertrauen in die Regierungen und zu sozialen Unruhen. Um sozialen Unruhen weltweit vorzubeugen, gehört die Rolle der Arbeitslosen im Zuge der Globalisierung neu überdacht und bewertet.

Der enorme Anstieg der Arbeitslosen weltweit hat mannigfaltige Gründe von denen als Hauptgründe die Globalisierung und die Automatisierung gilt. Immer mehr Arbeiten werden von Maschinen übernommen. Auch werden im Zuge der Gewinnmaximierung immer mehr Arbeitnehmer entlassen und Löhne gekürzt. Diejenigen, die aus genannten Gründen aus dem System kippen haben aufgrund ihres Alters oder mangelnder Qualifizierung immer größere Schwierigkeiten auf den Arbeitsmarkt zurückzufinden.

"Mehr als 61 Millionen Arbeitsplätze sind seit Beginn der globalen Krise 2008 weggefallen. Unsere Prognosen zeigen, dass die Arbeitslosigkeit global bis zum Ende der Dekade steigen wird. ", sagte ILO-Generaldirektor Guy Ryder.

Während auf der einen Seite von den Arbeitnehmern und Arbeitslosen flexibleres Denken und Handeln gefordert wird hat sich im Denken der Politik bezüglich des Umgangs mit der Arbeitslosigkeit seit Jahrzehnten nichts geändert. Arbeitslose werden, je nach Sozialsystem mehr oder weniger offen stigmatisiert, diskriminiert und mit dem Makel des eigenen Versagens versehen, obwohl jeder weiß, dass Globalisierung ohne Arbeitslose nicht funktionieren kann.

Arbeitslose und Einkommensbenachteiligte sind ein wesentlicher Bestandteil des Spiels um Gewinne, Marktmacht und Lohndumping. Sie sind sich aber ihrer wichtigen Rolle in diesem Spiel nicht bewusst. So wie es bei dem beliebten Spiel "Mensch ärgere dich nicht" keinen Gewinner ohne Verlierer geben kann, so kann es keine Gewinnmaximierung ohne Arbeitslose oder sozial Benachteiligte geben. Was fehlt, ist einzig das Bewusstsein ein systemrelevanter Faktor zu sein, der sich keineswegs verstecken muss sowie die Fähigkeit sich demokratiepolitisch zu artikulieren. Freilich kann es nicht im Interesse der Politik sein, wenn die sogenannten Systemverlierer an Selbstbewusstsein dazugewinnen, denn das könnte zu einer kompletten Umgestaltung der politischen Landschaft führen.

212 Millionen Menschen weltweit sind eine enorme Zahl. Wenn man all jene dazuzählen würde die Einkommensmäßig durch Lohnkürzungen Probleme haben ihren Lebensunterhalt zu bestreiten würde sich die Zahl der Globalisierungsverlierer massiv erhöhen. Aufgrund des, von der ILO prognostizierten Endzeitszenarios mit sozialen Unruhen und Konflikten wäre es vonseiten der Politik mehr als angebracht Arbeitslose nicht mehr zu diskriminieren sondern ihren Stellenwert als diejenigen, welche anderen Gewinne ermöglichen, so zu honorieren, das ein menschenwürdiges Leben möglich ist.

Einziges Problem wäre mit Sicherheit auch die arbeitende Bevölkerung, welche eine solche Besserstellung von Arbeitslosen politisch nicht honorieren würde. Hier wäre sehr viel Sensibilisierung vonnöten. Wie die regelmäßig aufflammende Diskussion um ein bedingungsloses Grundeinkommen zeigt ist in dieser Richtung bereits ein Wandel im politischen Denken eingetreten. Ob dieser Wandel durchsetzbar ist oder ob sich die düsteren Prognosen der ILO bewahrheiten wird die Zukunft zeigen.