Überblick über Finanzierungsalternativen für Gründer/Unternehmer

Welche Möglichkeiten gibt es für junge Unternehmer, sich in der Gründungsphase zu finanzieren?

  1. Team & FFF ("Family, Friends and Fools")

    Hiermit ist das direkte, aus Familien und Freunden bestehende Umfeld des Unternehmers gemeint. Dies ist in der frühen Phase oft sinnvoll, da man weitestgehend unabhängig bleibt und die Geldbeschaffung unbürokratisch von Statten gehen kann. Aber: auch bei den vermeintlich allerbesten Freunden und engsten Verwandten sollte man auf jeden Fall einen schriftlichen Beweis über die Summe und die Rückgabekonditionen anfertigen. Dies hat nichts mit Misstrauen zu tun, sondern dient ganz einfach als Gedächtnisstütze. Wird alles nämlich nur als mündlicher Handshake-Deal abgeschlossen, wird man sich nach mehreren Jahren oder gar Jahrzehnten womöglich gar nicht mehr erinnern können, um wie viel Geld es eigentlich ging und wie es zurückgezahlt werden sollte.

  2. Crowdfunding & Crowdinvestment

    Eine Branche, die durch mehrere Internetseiten stark an Popularität gewonnen hat. Zu nennen wären hier u. a. startnext, kickstarter und seedmatch. Wichtig ist hierbei, dass die Personen aus Punkt 1 sich auch daran beteiligen, denn ein Interessent, der sich die Geschäftsidee ansieht und noch zögert, ob er einsteigen soll, wird es erst recht dann nicht tun, wenn es vorher noch niemand getan hat, bzw. er sich denken muss, dass es dem Unternehmer noch nicht einmal gelungen ist, die Menschen aus seinem engen Umfeld für die Idee zu begeistern.

    Das Funding wird bei Projekten und Produkten angewandt: ein Bombenerfolg war beispielsweise der Fitness-Ohrhörer TheDash, der sich per Vorkasse zu einem günstigeren Preis erwerben ließ. Für den Unternehmer von großem Vorteil, da man das Geld sofort erhält und keine Geschäftsanteile dafür hergeben muss. Oft wird aber unterschätzt, dass die eigentliche Crowdfunding-Plattform für das Marketing nicht ausreicht und der Unternehmer dieses noch selber organisieren muss. Hier kommen dann die Social-Media-Marketing Experten ins Spiel.

    Beim Investment werden Unternehmensanteile über ein partriarchisches Nachrangdarlehen angeboten. Bei seedmatch beispielsweise beteiligen sich die Investoren mit 250 bis 10.000 Euro, eine Kündigung ist nach 5-7 Jahren möglich, wobei das Unternehmen dann bewertet wird. Es kann manchmal ein Nachteil sein, die Investoren erst relativ spät wieder loswerden zu können. Andererseits kann man gerade in der Startphase sehr stark von erfahreneren Unternehmern profitieren, vor allem, was das Marketing angeht.

  3. Banken & Kredite

    Diese sind für Unternehmensgründer grundsätzlich erhältlich. Notwendig sind aber - wie bei normalen Privatpersonen auch - Sicherheiten, weil das Ziel von Banken die Risikoreduktion ist, bei gleichzeitiger Erhöhung der Ertragschancen. Zur Not ließen sich die Sicherheiten noch mit Bürgschaften erhöhen, aber nur, wenn diese werthaltig sind. So sind zum Beispiel Landesbürgschaften über die Bürgschaftsbanken erhältlich.

    Da Kredite meist langfristig vergeben werden, fallen definitiv auch Zinsen an. Wer mit einem zeitlich begrenzten Liquiditätsbedarf plant, kann auch einen Kontokorrentkredit in Anspruch nehmen. Da die Banken jedoch Mindestreserven halten müssen, sind Bereitstellungszinsen hierbei mittlerweile üblich.

  1. Eigenkapitalinvestoren (Business Angels, Venture Capital, HighTech Gründerfonds)

    Bei Business Angels handelt es sich um vermögende Privatpersonen, die in junge Unternehmen investieren. Bei Venture Capital handelt es sich meist um Fonds, die professionell Geld von Investoren in Startups anlegen. Es hat sich etabliert, dass die Angels eher in der frühen Phase einsteigen und die Ventures etwas später, dementsprechend unterschiedlich sind auch die Beträge: für Angelsyndikate sind 10.000 Euro bis 500.000 Euro typisch, für Ventures bis zu 5.000.000 Euro üblich, manchmal allerdings auch deutlich mehr.

    Beide Konzepte kaufen sich dauerhaft ins Unternehmen ein. Sie reden und entscheiden mit und haben zum Teil ganz erhebliche Vetorechte. Es handelt sich oft um, mit allen Wassern gewaschene Investoren, die sich auf Vertragsverhandlungen verstehen und sich gern durch spezifische Klauseln absichern möchten. Es ist auch nicht ganz so einfach, sie zu finden und von dem eigenen Konzept zu überzeugen, da sie oft hohe Anforderungen stellen.

    Bei dem HighTech Gründerfonds handelt es sich um Seedkapital für junge Unternehmen, der 15 Prozent des Stammkapitals erhält und 500.000 Euro gibt, wenn Startup und Business Angel 100.000 Euro zusammen haben. Bei diesem Geld handelt es sich dann um ein Nachrangdarlehen, das verzinst zurückgezahlt werden muss; es kommt jedoch in fast allen Fällen vor, dass dieses Darlehen im Rahmen einer weiteren Kapitalrunde wieder in Eigenkapital gewandelt werden kann.

  1. Öffentliche Förderungen

    Hierbei sind meist Bund, Land und EU die Geldgeber und es gibt unterschiedliche Ausschreibungsverfahren. So zum Beispiel der früher sehr erfolgreiche Gründerzuschuss, wonach Gründer aus der Arbeitslosigkeit noch sechs Monate ab der Gründung Arbeitslosengeld erhalten haben. Mittlerweile wurde das Modell aus Kostengründen jedoch quasi abgeschafft.

    Für Akademiker gibt es das EXIST Gründerstipendium: bis zu fünf Jahre nach Studienabschluss kann man 12 Monate lang jeweils 2.000 Euro pro Monat erhalten, zuzüglich Investitionszuschüssen in Höhe von 17.000 Euro und 5.000 Euro für Coaches. Für das Jahr 2015 sind diese Zahlen sogar noch einmal auf 2.500 Euro pro Monat und 34.000 Euro Investitionszuschuss erhöht worden.

    Sehr interessant in diesem Zusammenhang sind auch die - derzeit aber leider ausgesetzten - Konzepte von Innovationsgutschein und Innovationsassistent. Kreative können sich über die Film- und Medienstiftung des Landes NRW um Stipendien und Innovationsprogramme bemühen.

    Der Vorteil ist, dass es sich hierbei um Zuschüsse handelt, die man nicht zurückzahlen muss und man dafür auch keine Geschäftsanteile verkauft. Aber die Antragstellung kann sehr zeitaufwendig sein und man bleibt während der Abwicklung an den administrativen Aufwand gebunden.

  2. Inkubatoren / Accelatoren

    Dies sind Programme von Unternehmen, die gezielt Startups aufbauen. Häufig sieht das so aus, dass diese die Infrastruktur zur Verfügung gestellt bekommen. Büros, Hilfe bei der Steuerberatung, Infoabende und Coachings sowie Unterstützung bei der Programmierung und der Öffnung von Netzwerken gehören zum Programm, manchmal auch zusätzliche finanzielle Hilfe. Bekannte Beispiele hierfür sind Wayra, Epic Ventures oder Hub:Raum. Die Vorteile des Konzeptes sind, dass es mit der Idee sehr schnell losgehen kann, denn Infrastruktur und Netzwerk stehen sofort parat. Außerdem wird der Ruf des Unternehmens gesteigert. Als Gegenleistung werden jedoch oft hohe Anteile am Unternehmen gefordert, für relativ geringen materiellen Gegenwert. Auch kann es zu unvorhergesehenen Konkurrenzsituationen kommen, wenn die beteiligten Gruppen im Wettbewerb mit den Inkubatorbetreibern stehen.

  3. Kunden

    Um sich sein Projekt von der (zukünftigen) Klientel finanzieren zu lassen, könnte man auf zwei Ideen kommen: die Kunden zahlen die Entwicklung, am besten zu bestimmten Sonderkonditionen und fungieren dergestalt als eine Art Launch-Customer. Um die Attraktivität zu erhöhen, wird den Interessenten Branchenexklusivität garantiert. Oder die Lieferanten stellen ihre Kapazitäten (Werkzeuge etc.) zur Verfügung. Dafür erhalten sie dann Abnahmegarantien oder andere zukünftige Vorteile wie bevorzugte Nutzung, Branchenexklusivität oder Umsatzanteile.

    Vorteil dieses Konzeptes: es redet einem niemand rein, die Risiken sind distinkt geteilt und man gibt keine Geschäftsanteile ab. #Finanzen #Internet