"Zur vollständigen Bearbeitung Ihres Antrages benötigen wir noch folgende Unterlagen...". Ein unbeliebter Satz, den vermutlich alle Studierende kennen, die auf eine staatliche Finanzspritze angewiesen sind. Einmal jährlich müssen Bafög-Empfänger einen Stapel an Formularen ausfüllen, um für weitere zwölf Monate finanzielle Unterstützung zu bekommen. "Bisher ist es mir noch nie gelungen, meinen Antrag auf das erste Mal komplett und ohne postalische "Fehlermeldung" vom Amt einzureichen", sagt Franziska Telser, Studentin im sechsten Fachsemester.

Stau beim Amt für Ausbildungsförderung

665.928 Studierende erhielten im Jahr 2013 Bafög-Zahlungen, so die aktuellen Zahlen des statistischen Bundesamtes. Antragsteller müssen jährlich ein rund zehnseitiges Formular ausfüllen und einige Nachweise einreichen, um auf eine finanzielle Unterstützung hoffen zu können.

"Die meisten eingehenden Anträge landen zunächst unvollständig bei mir auf dem Schreibtisch. Bei der Großzahl der Fälle fehlen die Nachweisdokumente zu bestimmten Angaben", sagt Matthias Reißner, Sachbearbeiter beim Studentenwerk Ulm. Dass das die Bearbeitungszeit der Anträge erheblich verlängert, sei klar. Hinzu komme noch, dass viele Anträge zu kurzfristig vor der gewünschten Erstzahlung eingehen.

Umwege meiden - online beantragen?

Seit letztem Jahr gibt es in einigen Bundesländern die Möglichkeit, die Ausbildungsförderung online zu beantragen. Dieses Tool soll den Dokumentenstau beim Amt für Ausbildungsförderung etwas eindämpfen. Die Anträge werden während der Eingabe bereits auf ihre Plausibilität überprüft. "Mit Hilfe dieses Systems soll ersten Fehlern vorgebeugt werden. Somit kann uns und den Studierenden der ein oder andere Briefwechsel erspart bleiben", so Ulrich Schwarzenbolz, stv. Abteilungsleiter Studienfinanzierung beim Studentenwerk Ulm. Um den Postweg kommen die Antragsteller dennoch nicht herum. Auch wer online ausfüllt, muss die Dokumente anschließend ausdrucken und per Post beim Amt einreichen.

"Der beste Tipp ist und bleibt rechtzeitiges Einreichen"

Wer pünktlich zum Semesterbeginn Unterstützung vom Staat erhalten möchte, sollte sich an die Abgabefristen halten. Bei Erstanträgen gilt es, die Formulare möglichst schnell nach Erhalt der Hochschulzusage einzureichen. Folgeanträge sollten spätestens zwei Monate vor Ablauf des aktuellen Bewilligungszeitraumes beim Amt eingehen. "Der beste Tipp für eine termingerechte und schnelle Bearbeitung ist und bleibt rechtzeitiges Einreichen des Antrages", erklärt Stefan Grob, Referatsleiter Presse beim Deutschen Studentenwerk.

Zu beachten ist auch, dass Bafög-Zahlungen nicht rückwirkend vorgenommen werden. Wer zu spät beantragt, hat keinen Anspruch auf nachträgliche Zahlungen. Ein Tipp an dieser Stelle: Formlose Anträge werden vom Amt für Ausbildungsförderung anerkannt. Das heißt, wer noch nicht alle geforderten Dokumente zur Verfügung hat, kann einen formlosen Antrag stellen. Die fehlenden Formulare können nachgereicht werden und die Frist wird trotzdem gewahrt.

Um den Papierkrieg kommen die Studierenden also auch in Zukunft nicht ganz herum. Die Digitalisierung sollte jedoch für etwas Erleichterung sorgen. Mit der Einhaltung gewisser Fristen und etwas Hintergrundwissen, kann jeder Antragsteller mit einem rechtzeitigen Bescheid vom Amt für Ausbildungsförderung rechnen. Studentin Franziska resümiert: "Trotz des Kampfes durch den Blätterwald an Dokumenten, bin ich natürlich in erster Linie froh, dass ich überhaupt Bafög bekomme. Und dass sich auch noch jemand die Mühe macht, mir jedes Mal die fehlenden Unterlagen zu entlocken." #Finanzen #Schule