Am 1. April soll in Österreich die bereits seit 37 Jahren bestehende Milchquote, die zur Regulation der Milchproduktion eingeführt wurde, fallen. Das Thema erregt Aufmerksamkeit, was ein voller Saal im Wiener Topkino am 14. März 2015 zeigte. Im Zuge der Filmreihe "Hunger. Macht. Profite" wurde nämlich ein besorgniserregender Film über die Folgen der Milchquote vorgeführt. Mitveranstaltet von der "IG-Milch", einem Verein österreichischer Landwirte, die sich für die Rettung der Milchbauern einsetzen, berichtet er vor allem aus der Sicht der Bauern selbst. Produziert wurde der Film in Deutschland, der Fokus richtet sich daher vor allem auf die Folgen für deutsche Milchbauern. Um den österreichischen Standpunkt zu vertreten, war Ernst Halbmayr (IG-Milch) zum Filmgespräch im Anschluss an die Vorführung eingeladen.

Die "IG-Milch" ist der Meinung, dass sich durch den Fall der Milchquote nicht die Qualität, sondern der Preis durchsetzen werde. Das bedeutet, dass sich nicht das beste Produkt auf dem Markt behaupten wird, sondern jenes, das schnell und kostengünstig produziert und somit billiger angeboten werden kann. Die Konsequenz aus dem Beschluss ist, dass Betriebe, die bisher durch Quotenzukauf eine höhere Produktion erzielten, nicht mehr wachsen werden können. Den Konsumenten wird dadurch jegliche Entscheidungskraft und Einflussnahme durch die Vorauswahl billigerer Produkte durch die Handelskette abgenommen.

Was den Export der Milchwaren betrifft, weist die "IG-Milch" darauf hin, dass es trotz der Milchquote schon jetzt eine zehnprozentige Überproduktion von Milch gibt. Der Überschuss wird vor allem in Form von Milchpulver nach China oder in Dritte-Welt-Länder exportiert und schadet dort der heimischen Produktion.

Eine positive Stimme hört man von Landwirtschaftskammerpräsident Hermann Schultes. Die Milchquote soll neue kaufkräftige Märkte schaffen. Bereits jetzt werden 48 Prozent der Erzeugnisse in über 100 Länder exportiert. Er möchte, dass sich in Zusammenarbeit mit den Molkereien und dem Handel die Qualität der Produkte als ausschlaggebendes Merkmal durchsetzt. Auch Bundesminister Rupprechter sieht viel Potential im Fall der Milchquote. Zusammen mit dem Bundesministerium für Land und Forstwirtschaft, Umwelt, Wasserwirtschaft, mit der Landwirtschaftskammer Österreich und der Vereinigung Österreichischer Milchverarbeiter wurde ein 6-Punkte-Programm zusammengestellt. Es reicht von Unterstützung benachteiligter Gebiete bis hin zu Exportchancen durch Qualitätserhöhung.

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