"Wer sagt, er kenne die Zukunft, liegt schon falsch!" Solche Sprüche kamen von Brian in Interviews. Mitarbeiter in Unterföhring beschreiben Sullivan als jemanden, der nie ein Geltungsbedürfnis hat, sich in der Kantine hinten anstellt und wartet bis er dran ist. Er grüßt jeden, ist nahbar und ein Arbeitstier, die Mitarbeiter schätzen ihn sehr. Mr. Pay-TV nannte ihn einst ein Medienmagazin. Der Branchendienst Dwdl.de machte ihn gar zum Aufsteiger 2014. Nicht ohne Grund. Sullivan hat geliefert! Im Sommerquartal vergangenen Jahres passierte das, was niemand für möglich gehalten hat: Sky schrieb schwarze Zahlen! 12 Millionen Nettogewinn. Immerhin. Das waren Zahlen von denen die Vorgänger Georg Kofler und Michael Börnicke nur träumen konnten.

Als der US-Manager Sullivan mit britischer Staatsbürgerschaft vor fast genau fünf Jahren am 1. April 2010 in Unterföhring anfing, fand er einen Pay-TV Sender vor, der gegen die Wand gefahren wurde. Man hätte den Laden vielleicht dicht machen sollen. Aboleichen, ein völlig aus dem Ruder gelaufendes Rabattsystem und ein mieser Kundenservice. Brian griff durch. Er trieb Innovationen voran wie den Ausbau der HD-Kanäle, den Start von 3D, den Abrufservice Sky Anytime sowie Sky go. Er kündigte einer Reihe von externen Callcentern, die den Kundenservice übernahmen, die Verträge und baute in Schwerin die Sky Service Center GmbH unter seiner vollständigen Kontrolle kräftig um. Service, Service, Service - Basta!


Tatsächlich führten die Maßnahmen zum Erfolg. Und es zahlte sich auch für den Boss aus. 6,2 Millionen Euro erhielt Sullivan allein 2013 als erfolgsorientierte Jahreszahlung. In 2014 soll es noch mal mehr gewesen sein, außerdem wurde da sein Vertrag bis 2016 um zwei Jahre verlängert. Nun der Weggang. Am 24. Juni 2015 wird Brian Sullivan sein Vertrag auflösen und in die USA zurück kehren. Warum er das tut? Kein Kommentar. Auf eigenen Wunsch, heißt es. Nachfolger wird Carsten Schmidt, ein Urgestein, selbst seit 1999 bei Sky, verantwortete bisher den Sport- und den gesamten Onlinebereich. Er übernimmt nun das Erbe von Sullivan.

Auf Schmidt wartet eine Mammutaufgabe. Denn trotz der guten Zahlen und dem Quatensprung beim Unternehmenswachstum, macht Sky immer mehr der harte Wettbewerb bei Streamingangeboten zu schaffen. Zuletzt im Herbst 2014 durch den Start von Netflix. Da nützt es auch nicht, dass man sich die 3. Staffel der Netflix-Vorzeigeserie "House of Cards" exklusiv gesichert hat. Die Exklusivrechte sind sechs Monate. Nur. Da gibt es ganz andere Sorgen. Amazon holt massiv auf und bewirbt sein Portfolio AmazonPrimeVideo mit Kampfpreisen von 7 Euro, für den Preis gibt's den Streaming-Stick für den Smart TV. Zu halbherzig reagiert Sky noch auf die Konkurrenz. Der Videodienst Sky Snap bleibt ein lieblos gemachter Streamingdienst und mit knapp 1000 Filmen und Serienfolgen insgesamt, nicht wirklich für die breite Zielgruppe ausgerichtet.

Brian Sullivan verwies hier immer wieder auf Sky go (Programmbestandteile über das Internet streamen) und Sky Anytime (Programmbestandteile flexibel über den Receiver mit Festplatte abrufbar). Korrekt, diese Innovationen waren eine Bereichung für Bestandskunden und sorgten für bis heute 4,1 Millionen Abonnenten. Aber darauf sollte man sich nicht ausruhen. Man reagierte auf den Erfolg der Streamingdienste deshalb mit dem Dienst Sky Online - ein Skyabo mit monatlicher Laufzeit, der Inhalte, wie Filmneustarts und Bundesliga, allesamt online abrufbar streamt. Doch Abopreise von 19,99 Euro für ein einziges (!) 24 Stunden Sporttagesticket oder für ein Filmabo ohne HD-Inhalte sind nicht nur unverschämt, sondern technisch mit mittelmäßiger SD-Qualität ein Rückschritt. Brian Sullivan antwortete im Januar 2015 deshalb mit teils drastischen Preissenkungen, zumindest im Kerngeschäft für langfristige Aboverträge. Das wird Folgen haben. Denn bei ständig steigenden Lizenzen für Filmrechte, die nach wie vor mit rund einer halben Milliarde Euro teuer erkauften Bundesligarechte und einem Personalbestand von über 2500 Mitarbeitern, muss Sullivans Nachfolger aufmerksam nachrechnen müssen.  #Fernsehen