Die Europäische Kommission hat die Zulassung zum Anbau einer gentechnisch veränderten Maispflanze, dem sogenannten Mais 1507, verschoben. Vor dem Sommer ist nicht mit einer Zulassung zu rechnen. Zunächst erfolgt eine erneute Überprüfung der Risiken der Insektengift-produzierenden Maispflanze des amerikanischen Unternehmens Pioneer. Eine im vergangenen Jahr veröffentlichte Studie weist auf einen deutlich größeren Flugradius von Maispflanzen-Pollen hin als bisher vermutet. In der Studie erfasste ein Team um Frieder Hofmann, Ökologiebüro Bremen, die Flugweite von Maispollen. An verschiedenen Standorten in Deutschland, der Schweiz und Belgien fanden über einen Zeitraum von zehn Jahren Messungen statt. Die Forscher wiesen Flugweiten des Maispollens von mehr als vier Kilometern nach. Dadurch könnten vorgesehene Mindestabstände zu benachbarten Maisfeldern mit konventionellem oder Bio-Mais nicht ausreichend sein. Die Europäische Lebensmittelbehörde überprüft nun die Studiendaten, bevor die EU-Kommission über eine Zulassung entscheidet.

Durch die im Januar 2015 vom EU-Parlament beschlossenen neuen Regeln für das Anbauverbot gentechnisch veränderter Pflanzen ist ein Verbot des Anbaus von Mais 1507 auch nach einer Zulassung in einzelnen Mitgliedsstaaten möglich. Die neuen Regeln erleichtern es den Mitgliedsstaaten, nationale Anbauverbote für gentechnisch veränderte Pflanzen zu erlassen, die eine Marktzulassung auf EU-Ebene haben. Vorher müssen diese Regeln in nationales Recht umgesetzt werden. In Deutschland ist hierfür eine Novelle des Gentechnik-Gesetzes in Arbeit, die bereits viel Kritik aus Politik, Agrar- und Umweltverbänden sowie von Verbrauchern ausgesetzt ist. Der Entwurf dieser Gesetzesnovelle sieht momentan vor, die Gentechnik-Anbauverbote auf Länderebene umzusetzen. Viele Agrar- und Umweltverbände, Verbraucher und einige Politiker plädieren dagegen für eine bundeseinheitliche Regelung.

Die Verbände befürchten einen höheren Aufwand und Kosten für Landwirte und Unternehmen, die gentechnikfrei anbauen und produzieren. "Bereits der europäische Flickenteppich stellt für ökologisch und für gentechnikfrei arbeitende Landwirte und Lebensmittelproduzenten eine enorme Herausforderung dar. Mit noch kleinteiligeren Anbauverboten auf Länderebene ist aufgrund der innerdeutschen Warenflüsse von Saat- und Erntegut jedoch Chaos vorprogrammiert", sagt der Vorsitzende des Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), Felix Prinz zu Löwenstein. Löwenstein sieht mit dem Gentechnik-Anbauverbot auf Länder- statt auf Bundesebene das Ziel, "die Wahlfreiheit für den Verbraucher zu garantieren und die Existenz der mittelständischen deutschen Lebensmittelwirtschaft zu sichern, ins völlige Gegenteil verkehrt".

Kritiker der grünen Gentechnik hoffen auf eine schnelle Umsetzung der Gentechnik-Gesetzesnovelle mit einem bundesweiten Anbauverbot. So könnte ein Anbau von Mais 1507 in Deutschland nach einer EU-Zulassung verhindert werden. #Europäische Union