Das auf der Kolonialzeit basierende westliche Bild Afrikas ist passé. Zwar gibt es die Löwen, Elefanten und Zebras noch, doch die letzten Tage des Afrikas in seiner einseitigen Darstellung als Opfer von Gewalt, Korruption und Hoffnungslosigkeit sind gezählt. Afrika ist im Umbruch und auf dem Weg, sich neu zu definieren, sich "selbst" zu definieren. Zwar steckt die Raupe noch in ihrem Kokon, doch schon jetzt lässt sich erkennen, das dem"Schmetterling" namens Afrika, große, schöne, bunte Flügel wachsen, die ihn weit tragen wollen. Ein Ende der transnationalen Ausbeutung ist in Sicht und der Weg zur Entfaltung einer freien und selbstbewussten Gesellschaft und Wirtschaft wird nach und nach freigeschaufelt. Zwar beziehen sich westliche Medien bei ihrer Berichterstattung meist noch immer ausschließlich auf negative Ereignisse in Afrika, doch wenn man afrikanische Medien genauer betrachtet, erkennt man schnell, das auf dem Schwarzen Kontinent weitaus mehr geschieht, als die Tagesschau uns glauben lassen will.

Der Begriff "#Start-Up" ist global in aller Munde und wird von Wirtschaftsexperten oft als Antrieb einer neuen industriellen Revolution gesehen. Die bisherigen, gescheiterten Versuche, durch freie Produktionszonen, Import-Substitutionsindustrialisierung, Rohstoff-Export oder Landwirtschaft eine Industrie zu implementieren, die den afrikanischen Gesellschaften zu Wohlstand verhelfen, werden von dieser neuen Idee abgelöst. Der Einfluss der Start-Up-Generation in Afrika ist von besonderer Natur, denn sein Ausmaß und die Geschwindigkeit seiner Entwicklung sind nicht mit anderen Regionen auf der Welt zu vergleichen.Das hat natürlich auch damit zu tun, dass Afrika der letzte Kontinent ist, der sich in der postkolonialen Umstrukturierungsphase befindet und versucht, sich aus der fehlgeleiteten Subventionspolitik zu befreien, die seit den 60er Jahren die neuen "unabhängigen" Staaten prägte. Selbstbestimmt, nach der kolonialistischen, rassistischen Unterdrückung durch die transnationalen Großunternehmen zu einer "partnerschaftlichen, wirtschaftlichen Austauschpolitik"; lautet das neue Ziel.

Weltweit beeinflusst die Szene der Kleinunternehmen zunehmend den Verlauf der Wirtschaft. Einseitige Großindustrien müssen sich nach und nach dem revolutionären Kleinunternehmergeist beugen oder zumindest kooperieren. Dass die Start-Ups ein ernst zu nehmendes Zukunftsmodell der globalen Wirtschaft sind, lässt sich durch die Höhe der Investitionen erkennen, die zur Förderung solcher Unternehmen bereitgestellt werden. Die Stadt Berlin zum Beispiel stellt für das Jahr 2015, 230 Millionen Euro für die Förderung solcher Firmen bereit. Afrika erfreut sich derzeitig weniger an staatlicher Unterstützung. Der Großteil der afrikanischen Kleinunternehmer, bezieht ihre Fördergelder über Fundraising Organisationen oder private Investoren Plattformen. Die bekanntesten Investment Plattformen sind "Angel Investors" und "VC4Afrika". Angel Investors förderte im Jahr 2014 mehrere Entrepreneure mit ungefähr 27 Millionen US Dollar, IBM finanzierte Unternehmen mit ca. 60 Millionen Dollar. VC4Africa verbindet 600 Investoren mit 2000 Start-Up Unternehmern Afrika weit. Jedoch bezieht sich letztere Plattform auf Unternehmer, die für ihre Unternehmensgründung nicht mehr als 1 Millionen US Dollar beanspruchen. Weltweit werden dahingehend Investitionen in Milliardenhöhe getätigt. In Ländern wie Kenia, Südafrika, Ghana oder Nigeria stürzen sich Unternehmen auf den IT-, Mobilfunk- und Dienstleistungs-Sektor. Firmen wie zum Beispiel Obami, Spottm, mPawa, Sleepout, 22seven, Jumia oder Mellowcabs führen momentan den afrikanischen Start-Up-Markt an. Zunehmend wird auch auf die Energiebranche gesetzt und es werden zum Beispiel nachhaltige Modelle zur Förderung von Solarenergie durch Crowdfounding-Projekte finanziert.Der Erfolg im IT-Sektor ist auf die große Mobilfunknutzung zurückzuführen. Im Jahr 2008 gab es noch etwa 246 Millionen Nutzer; bis 2017 wird ein Anstieg auf über eine Milliarde vermutet. Da die Mehrheit der afrikanischen Bevölkerung kein Bankkonto besitzt, werden die Handys zum Beispiel gebraucht, um Überweisungen oder Zahlungen zu tätigen. Die Firma "Eneza" entwickelte eine Lern-App, die heute von mehr als 350 000 Menschen genutzt wird. Doch den größten Erfolg bisher hat die kenianische Technologie-Community "I-Hub". Diese Plattform beherbergt 152 Firmen, hat 16.663 Mitglieder und bietet 1.314 Jobs. Gründe für den Erfolg der meisten Start-Up-Unternehmen sind, dass sie alle auf die afrikanischen Lebensumstände angepasst und auf lokale Probleme eingestellt sind.

Das die Innovatoren für die Umsetzung ihrer Ideen oft nur ein paar tausend Euro brauchen, sollte in Zukunft auch für Geldgeber interessant sein und sie aus ihrer Zurückhaltung hervorzulocken.

Die Vorteile die sich durch die Diversität nachhaltiger Kleinunternehmen ergeben, sind von globaler Bedeutung. De-Monopolisierung von Großindustrien, Dezentralisierung von Industrie-Ballungsgebieten, Erhöhung von Wohlstand und die Erhaltung von natürlichen Ressourcen sind einige Beispiele von globalem Interesse. Loslösung aus kolonialwirtschaftlich zugerichteten Ökonomien, Eindämmung der Korruption und erhöhte regionale Autonomie sind Vorteile, die speziell in den Staaten Afrikaseine besondere Rolle spielen. Der Begriff "Wachstum" wird wohl nach und nach an Bedeutung verlieren und bald durch "Entwicklung" ersetzt werden. So wächst die Start-Up-Zauberbohne weit über den Himmel Afrikas.

Julien Vindal/Lonam