Hört das bei Burger King gar nicht auf? Erst decken die Reporter von RTL Hygienemängel auf. Dann fand Blasting News heraus, dass Kunden am Toilettengang gehindert werden. Nun zeigt Burger King sein wahres Gesicht im Umgang mit Geschäftsleuten, die dem Unternehmen im Weg sind.

Eigentlich wäre alles zunächst unbemerkt geblieben. Eine harmlose Mitteilung aus der Bahnhofspassage der Stadt Bernau bei Berlin: "Die Schneiderei erhält auf der ersten Ebene der Bahnhofspassage Bernau neue attraktive Ladenflächen." Man sollte drei Dinge über die 35.000 Einwohnerstadt nordöstlich bei Berlin wissen. Erstens: Bernau hat viel zu wenig Parkplätze. Zweitens: Bernauer lassen keinen Schaden an ihrer Stadt zu. Sie haben erst im letzten Jahr den langjährigen Bürgermeister, Hubert Handke (CDU), aus dem Rathaus gejagt. Drittens: Bernau hat mit dem türkischen Schneider Gümüs, die beste Schneiderei in der gesamten Region. Gümüs gehört zu Bernau, wie die alte Stadtmauer. Doch was ist das? Große Werbeschilder zieren bereits aufdringlich das halbe und Einkaufscenter am Bahnhof Bernau. "Hier wird demnächst gegrillt", lässt Burger King wissen. Daneben verzweifelte Ladenbesitzer, die den Boulettenbrater Burger King am liebsten selbst grillen würden.


"Die haben uns einfach nach oben verfrachtet." Klingt doch nicht so schlimm. Das Obergeschoss aber ist im Sommer um die 32 Grad heiß. Nur in den Geschäften wie Medimax oder dem Juwelier laufen Klimaanlagen. "Das Center spart sich die Kosten für Klimaanlage." Schneider Gümüs und die Theaterkasse teilen sich fortan keinen Laden, sondern einen Metallcontainer. Dieser wurde mitten auf den Kinderspielplatz gestellt. Er umfasst insgesamt 8 bis 9 m². Damit ist der Kasten für zwei Geschäfte kleiner, als eine Einzelhaftzelle in einem Brandenburgischen Gefängnis (Quelle: Stammdaten JVA Neuruppin). Wie man sich hier umziehen oder Kleidungsstücke für Schneider Gümüs lagern soll, ist ein Rätsel. Die Theaterkasse hatte vorher zwar auch nicht viel Platz, aber ein halber Metallkäfig? 

Center-Managerin, Kerstin Behlau, konnten wir telefonisch bis zur Veröffentlichung nicht erreichen. Sie gilt nicht unbedingt als Profi unter den Geschäftsleuten und bei Kunden. Erst Ende letzten Jahres, protestierten lautstark Eltern, weil der Kinderspielplatz immer weiter reduziert wird. Die Initiative "Kundeninitiative Bahnhofspassage" bemängelte massiv die Verdreckung und lieblose Verkleinerung des Kinderspielplatzes. Jetzt stellt ihnen Behlau einen Metallkasten hin, um den Schneider und die Theaterkasse ruhig zu stellen. Der Strum der Eltern ist nur eine Frage der Zeit. Behlau sitzt als Managerin nicht vor Ort, sondern sicher im 40 Kilometer entfernten Strausberg. Einfach googeln, liebe Eltern und weiter tapfer protestieren. So profitabel scheint also Burger King zu sein, dass man sich über alle hinweg setzt. Wenn sich Behlau da mal nicht irrt.

Der heimische McDonalds am Ortseingang von Bernau gibt Burger King in den Bahnhofspassagen kein langes Leben. "Franchaise-Unternehmer müssen Umsatz fahren", sagt uns eine Schichtleiterin im Gespräch. "Schon wir haben hier nur zur Mittags- und Abendszeit zwischen 18.30 und 20.30 Uhr sowie durch die umliegende Autobahn nur halbwegs akzeptablen Umsatz, das wir gerade profitabel bleiben." Die Lage sei dabei noch toll und man zahle nicht solche Horrormieten wie in den Bahnhofspassagen. "Die Bahnhofspassagen sind ab 20 Uhr so gut wie tot und die lokalen Restaurants vor Ort billiger. Wir würden niemals in den Bahnhofspassagen ein Lokal eröffnen." Man hätte dies mit einem kleinen McDonalds tun können, aber dankend abgelehnt.

Burger King indes hat bereits schon Bauanträge gestellt - Schneider Gümüs Geschäft wird ein Teil des Frittenladens, auch die Theaterkasse wird als Ladenfläche benötigt, das Personal wurde schon rausgeworfen und in den Metallkäfig verfrachtet. Nun liebäugelt Burger King noch damit, sich die Parkplätze der Passage zu vereinnahmen. Das kommt für den Burger King Nachbarn, Edeka, einer Kriegserklärung gleich. Edeka Profitcenterleiter, Thomas Beyer, ist der gute Service im E-Center heilig, er hat vor Jahren den Edeka aufgebaut, quasi ist Edeka Bernau sein ganz besonderes Zugpferd. Edeka wird sich also den Größenwahn von Burger King mit Sicherheit nicht gefallen lassen und sämtliche Geschütze auffahren, wagt man sich an die Parkplätze. Denn zum einen sind vor Burger King wichtige Eltern-Kind-Parkplätze, zum anderen wären fehlende Parkplätze für die Geschäfte in der Bahnhofspassage fatal, da ihnen die Kunden wegbleiben. Doch Burger King interessiert das nicht.

Und auch Schneider Gümüs kann nichts mehr tun. Sein Umzug ist noch diese Woche und selbst wenn Burger King mangels zu weniger Kunden wieder insolvent geht, wie schon die regionale Kette Burger King Gastronomie GmbH, die Filialen im selben Landkreis und Berlin betreibt, sein Laden ist durch die Baumaßnahmen kaputt. Für immer.
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