Es reicht jetzt", faucht das Personal unseren Reporter an. Es ist zu hören wie unser Autor sich erneut als Kunde outet und um den Zugang zur Toilette bittet. Um nachweisen zu können, dass wir ein Burger King Kunde sind, haben wir zuvor bereits eine Bestellung aufgegeben und die Quittung zu Beweiszwecken einbehalten. Trotz des Hinweises, dass uns die kostenpflichtige Nutzung der Toilette im Center untersagt wurde, blieb uns der Zugang zur Filialtoilette verwehrt.

Im Berliner Burger King macht man offenbar dickes Geschäft mit der Notdurft der Kunden: Um Reinigungskosten zu sparen, verweigert seit März 2015 der Franchisenehmer, Burger King Gastronomie GmbH, seinen Gästen die Toilette. So passiert im Berliner Vorzeige Einkaufscenter "Eastgate". Tatsächlich fanden wir zunächst Schilder an allen Toiletten vor, dass die Benutzung ab sofort nur noch im Center in der 1. Etage möglich sei. Dazu sollte man erwähnen, dass der Weg dorthin, quer über 32.000 m² führt, zwei Fluren, einer Rolltreppe sowie einem halben Rundgang. Dauer bei zügigem Marsch gut 10 Minuten. Da sind die King-Pommes schon kalt. Wir erfahren vom Betreiber Sanifair, dass Burger King keinen Vertrag mit dem WC-Betreiber hat. Ohne Vertrag, kein Zutritt. Zumindest nicht kostenlos. Wer als Burger-King Kunde hier keine gute Blase hat, hat spätestens jetzt ein Problem, seine KingSize Cola wieder loszuwerden. 

Seit der Förderalismusreform im Jahr 2006 ist Gaststättenrecht Ländersache. In Berlin stehen entsprechende Bestimmungen im Gesetz: Gemäß § 4 Absatz 2 GastV ist Burger King gesetzlich verpflichtet, mindestens eine Spültoilette für Damen und Herren sowie für Behinderte in seinem Laden zur Verfügung zu stellen. Der Verweis auf die kostenpflichtige Toilette im 1. Obergeschoss ist verboten. Denn nach § 4 Satz 4 der Gaststättenverordnung dürfen Toiletten nicht durch Münzautomaten oder ähnliche Einrichtungen versperrt oder nur gegen Entgelt zugänglich gemacht werden." Das Gesetz ist klar, Burger King verweigert sich konsequent. Ein Angestellter redet mit uns, will auf keinen Fall seinen Namen nennen: "Der Chef hat uns gesagt, hier waren immer Jugendliche, die haben die Toiletten schmutzig gemacht. Alle drei Tage war alles verstopft. Jetzt sollen die den Dreck bei Sanifair machen." In einer Erklärung teilte Burger King gegenüber Blasting News mit: "Der Franchisenehmer (...) musste die Toiletten wegen Vandalismus schließen, um so für die Sicherheit seiner Gäste garantieren zu können." Unsere Recherchen haben ergeben, dass der Filialleiter zu keinem Zeitpunkt von seinem Hausrecht, wegen schmutzmachender Jugendlicher Gebrauch machte - was er hätte machen können - oder den Sicherheitsdienst wegen mutwilliger beschmutzter Toiletten je rief. 

Dafür ergaben weitere Recherchen eine interessante Rechnung: Für die Reinigung sind, laut Branchenverband, etwa 16 bis 18 Euro pro Stunde für die Reinigung der Burger King Toiletten fällig. Die Einsparungen, die Burger King durch den Verschluss der Toiletten macht, summieren sich pro Woche auf etwa 120 EUR, allein in einem Monat auf 480 EUR, im Jahr wären es weit über 5.000 EUR, die sich allein nur diese Filiale dazu verdient, wenn die Gäste an ihrer Notdurft gehindert werden.

Immer wieder redet das Personal, was uns die Toilette verweigert, davon, man würde doch an das Center Miete für die Toiletten im Center zahlen. Das ist mehr als dreist. Die BK Gastronomie GmbH & Co. Eastgate Center KG sowie weitere 12 Filialen sind insolvent! Aktenzeichen am Amtsgericht Charlottenburg 36b IN 4461/12. Insolvenzverwalter ist Dr. Torsten Martini. Für die Rettung der insolventen Filiale war vor zwei Jahren vor allem entscheidend, dass die hohen Mietkosten gesenkt werden konnten. So gelang es Martini während des Insolvenzverfahrens im Einvernehmen, die Mieten für Burger King im Hause zu reduzieren bzw. an den Umsatz zu koppeln. Das Center gibt also dem stark besuchten Fast-Food-Restaurant fette Mietrabatte, damit es nicht dicht machen muss. Jetzt soll er auch noch den Toilettendienst übernehmen. Centermanagerin Bianka Schäfer stellt klar: "Burger King zahlt Geld für die Miete, aber nicht für Nutzung ihrer Kunden in unseren Center-Toiletten!" Für Burger King kein Grund, den Gästen die gesetzlich vorgeschriebene Toilette zugänglich zu machen.

Bild: JeepersMedia / flickr.com [CC BY 2.0] #Fernsehen