Wie Blasting News am 1. April 2015 nach Recherchen veröffentlichte, ist Burger King im Berliner Einkaufscenter Eastgate in die Kritik geraten, weil sie Gästen Zutritt zu ihren Toiletten verwehrt. Mutmaßlich um Kosten bei der Reinigung zu sparen. Mit versteckten Kameras filmten wir Gespräche und Situationen, wie uns stets der Zugang zur Toilette verwehrt wurde. Dabei war man um Ausreden nicht verlegen: mal waren es angeblich Jugendliche, die Toiletten verschmutzten, dann zahle Burger King an das Center dafür, dass seine Kunden da ihre Notdurft tätigen können - eine Toilette in einer Entfernung von 10 Minuten Wegzeit wohlgemerkt. Jetzt nimmt der Konzern schriftlich Stellung gegenüber Blasting News - und ist um Ausreden nicht verlegen.

"Der Franchisenehmer (...) musste die Toiletten wegen Vandalismus schließen, um so für die Sicherheit seiner Gäste garantieren zu können." Die gefährlichen Toiletten hat uns ein Informant nach Feierabend heimlich zugänglich gemacht, wir machten Fotos. Ein Foto wollen wir Ihnen, liebe Leser, natürlich nicht vorenthalten (Artikelfoto). Die Toilette ist nicht nur völlig unbenutzt, mit voller Papierrolle und einer nagelneuen Toilettenbürste, die Sicherheitsvorkehrungen für Behinderte sind außerdem tadellos. Der Mülleimer ist geleert, mit sauberem Müllbeutel. Eine Staubfluse liegt unten rechts, nicht mal für Hausstauballergiker gefährlich. Auch die Herrentoilette ist ein Traum - neue Becken, Edelstahlwasserhähne, ein Seifenspender mit angenehmem Duft. Die Damentoilette übertrifft sogar die selbst hohen Ansprüche des Centermanagements: Hier wartet eine seit Tagen nicht mehr genutzte Toilette mit sauberen WC-Brillen. Sicherheitsbedenken konnten wir nicht feststellen. Schön fanden wir auch den Duft des Seifenspenders - eine leichte Brise von Lavendel. Spuren von Vandalismus suchten wir auf der Vorzeigetoilette ebenso vergebens.

Aus München, dem Konzernsitz von Burger King, heißt es: "Der Franchisenehmer des Burger King Restaurants im Eastgate Center öffnete seine restauranteigenen Toiletten als freiwillige Geste, auch während der Öffnungszeiten des Centers." Das es sich um eine freiwillige Geste handelt, hat die Fast-Food-Kette auf Ihrer Website aber so nicht deutlich gemacht - im Gegenteil: WC, Wickelraum, barrierefreie Toilette, sind als fester Bestandteil des Restaurants gekennzeichnet.

Der Verdacht, dass aus Kostengründen die modernen und einwandfreien Toiletten nicht geöffnet werden, erhärtet sich mit neuen Fakten: Zum einen widerspricht das Centermanagement ganz klar, dass Burger King einen Vertrag für die Toilettennutzung im Center habe. Nun kommt noch raus: Das Center bzw. der Vermieter gewährt dem Franchisenehmer seit zwei Jahren Sonderkonditionen bei der monatlichen Ladenmiete. Die BK Gastronomie GmbH & Co. Eastgate Center KG sowie weitere 12 Filialen sind insolvent! Aktenzeichen am Amtsgericht Charlottenburg 36b IN 4461/12. Insolvenzverwalter ist Dr. Torsten Martini. Für die Rettung der insolventen Filiale war vor zwei Jahren vor allem entscheidend, dass die hohen Mietkosten gesenkt werden konnten. So gelang es Martini  während des Insolvenzverfahrens im Einvernehmen, die Mieten für Burger King im Hause zu reduzieren bzw. an den Umsatz zu koppeln. Im Gegensatz zu allen solventen Geschäften im Eastgate, bekommt Burger King also enorme Nachlässe. Trotzdem will man keine Toiletten für Gäste öffnen, will hier auch noch Nebenkosten einsparen.

Am 01.04.2015, so informierte uns ein Mitarbeiter, wurden die Toiletten zunächst zum Schein geöffnet, wegen einer Ermahnung durch die Centermanagerin, Bianka Schäfer. "Die Toiletten sind wieder auf", verkündigte Schäfer uns telefonisch und sprach "einfach nur von einem Missverständnis." Aus der Konzernzentrale kommen weniger euphorische Töne: "Aktuell prüft der Franchisenehmer Möglichkeiten, um die eigenen Toiletten auch während der Öffnungszeiten für die Gäste öffnen zu können."

Wir haben beim Land Berlin ebenfalls für Burger King prüfen lassen. Gemäß § 4 Absatz 2 GastV ist Burger King gesetzlich verpflichtet, mindestens eine Spültoilette für Damen und Herren sowie für Behinderte im Einkaufscenter zur Verfügung stellen. Der Verweis auf die kostenpflichtige Toilette im 1. Obergeschoss ist Unfug und verboten. Zitat: "Nach § 4 Satz 4 der Gaststättenverordnung dürfen Toiletten nicht durch Münzautomaten oder ähnliche Einrichtungen versperrt oder nur gegen Entgelt zugänglich gemacht werden." Hierzu führt Burger King in seiner Erklärung auf: "Die Toiletten im 1. Geschoss werden vom Center betrieben, weshalb es auch dem Center obliegt, hier Gebühren für die Nutzung zu erheben."

Inzwischen melden sich weitere Kunden über Facebook bei dem Reporter. Es sei kein Einzelfall und betrifft eine weitere Filiale. Diese gehört, wie durch Zufall, ausgerechnet zur insolventen BK Gastronomie GmbH. #Testbericht