Was für ein Desaster! Was für eine Katastrophe für Sat.1. Es sollte, wie im vergangenen Sommer "Promi Big Brother", das neue Aushängeschild des Senders werden. "Newtopia", die neue Welt, das nie da gewesene TV-Projekt. Es war der Traum, für 364 Tage eine neue Welt zu erschaffen. Inzwischen ist es ein Albtraum für Sat.1. Die Quoten - trotz leichter Erholung in den letzten zwei Tagen – fallen um fast die Hälfte ab. Die Werbeeinnahmen mussten schon lange nach unten korrigiert werden. Dann kamen die Skandale: Fakevorwürfe, ein Meeting zwischen Produktion und Kandidaten, das belege, dass es Absprachen und Regieanweisungen geben soll. Stellungnahmen der Produktionsfirma, die alles auf eine Einzelperson schieben, der Sender Sat.1, der die Schuld wiederum bei der Produktion sucht und wütende Fans, die von Betrug sprechen. "Newtopia" steht nach nicht mal zwei Monaten für unglaubwürdiges #Fernsehen, Fake und finanzielle Verluste.

Schlimmer geht's nicht mehr, möchte man meinen. Doch! Der erste Werbekunde, springt ab. Es handelt sich nicht um regionale Werbung, sondern dem größten Mobilfunkkonzern - hierzu gehören E-Plus und o2 – Deutschland. Telefonica, ein Unternehmen mit Milliardenetats und einem sorgfältig aufgebauten Image. Blasting News stellte Werbepartnern der Sendung die Frage, ob man aufgrund der Vorwürfe von Manipulationen bei der Sendung "Newtopia", aktuell die Werbebuchung in der Sendung meiden wird. Hans Jordan von Telefonica gegenüber Blasting News: "In der Tat werden wir künftig eher das Umfeld meiden!"

Dass Telefonica so handeln will ist weder abwegig, noch ungewöhnlich. Für das Unternehmen ist sowohl das Werbeumfeld, als auch das Image der Sendung, in der geworben wird, von hoher Bedeutung. Ein Produkt wird in einer Sendung mit negativem Image auch nicht unbedingt positiv wahr genommen. Zwei Beispiele zur Verdeutlichung: In den ersten beiden Staffeln hatte die Dschungelshow auf RTL - trotz vieler Zuschauer - keine Freunde bei den Werbepartnern. Es gab kaum Werbebuchungen und für RTL war die Produktion ein Verlust. Sie stand sogar kurz vor dem Aus. Bei DSDS haben Krombacher, Vodafone und Telekom in den ersten Staffeln Unsummen dafür bezahlt, nur um vor der Sendung als Teaser genannt zu werden. Dann war die Rede von Beleidigungen und 2008 musste RTL 100.000 Euro Strafe nach einer Entscheidung der Jugendschutzkommission zahlen, weil man ein antisoziales Verhalten zeigte und Jugendliche dadurch gefährdete. Von den Firmen war in den Teasern nichts mehr zu sehen. So einen Krawall will keiner ankündigten. Heute ist DSDS, und mit ihm Dieter Bohlen, zahm geworden, die Werbekunden sind gerne wieder da. Und für Camp David, dem Ausstatter von Dieter Bohlen, lohnt sich seine Werbefigur wieder richtig. Ein gutes Image ist also ausschlaggebend.

Der ProSiebenSat.1 AG dürfte "Newtopia" noch schwer zu schaffen machen – finanziell vor allem. Die Targobank erklärt: "In den Werbepausen bei Newtopia waren in nächster Zeit sowieso keine Buchungen vorgesehen." Hier stellt Sprecher Oliver Zelcher klar, dass dies unabhängig von den bisherigen Ereignissen sei. Was uns nur auffiel: Bis zum 14.04.2015 war die Targobank noch in der Sat.1 Sendung regelmäßig zu sehen.

"Auf die Qualität einzelner Sendungen und/oder deren Inhalte haben wir als Werbetreibender keinen Einfluss und deren Beurteilung ist sehr subjektiv", schreibt uns Opel. Der Autohersteller dürfte sicherlich genauer hinschauen, was sich bei "Newtopia" abspielt bzw. wie die Werbezielgruppe die Sendung empfindet. Dafür gibt es einen logischen Grund: Opel ist ein sehr wichtiger Partner für die ProSiebenSat.1 AG, da das Unternehmen erfolgreich seine Produkte, wie den Opel Adam, bei Germanys next Topmodel vermarktet. 

Um noch einmal klarzustellen: Keines der hier genannten Unternehmen nimmt oder nahm Einfluss auf die Sendung oder wertete sie ab. Für Konzerne, die ein Produkt verkaufen und bewerben wollen, bleibt es aber nur nicht unerheblich, um was für eine Sendung es sich handelt und wie diese in seiner Außenwirkung wahrgenommen wird. Bei den massiven Vorwürfen an "Newtopia" – ob nun wahr, bewiesen oder nur behauptet - dürfte jede Marketingabteilung aufgeschreckt sein.

Keine guten Zeiten für Sat.1


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