Denken wir einmal zehn Jahre zurück. Die Politik, zum Optimismus verdammt, verkündet, dass in den nächsten Jahren ältere Arbeitnehmer am Arbeitsmarkt heiß begehrt sein werden – es kommen ja viel weniger junge nach. Nun schreiben wir das Jahr 2015. Jeder Mann, jede Frau 50+, der/die schon einmal in der Notlage war, einen neuen Job suchen zu müssen, können den Wirtschaftstheoretikern und Politikern ein Lied in Moll vorsingen. Trotzdem kein Grund den Kopf in den Sand zu stecken. Eine wunderbare Komödie mit ernsten Untertönen ist zu diesem Thema im ZDF am 7. Mai 2015 um 20:15 Uhr zu sehen. „Es kommt noch besser“ - der Titel ist natürlich ein wenig ironisch gemeint.

Der ernste Hintergrund

Arbeitnehmer über 50, die ihren Job bis zur Pensionierung verteidigen wollen, haben es immer schwerer. Auf der einen Seite sind es Firmenpleiten, Rationalisierungen und der Druck billiger, junger Arbeitskräfte die das Leben schwer machen. Auf der anderen Seite sind es Erkrankungen, die nun mal nach dem 50. Lebensjahr häufiger auftreten. Die Spirale nach unten kann brutal sein, dazu kommen oft psychische Probleme, die einen Wiedereinstieg erschweren. In Deutschland ist zwar die Arbeitslosenrate der Älteren niedriger als die der jüngeren Bevölkerung, doch fast 60% der älteren ohne Job sind allerdings in der EU bereits Langzeitarbeitslose. Das ist eine Zahl die alarmieren sollte. In der Theorie schrillen zwar bereits die Alarmglocken, aber es bleibt meist nur bei Lippenbekenntnissen der Wirtschaft vermehrt 50+ Mitarbeiter einzustellen oder auch wirklich bis zum Pensionsalter zu behalten.

Die optimistisch-amüsante filmische Umsetzung

Andrea Sawatzki gehört sicherlich zu den besten Schauspielerinnen im deutschen Sprachraum. Ein weiteres Glanzlicht in ihrem Lebenswerk ist sicherlich die Darstellung der 55-jährigen Chefsekretärin Ina Becker, die durch Insolvenz ihres Unternehmens den Job verliert. Dazu kommt die Scheidung von ihrem Mann, ein überzogenes Girokonto und eine Wohnung, die sie sich eigentlich nicht mehr leisten kann. Sozusagen aus dem Leben gegriffen. Sie lässt sich aber nicht unterkriegen und meldet sich beim Berliner Jobcenter für eine Weiterbildungsmaßnahme an. Dort trifft sie auf einen „Mitschüler“ der das ganze locker nimmt – er hat genug Geld auf der Kante – zumindest für die nächsten Jahre. Ina hat Angst vor der Zukunft, die blutjunge Enno nicht. Beim Vorstellungsgespräch in einem Jobcenter versagen Ina die Nerven, Enno bekommt den Job. Mehr sei nicht verraten – diese Komödie sollte man sich aber auf keinen Fall entgehen lassen. Auch die weiteren Hauptrollen sind toll besetzt - August Zirner, Runa Greiner und Eva Löbau bilden mit Andrea Sawatzki ein tolles Ensemble.

Jobmisere 50+ - was kann man tun?

Die Ansätze der Politik sind vielfältig – konkrete Taten dünn gesät. In Österreich überlegt man die Einführung eines Bonus-Malus Systems bei der Freistellung bzw. Einstellung von Mitarbeitern über 50. Man möchte die älteren Arbeitnehmer unbedingt länger im Job halten. Der Grund ist klar – das reale Pensionsalter muss, speziell in Österreich, hinaufgesetzt werden. Bislang hat man sich mit Frühpensionierungen und der sogenannten „Haklerregelung“ geholfen. Auch in Deutschland gibt es den demographischen Druck, zumindest auf dem Papier sind die Pensionen auch für zukünftige Generationen zu sichern. Die Altersteilzeit könnte helfen – allerdings könnte auch die nur ein Vehikel sein, um von den tatsächlichen Problemen abzulenken. Dieses Ziel verfolgt die Politik in vielen Bereichen – den Menschen hilft das aber nicht weiter. Gerne wird auch eine sehr gute Ausbildung als Argument gebracht, um schnell wieder einen Job zu finden. Das klingt aber wie Hohn, wenn die Bewerbung bei einem Arbeitgeber wegen Überqualifizierung abgelehnt wird. Das Wichtigste wäre aber Arbeitslosigkeit auf keinen Fall als Makel zu betrachten. Es ist kein leeres Wort – Arbeitslosigkeit kann wirklich jeden treffen. Aber jeder hat auch die Chance, wieder einen Job zu bekommen – wenn es manchmal auch lange dauert. Man muss zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort sein – ein großer Bekanntenkreis ist aber sicherlich von Vorteil. Man darf sich aber nicht scheuen, die Arbeitssuche ganz offen anzusprechen. Jene, die nichts davon wissen, können auch nicht helfen.

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