Es war der 8. Mai 1985, an dem Coco-Cola, der weltweit meistgetrunkene Softdrink, bekannt gab: "Wir passen unsere Cola den Wünschen der Verbraucher an und verfeinern den Geschmack!" Es war die Antwort in einem gnadenlosen Cola-Krieg an Pepsi. Denn der ewig Zweite, die Pepsi Co., holte in Sachen Marktanteile mächtig auf. Anfang 1985 startete Pepsi die sogenannten Testwochen und dabei kam heraus, dass immer mehr Menschen tatsächlich das braune Zuckerwasser aus New York von Pepsi bevorzugen. Die Verkaufszahlen belegten die Behauptung. Was dann passierte, war eine Lehrstunde in der Unternehmensgeschichte von Coca Cola. Die Änderung des Produkts wurde zum schlimmsten Fiasko.

Viele Amerikaner waren geschockt darüber, dass ihre Coke geändert wurde, sie kauften keine Cola mehr. Proteste folgten. Wie konnte man es nur wagen, das 1886 von Apotheker John Styth Pemberton erfundene Rezept so zu verschandeln? Eine Welle von Beschwerden brach über Coca Cola ein. Jahrzehnte Werbestrategie war am 8. Mai 1985 einfach mal dahin. Von wegen geheime Formel hinter Tresortüren. Alles Lüge war es auf einmal, dass es nur zwei Menschen im Konzern gibt, die das Rezept kennen sollen. Denn wenn ein Unternehmen einfach mal so den Geschmack ändern darf, kann es mit dem Geheimrezept ja nicht so dolle sein. Die neue Coke schmeckte den Verbrauchern gar nicht. Und Pepsi jubelte: "Es ist der Beweis dafür, dass unsere Cola die beste ist." Der damalige Pepsico-Chef Donald Kendall feierte diesen 8. Mai als Sieg über Coca Cola.


Nur zwei Monate später, im Juli 1985, zog Coca Cola die neue Coke aus dem Verkehr und verkaufte wieder das Original. Bis heute. Doch der Markt für Softdrinks ist hart umkämpft, Verbraucher werden gesundheitsbewußter, wünschen eine Ernährung mit weniger Zucker. Coca Cola reagierte mit neuen Produkten wie Coca Cola light und Coke Zero. Hinzu kamen neue Geschmacksrichtungen wie Cherry und die überaus erfolgreiche Coke Vanilla, um wenigstens den Nachwuchs mit coolen Sorten zu begeistern. An das Original versuchte sich der weltweite Marktführer unter keinen Umständen mehr. Aber was nur tun? Gerade auch der deutsche Markt wird immer penibler, was den Konzern zunehmend nerven dürfte. Alles was vermeintlich "natürlich" ist, verkauft sich gut. Was ungesund ist, nicht mehr. Das haben andere Konzerne schon verstanden. Plötzlich wurden Knorr Fix-Tüten natürlicher im Inhalt. Fertiggerichte werden nur aus natürlichen Zutaten hergestellt. Und auch die ungesunde Cola sollte natürlich werden.

So erfand man "Life". Das grüne Label steht für die Natur. Der Inhalt ist die natürliche Steviapflanze. Das Marketing verkörpert junge, gesunde Menschen, die in ihrem Leben Coke Life den Platz frei halten. Wie schön. Es gibt nur zwei Probleme bei Stevia. Die Steviapflanze ist zwar ein Süßstoff aus einer natürlichen Quelle, aber die Zugabe ist von EU geregelt und bei weitem nicht für jedes #Lebensmittel erlaubt. Bei Softdrinks dürfen maximal 30 Prozent Zuckerstoffe durch Stevia ersetzt werden. Kein Gramm mehr! Und Stevia schmeckt bitter, richtig bitter. Deshalb wird Stevia stets nur ein Teil der Zuckerstoffe ersetzen. Das Ergebnis ist eine Cola mit weiterhin 70 Prozent Zucker und einem leicht lakritzartigen Geschmack im Abgang. Das macht der Stevia-Extrakt. So schmeckt Stevia. Reine Geschmackssache und kein Massenprodukt.

Die Fans auf Facebook schimpfen schon, warum man denn nicht gleich alles durch Stevia ersetzt. Ihnen ist die EU-Regelung gar nicht bekannt. Doch statt ehrlich zum Verbraucher zu sein, erzählt das Unternehmen, "dass sonst der gute Geschmack nicht mehr so da wäre." Blödsinn! Die Wahrheit ist: Die Plörre wäre so bitter und ungenießbar, wenn alles mit Stevia wäre. Und gesetzlich verboten wäre es auch, da Stevia nicht ausreichend in der Wirkung auf Menschen in höhrer Konzentration erforscht ist. Andreas Pfeiffer, Direktor der Abteilung Endokrinologie, Diabetes und Ernährungsmedizin an der Charité in Berlin, sagte dem Spiegel: "In einer naturphilosophisch geprägten Gesellschaft wie hier in Deutschland, finden Leute einen Süßstoff mit natürlicher Herkunft in der Regel besser als Aspartam. Aber dass Stevia, weil es natürlich ist, irgendwelche Vorteile hat, ist reine Glaubenssache."

Und so gelingt mit Coca Cola Life kein innovatives Produkt, sondern nur ein großer Bluff. Fast so wie am 8. Mai 1985. #Gesundheit