Das internationale Finanzwesen hat sich der Kontrolle des gesunden Menschenverstandes entzogen. Die einzige Weisheit, die eigentlich sämtliche Finanzexperten der Welt unterschreiben würden. Die Politiker hören ängstlich auf die Botschaften der Banker und Finanzjongleure und versuchen den Bürger zu beruhigen. Eine Situation, an die sich alle schon gewöhnt haben. Auch Beträge im dreistelligen Milliardenbereich schrecken niemanden mehr – kann man sich sowieso nicht vorstellen. Erschreckend ist allerdings die Dokumentation von Dirk Laabs über die „Aktionen“ der Deutschen Bank, die am 19. Mai 2015 um 20:15 Uhr im ZDF zu sehen ist.

Warum es notwendig ist, zwischendurch alles auf „Null“ zu stellen

Es ist eigentlich ein grundsätzliches mathematisches Problem. Wenn wir einmal die Spekulationen mit Anleihen, Aktien und dergleichen weglassen, stoßen wir auf das Kernproblem – die Zinseszinspolitik. Das gesamte Geldwesen funktioniert, oder besser funktionierte, auf dem Prinzip, dass Geld verliehen wurde und der Verleiher dafür Zinsen kassiert hat. Ansonsten hätte ja das Verleihen von Geld keinen Sinn. Die Problematik ist aber, dass auf diese Weise angelegtes Geld Zinseszinsen produzieren. Die Zinsen vom ersten Jahr werden im zweiten Jahr wieder verzinst und so weiter. In alten Zeiten vor der Finanzkrise war ein Zinssatz von 4% durchaus üblich, in sieben Jahren sind so aus 10.000 Euro immerhin 13.157,32 geworden. Der Haken daran: Die Vermehrung des Geldes ist zwar über zehn oder 20 Jahre nachvollziehbar und wird im Prinzip über die Inflation gedämpft – über längere Zeiträume wird es aber problematisch. Wenn man im Jahre Null einen Euro zu früher üblichen Zinsen angelegt hätte, könnte man 2015 den Mond kaufen – allerdings müsste er aus Gold bestehen. „Reset“ zwischendurch ist also unbedingt notwendig – und diese „Währungsreformen“, mit welchen Argumenten auch immer, hat die Menschheit begleitet. Die aktuelle Nullzinspolitik ist ein erster Ansatz dieses „Reset“ anzudenken, nur sie wird das eigentliche Problem nicht lösen.

Der Druck Geld zu verdienen verleitet, oder besser, zwingt zum Zocken

Es wird immer schwieriger in der Realwirtschaft Geld zu verdienen. Die Erzeugung von Produkten und das Anbieten von Dienstleistungen ist mit großem Risiko verbunden. Das wissen auch die Banken und vergeben Kredite nur mehr extrem vorsichtig. Aber wie soll die Bank Geld verdienen? Die Deutsche Bank stieg ins große Finanzgeschäft ein, beschäftige Spitzenbanker, oder besser gesagt Spitzenzocker, um weltweit gesehen ganz oben mitzumischen. Das Problem ist nur: nicht jede Wette kann gewonnen werden. Ganz problematisch wird es, wenn man sich vom Pfad der Tugend entfernt. Ein New Yorker Anwalt berichtet in der Dokumentation von Dirk Laabs, welche Klagen noch auf die Deutsche Bank zukommen könnten. Eine hochinteressante Dokumentation, die zeigt, dass wir erst am Anfang höchst problematischer Finanzentwicklungen stehen.

Foto: Dennis Skley, flickr.com
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