Wie bereits Ende März diesen Jahres berichtet, gibt es in Deutschland den BILD-Boykott. Kleinere Kioske und Supermärkte, sowie Tankstellen hatten sich dazu entschieden die Bild Zeitung der Axel-Springer SE nicht weiter zu verkaufen. Daraufhin bekamen betreffende boykottierende Institutionen lauten und überwiegend positiven Zuspruch von diversen Nutzern von sozialen Netzwerken. Die Aktion nimmt ihren Ursprung in der Unzufriedenheit vieler Menschen mit dem Umgang der BILD mit dem Germanwings Unglück vom 24.März 2015. Die Bild-Zeitung hatte damals, wie viele andere Nachrichtenseiten, einen Liveticker zum Geschehen auf ihrer Internetseite laufen. Die Recherche und die Veröffentlichungen zum Piloten und den Opfern wären im, laut Kritikern mehr als "respektlos" gewesen. Die Kritik an der BILD-Zeitung hat in diesem Fall nur gegipfelt, die Kritik besteht schon seit Jahrzehnten und hält sich hartnäckig und generationenübergreifend. Der BILD-Boykott sollte ein Zeichen der Einzelhändler und Geschäftsbetreiber zu sein, nicht weiter die Verbreitung des umstrittenen Print-Produkts zu unterstützen.

Der Edeka Heymer in Chemnitz gab am 21.Mai 2015 eine Erklärung auf Facebook heraus.

"Sehr geehrte Kundschaft, heute Morgen nun erreichte uns die Kündigung des MITTELDEUTSCHEN PRESSEVERTRIEBES! Mit der Begründung, dass wir uns standhaft weigern die BILD Zeitung zur Auslage zu bringen. Gekündigt wurde die Belieferung zum 22.05.2015. Da es ein Gebietsrecht gibt, dürfen wir uns von keinem anderen Grossisten beliefern lassen, das heißt wir dürfen uns ab sofort keine Zeitschriften von einem Pressevertrieb liefern lassen. Für alle Freunde der Printmedien heißt es nun, bitte zum Kiosk gehen… Desweiteren haben wir uns überlegt die frei gewordene Fläche sinnvoll zu nutzen. So wird in den nächsten Tagen dort ein Sortiment an Kinderbüchern, Malbüchern und Bestsellern ausliegen."

Der Mitteldeutsche Pressevertrieb beliefert viele Supermärkte und weitere Geschäftsmodelle, die normalerweise Print-Produkte wie Tageszeitungen und Zeitschriften führen. Das Gebietsrecht, welches nun dem Edeka Heymer verbietet ihre Zeitungen von anderen Händlern zu beziehen wirft Fragen und Probleme auf. Es bindet die Verkaufsstellen und macht sie abhängig. Dem Mitteldeutschen Pressevertrieb, welcher selbst verständlicherweise nach Gewinnmaximierung und Gewinnerhaltung arbeitet, wird unterstellt er würde für die Axel Springer SE handeln.

Der Bild-Boykott bleibt

Vorerst scheint Edeka Heymer nicht einzuknicken. Mit ihrer gewitzten Aktion der Neuplatzierung von anderen Print-Produkten und ihrem großen Zuspruch, welcher besonders bei Facebook zu sehen ist, derzeit über 5000 Likes auf den neuesten Post, scheint sich die Geschäftsleitung nicht aus der Ruhe bringen zu lassen. Bisher hat es noch nicht die befürchteten oder erwarteten vielen Nachahmer gegeben. Die Geschäfte stehen mit dem BILD-Boykott noch alleine da, und nach den neuesten Vorkommnissen wird dieser Zustand sicherlich weiter anhalten. Wenigstens dürfen Kritiker auf Facebook mal wieder "Lügenpresse" unter einen Post schreiben.

Foto: Flickr.com - Traveller_40 #Internet