Update 21. Mai 2015: In dem GDL-#Streik geht es in die Schlichtung. Deshalb wurde der Streik heute um 19 Uhr beendet. Für die Dauer der Schlichtung, vom 27. Mai bis zum 17. Juni 2015, gilt Friedenspflicht. Es wird innerhalb dieser Zeit keine Arbeitskämpfe der GDL geben. Die GDL hat den Ministerpräsidenten des Landes Thüringen, Bodo Ramelow, als Schlichter benannt, die Deutsche Bahn den ehemaligen Ministerpräsidenten des Landes Brandenburg, Matthias Platzeck. GDL-Boss Claus Weselsky: "Wir gehen davon aus, dass damit eine positive Grundlage für die Verhandlungen in der Schlichtung geschaffen ist."

Déjà-vu? Nein, es ist wirklich wahr. Wir sind wieder mitten im Bahnstreik. Ab Mittwoch fährt nicht wirklich viel auf den Schienen. Das Ende wird gesondert bekannt gegeben, verspricht die GDL. Alle sind somit wieder wütend auf die Lokführer, denn jetzt nehmen sie uns, die mehr als geduldigen Fahrgäste, erneut als Geisel. Dreister geht's wohl kaum: Auch noch über Pfingsten streiken diese undankbaren Mitarbeiter der Bahn. Das geht zu weit mit der Demokratie und dem Streikrecht. Und der Bahnvorstand reibt sich bei der Wut der Bürger die Hände, nennt den 9. Streik in Folge eine "Schikane von Millionen von Menschen". Das wollen die Menschen hören, das kommt an.


Bahn-Vorstände haben sich dreist eine Gehaltserhöhung während der Streiks gegönnt

Liebe Fahrgäste, halten Sie bitte einen Moment inne. Stellen Sie sich bitte nur kurz etwas vor: GDL-Chef Claus Weselsky schafft es, eine Gehaltserhöhung von 174 Prozent durchzuboxen. Und ab sofort werden die Lokführer nur noch die halbe Leistung erbringen. Züge wären nur noch 12 Stunden am Tag unterwegs. So in etwa wäre es nämlich, würden sich die Lokführer genau so verhalten, wie der Bahnvorstand es vor wenigen Monaten dreist tat. Ach, das haben Sie so jetzt gar nicht mitbekommen? Was war denn mit dem Bahnvorstand? Nun, liebe Fahrgäste: Der Vorstand selbst ist gieriger und rücksichtsloser, als die GDL es je wohl sein wird. Der Streik fiel so perfekt in die ganzen Auszahlungstermine, dass so ziemlich niemand etwas mitbekommen hat. Viele Journalisten, die hätten darüber berichten müssen, waren zu beschäftigt damit, Fahrgäste zu ihrer Wut auf den gemeinen GDL-Chef Claus Weselsky zu befragen.

Konzernziele in 2014 nicht erreicht, aber kurzfristige Boni für alle Bosse

Dann mal ein paar Fakten, bevor der Streik losgeht. Bahnchef Rüdiger Grube und seine Kollegen, wie Bahn-Vorstand Richard Lutz, zuständig für Finanzen und Controlling, haben sich Ende des Jahres 2014 rund 7,28 Millionen Euro an Prämien zusätzlich gezahlt. Einfach so. Das ist weit doppelt soviel wie im Jahr 2013. Und die kurzfristigen Boni stiegen auf unglaubliche 5,2 Millionen Euro. Das ist ein Zuwachs von 174 Prozent (Quellen: Handelsblatt, Jahresabschluss DB). Und jetzt raten Sie mal für was? Dafür, dass die Umsatz- und Gewinnziele im letzten Jahr 2014 komplett verfehlt wurden. In einem Dax-Unternehmen wäre so ein Vorstand, der die Ziele derart verfehlt, vor die Tür gesetzt worden. Und ein Lokführer verdient in 40 Jahren nicht einmal soviel, wie sich der Vorstand vor wenigen Monaten als Boni für 2014 dreist genommen hat.

GDL wirft Bahn Steuerverschwendung vor - Bahn verweist auf gutes Angebot

Man könnte Claus Weselsky, dem GDL-Boss, angesichts solcher Wahrheiten fast schon als Sentimentalisten bezeichnen, als jemand, der noch an Demokratie und Gerechtigkeit glaubt. Es ist richtig, der Schaden eines solchen Bahnstreik ist enorm. Und ja, er trifft immer wieder die Fahrgäste, die Wirtschaft. Aber die Bahn nimmt das gewollt in Kauf. Denn von den Millionen, die der Bahn täglich durch den Streik angeblich verloren gehen, braucht sie als Staatskonzern nicht wirklich zu haften. "Über die Kosten des Streiks scheint sich der DB-Vorstand keine Gedanken zu machen", sagt GDL-Chef Claus Weselsky. "Denn letztendlich steht dafür ohnehin der Steuerzahler gerade, weil die DB einfach weniger oder gar keine Dividende abführt." Deshalb müsse der Eigentümer Bund nicht das Zugpersonal zur Mäßigung rufen, vielmehr sollte er dem Vorstand die Verschwendung von Steuergeldern untersagen, so der GDL-Boss.

Die Bahn hält dagegen. Bahn-Sprecher, Oliver Schumacher, erklärt hierzu schriftlich: "Erst am Wochenende wurden 20-stündige vertrauliche Gespräche geführt. Hierzu hatte die DB auch ein neues umfangreiches Angebot für die Berufsgruppe der Lokrangierführer vorgelegt." Die GDL habe die Vorschläge als durchaus einigungsfähig und intelligent bezeichnet, hätte diese aber aus politischen Gründen abgelehnt.

Die Bahn wird ab Streikbeginn einen Notfahrplan bekannt geben sowie eine kostenlose Hotline schalten.