Der BILD-Boykott hält weiter an. Im Fokus des Geschehens steht der Edeka Heymer in Chemnitz. Der Supermarkt weigert sich die BILD-Zeitung weiterhin im Sortiment zu führen. In sozialen Netzwerken stieß der Edeka-Markt damit auf große Zustimmung. Doch nun melden sich Journalisten, Medienvertreter und die Presse-Grosso zu Wort, und kritisieren das Vorgehen des Einzelhandels. Sie unterstellen betreffenden Märkten sogar einen Angriff auf die Pressefreiheit.

Ein Edeka Markt als Zensor

Hendrik Zörner, Sprecher vom Deutschen Journalisten-Verband betont: "Es steht dem Einzelhandel nicht zu, Pressezensur zu betreiben. Der Edeka-Händler darf die Bild-Zeitung mit spitzen Fingern anfassen, wenn er sie nicht mag. Verkaufen muss er sie aber trotzdem".

Sebastian Tauchnitz, Redaktionsleiter bei der Funke-Zeitung "Thüringer Allgemeine" sagt: "Nur weil ich mit der Berichterstattung nicht einverstanden bin, kann ich sie nicht verbieten".

"Niemand hat das Recht, die freie Presse zu zensieren" sagt Katja Bauroth, Redaktionsleiterin der "Schwetzinger Zeitung".

Der Mediendienst Kress.de schreibt: "Ein Zeitungshändler hat, abgesehen von seiner persönlichen Meinung, aber eine wichtige Funktion: Mit seiner Auslage ermöglicht er seinen Kunden, die Medienvielfalt in Deutschland überhaupt in Anspruch nehmen und sich ihre eigene Meinung bilden zu können."

Weitergedacht würde eine solch willkürliche Reaktion des Einzelhandels auf den Inhalt ihrer zu verkaufenden Print-Produkte bedeuten, dass eine erzkonservative Supermarktleiterin die "taz", bekannt für ihre linke Berichterstattung nicht mehr auslegen müsste. Ebenso könnte ein Tankstellenbesitzer sich weigern den "Kicker" nicht länger zu verkaufen, umso auf seine Weise gegen die Vorgänge in der FIFA zu protestieren.

Peter Klotzki, Geschäftsführer Kommunikation im Verband Deutscher Zeitschriftenverleger in Berlin, nennt einen solchen Weg "ein untragbares Ergebnis".

Die Presse-Grosso kritisiert den BILD-Boykott stark

Der Bundesverband Deutscher Buch-, Zeitungs,- und Zeitschriften Grossisten, kurz Presse-Grosso, nimmt den Einzelhandel in die Verantwortung. In ihrer Erklärung heißt es "Der Pressehandel nimmt eine wichtige Funktion wahr. Er sorgt dafür, dass die Bürger vor Ort ungehinderten Zugang zu und freie Auswahl aus einem möglichst breiten Pressesortiment erhalten".

Der Mitteldeutsche Pressevertrieb stellte als Grossist die Belieferung des Edeka Markt Heymer ein. Damit bekommt der Markt momentan keine Presseerzeugnisse mehr. Die Presse-Grosso hält diesen Schritt des Grossisten für bedauerlich, aber gerechtfertigt.

Die Mündigkeit der Konsumenten - Meinung des Autors

Ein Journalist ist kein Pädagoge. Er muss davon ausgehen, dass seine Leser dem Inhalt mündig sind. Er muss davon ausgehen, dass seine Leser den Inhalt einzuordnen wissen und politisch kategorisieren können.

Gleiches gilt für Betreiber des Einzelhandels. Er muss so viel Vertrauen in seine Käufer haben, dass er ihnen auch ein Produkt zur Verfügung stellt, welches nicht seinen persönlichen Ansichten entspricht. Ein Schritt gegen die unzureichende Berichterstattung der BILD-Zeitung kann und muss stattfinden, sofern der Verkäufer mit dem Inhalt nicht einverstanden ist. Allerdings muss er als Vertreiber seinen Kunden die Möglichkeit geben sich selbst eine Meinung zu bilden. Ansonsten führt dieser partielle Boykott von Print-Produkten zu einer ungewollten und nicht kontrollierbaren Pressezensur. Ein adäquates Nicht-Einverständnis zeigen, ohne die Öffentlichkeit zu bevormunden, bedarf Kreativität. Gespannt sind vergleichbare Schritte betreffender oder anderer Menschen zu erwarten.

Der Kress-Leser "Hustenstorch" kommentierte einen entsprechenden Bericht so: "Na dann guck ich doch gleich mal, ob ich hier in jeden Supermarkt z.B. die "Junge Freiheit" und die "Junge Welt" bekomme, das sind in meinen Augen nicht ganz so schlimme Hetzblätter wie die Springer-Erzeugnisse".

Ein anregender Kommentar, der zu der Frage führt, ob der Nicht-Vertrieb solch alternativer Blätter wie "Junge Welt" seitens der Grossisten, nicht auch eine Form der Zensur darstellt.

 Quelle: Kress.de 

 Foto: Flickr.com - Joakim Jardenberg #Internet