Einer von uns! Schon in der DDR war Platzeck am Zentralen Runden Tisch ein wichtiger Vertreter. Wenn jemand die Sorgen und Nöte des kleinen Mannes von hüben und drüben versteht, dann der Matthias. Sicherlich wird er die Lokführer der Bahn zur Vernunft bringen können. Und Bahnchef Grube zeigt mit dem Vorschlag, Platzeck als Schlichter einzusetzen, dass der Konzern nichts zu verbergen hat und doch nur vermitteln möchte. Schöner Nebeneffekt: Während der Schlichtung würde auch nicht gestreikt werden.

Soweit die Theorie. Die GDL nannte den Vorschlag der Schlichtung unter Führung von Platzeck einen schlechten PR-Gag. Und das ist noch freundlich ausgedrückt. Es ist verlogen! Eigentlich verwirrt Bahnchef, Rüdiger Grube, mit der Ernennung schon sehr. Brandenburg ist mit das Bundesland, in dem die Deutsche Bahn im lukrativen Nahverkehr die meisten Aufträge verloren hat. Der Regionalverkehr wird in vielen Landkreisen, wie Märkisch Oderland und Barnim von privaten Zuggesellschaften geführt. Die Strecken wurden massiv ausgedünnt - aus Kostengründen. In Brandenburg war nicht wirklich was zu verdienen, für die DB Regio zumindest. Was viele Bürger nicht wissen: Der Nahverkehr - anders als der Fernverkehr - ist Ländersache. Entscheidungen werden von den Landesregierungen mitgetragen, jede Preiserhöhung im Nahverkehr übrigens auch. Der Nahverkehr, 50 Kilometer außerhalb des Berliner Speckgürtels, ist immer noch eine Zumutung.


Dafür ist Matthias Platzeck ein wichtiger Botschafter für das Deutsch-Russische Forum. Er tingelt durch Talkshows und warnt immer wieder davor, Russland zu isolieren. Genau das findet Rüdiger Grube von der Bahn auch. Der Bahnchef verhandelt seit 2014 mit der russischen Staatsbahn RZD über den Bau einer Bahnstrecke von Moskau nach Kasan. Eine Stadt, die fast 800 Kilometer von der russischen Hauptstadt entfernt ist. Das Projekt soll zur Fußball-WM 2018 fertig sein und würde Grube 20 Milliarden einbringen. Platzeck findet die Idee mit der Deutschen Bahn bei dem Projekt ganz dufte, seine Unterstützung ist Grube sicher.

Rüdiger Grube hat hier auch nicht wirklich weiter gedacht. Die GDL wird spätestens dann Matthias Platzeck fest im Schwitzkasten haben, wenn dieser Fragen nach übertriebenen Forderungen stellt. Denn wenn einer so richtig zulangt, dann Platzeck. Das würde die GDL ihm um die Ohren hauen. Matthias Platzeck bekommt weiterhin im Brandenburger Landtag Büro und Personal bezahlt. Eigentlich gilt eine 18 Monate-Regelung. Denn die im November 2013, im Brandenburger Landtag, beschlossene Befristung, wurde offenbar von der Staatskanzlei bei Herrn Platzeck ausgehebelt. Nach wie vor wird von Steuergeldern Personal für Herrn Platzeck bezahlt. SPD-Franktionschef, Klaus Ness, sagte dazu der Berliner Morgenpost: "Wer so bekannt ist wie Matthias Platzeck und immer noch soviel für sein Land tut, dem steht eine Unterstützung bei seinen Aufgaben zu."

Neben der scheinbar nie endenden Aufopferung für unser Land, gibt Platzeck noch den Putin-Versteher in vielen Talkshows, die noch einmal extra vergütet werden, zuletzt bei Günter Jauch in der ARD. Auch kontrolliert er im ZDF-Aufsichtsrat die öffentlich-rechtliche Fernsehanstalt, dafür bekommt er ebenfalls Geld vom Steuer- und Gebührenzahler. Und natürlich hat Brandenburg, nach wie vor, kein Ministergesetz, das die Versorgung und Vergütung transparenter regelt. Das wäre sicherlich der wichtigste Verdienst gewesen. Aber das hat auch für Platzeck noch Zeit. Außerdem ist er offiziell ja nicht mehr im Dienst, nur nebenbei. Bei allem Respekt vor Matthias Platzeck, so einer Person kann man die Rolle eines unabhängigen Schlichters nicht wirklich abnehmen.

Zur Person: Matthias Platzeck war von Juni 2002 bis August 2013 Ministerpräsident des Landes Brandenburg. Im Juni 2013 erlitt er einen Schlaganfall und kündigte darauf seinen Rücktritt aus allen politischen Ämtern an. Sein Nachfolger wurde Parteifreund Dietmar Woidke (SPD). Platzeck lebt in zweiter Ehe, er hat drei erwachsene Töchter. #Streik