Die Nachricht ging durch sämtliche Pressekanäle: Die Deutsche Bank Vorstandvorsitzenden legen ihre Ämter zurück. Anshu Jain legt sein Amt sogar vozeitig zum 30. Juni dieses Jahres nieder, während sein Co-Chef Jürgen Fitschen bis Mai 2016 sein Amt walten lässt, obwohl beide Arbeitsverträge bis 2017 laufen. Als Nachfolger von Anshu Jain tritt der Brite John Cryan den Vorstandvorsitz an. Nicht nur das: Es soll nach dem Ende von Jürgen Fitschen keine Doppelspitze mehr geben.

 Libor-Skandal und Gerichtsurteile

Was ist schiefgelaufen beim deutschen Branchenprimus? Sicherlich sind es die vielen Skandale, wie etwa der Libor-Skandal. Demnach hat die Deutsche Bank mitgewirkt, den Libor-Zinssatz zu ihren Gunsten zu manipulieren und daraus Gewinne einzufahren. Oder der Kirch-Prozess, wonach der ehemalige Vorstandsmitglied Rolf E. Breuer in einem Interview die Kreditwürdigkeit des Medienimperium von Leo Kirch anzweifelte. Einige Urteile sind gefallen, andere stehen noch aus.

Doch auch der Vorgänger des aktuellen Vorstandvorsitzenden hat sich nicht mit Ruhm bekleckert. Stolz erklärte Josef Ackermann der Presse, die Deutsche Bank sei "ohne staatliche Unterstützung" durch die Krise gekommen. Das dies so in der Form stimmt, mag zweifelhaft sein, zumal die Deutsche Bank ihr Geld über die Aktionäre geholt hat - mit zwei Kapitalerhöhungen. Die Belohnungen für die Aktionäre fielen bislang sehr mager aus.

Kalter Wind auf der Hauptversammlung

Die Anleger mussten einen herben Kursverlust einfahren. Die Aktie der Deutsche Bank ist seit 2007 zeitweilig um bis zu 50 % abgestürzt. Das ist für einen Branchenprimus nicht tragbar. Ebenso sind die Dividendenauszahlungen nicht mehr üppig bemessen. Dafür wurde die Bank ordentlich abgestraft. Nur 61% der Anleger stimmten für die Vorstandriege ab. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass 39% der Anleger der Bank nicht mehr vertrauen.

Neue Chance für Cryan

Was muss Cryan also besser machen? Erstens ist es wichtig, dass sämtliche Skandale und Negativschlagzeilen "weggeräumt" werden und zwar im Sinne der Anleger, aber besonders im Sinne der Geschädigten. Als nächstes sollte man den Bereich des Investmentbanking so regulieren, dass riskante Geschäfte nur mit strengeren Eigenkapitalregeln durchgeführt werden. Der Fokus soll sich auf das Privatkundengeschäft beschränken und auf das Betreuen und Verwalten von Vermögen.

Was definitiv feststeht: Bis die Deutsche Bank sich wieder als Saubermann präsentieren kann, muss jede Menge Staub vor der eigenen Tür entfernt werden.

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