Die Internetseiten beinhalten eindeutige Namen wie "gesext", "poppen" oder "Kaufmich" und sie verdienen weniger am Spaß, sondern an der Not von Frauen. Das Geschäft boomt. Mit Premiumzugängen für Männer oder Provisionen, die Frauen von Auktionsbeiträgen abführen müssen, lässt sich inzwischen mehr verdienen, als mit einem klassischen Bordell. Lisa* (*Name geändert) wollte in solchen Läden nicht arbeiten und schaute sich im #Internet um. Die 24-Jährige aus Berlin macht mit ihren Onlineauktionen inzwischen 2.000 Euro im Monat Umsatz, dafür verkauft sie ihren Körper. Was anfangs aus Geldnot nur ein verzweifelter Ausweg war, ist heute wie eine Sucht für sie. Es ist aber weniger eine Sucht nach Sex und Geborgenheit, sondern das völlige Verlangen nach dem schnellen Geld, mit einer schnellen "Nummer". Ein gefährliches Spiel für Lisa und ihre kleine Tochter Serafine* (*Name geändert). Denn sie bezieht Hartz IV und betreibt ihr Gewerbe heimlich in der Wohnung. Blasting News bekam über einen Anbieter einen Kontakt vermittelt und durfte eine junge Frau in der Berliner Plattenbausiedlung Marzahn besuchen und zwischen Sexdates befragen.

Lisa kam wegen Schulden in die Welt der Online-Sexdienste

Lisa, wir haben den Kontakt zu Dir über einen Anbieter bekommen. Offenbar ist es für Dich ein Verlangen mit uns zu dem Thema private Sexversteigerung zu sprechen. Warum? Es ist die Antwort darauf, wie man schnell an Geld kommen kann. Ich habe viele Freundinnen, die hoch verschuldet sind, weil das Geld vorne und hinten nicht reicht. Sie haben keine Eltern, die mal die Kohle rüber reichen können. Jobs bekommt man auch kaum hier in Berlin als Alleinerziehende. Wer offen für Sex ist und kein Problem mit anonymen Partnern im Bett hat, sollte das versuchen, was ich tue. Denn es macht Spaß. Heute biete ich gern meine Liebesdienste online an.

Wie genau funktioniert das, was Du vermeintlich gern anbietest? Ich melde mich auf der bestimmten Seite an. Dann erstelle ich ein Angebot mit Bildern von mir. Diese Bilder sind freizügig, aber zeigen mich nie vollständig nackt. Schambereich ist tabu und wird eh vom Anbieter abgelehnt. Ich sage im Auktionstext was ich tue, was möglich ist, zum Beispiel Verkehr mit Gummi und französisch pur. Als Startpreis setze ich 1 Euro und lasse meistens die Auktion eine ganze Woche laufen. Oder ich mache einen Sofortkauf, der liegt meist bei so 250 bis 300 Euro für zwei Stunden Sex mit mir. Oft wird innerhalb von 30 Minuten gekauft, wenn ich eine Auktion reinsetze.

Eine Nacht kostet schon mal 800 Euro - mehr als der Hartz IV Regelsatz im Monat

Und das bezahlen die Männer einfach so? Ja, wenn man noch unter 30 ist und sich als jung und knackig auf dem Fotos zeigt, das Gesicht ist dabei natürlich verdeckt, hat man viele Interessenten. Ich habe auch schon mal eine ganze Nacht angeboten für 800 Euro mit zwei Männern. Das ist zwar sehr schnelles Geld, aber auch sehr anstrengend. 10 Stunden am Stück Sex ist dann auch mir zuviel des Guten. Auch wenn da Pausen dazwischen waren.

Was sind das für Leute, die Dich "ersteigern"? Unterschiedlich. Manchmal sind es ganz unerfahrene Typen, die dich ganz lieb anschreiben und fragen, ob sie zwei Stunden auch kuscheln und mal deine Brüste anfassen dürfen. Das sind die liebsten Kunden. Es gibt sogar 40-jährige, die noch nie Sex hatten. Das sind aber sehr höfliche Männer. Die zahlen und trauen sich nicht mal meinen BH zu öffnen. Dann gibt es - und das macht die Masse aus - die Männer, die gleich zur Sache kommen wollen. Sie fragen vor einem Gebot, was ich alles mache, zum Beispiel ob ich auch dominant sein kann oder sie mit meinen Füßen verwöhnen kann. Manche Männer wollen einfach nur getragene Unterwäsche von mir und überweisen mir auf Paypal dafür schon mal 150 Euro pro Wäschestück. Das ist dann richtig schnell verdientes Geld.

Wer rein darf, entscheidet sich vor der Wohnungstür

Sind diese Wünsche Dir nicht oft zu bider oder gegen Deine Vorstellung? Am Anfang hatte ich selber Schiss, was da jetzt kommt. Aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass die meisten Männer auch einfach guten Sex suchen. Sie wollen nur Abwechslung, weil es zu Hause nicht mehr läuft. Manche kommen einfach nach der Arbeit kurz rum. Die meisten Typen behandeln dich ganz gut. Ich schaue sie mir immer erst vor einem Treffen auf dem Foto an und auch vor der Wohnungstür, entscheide ich nach Bauchgefühl. Ist er mir unsympathisch, darf er nicht rein.

Die Männer kommen zu Dir nach Hause? Deine Tochter Serafine ist fünf Jahre, auf der Etage sind acht Nachbarn. Das bekommt doch einer mit und ist unverantwortlich! Sagst Du, es ist Deine Meinung. Hochhäuser in Berlin sind anonym. Hier lagen schon Tote in ihrer Wohnung und man hat es erst gemerkt, weil es gestunken hat. Was ich tue, tue ich für Serafine. Für das Geld kann ich mir Klamotten kaufen, ihr schöne Sachen. Wenn ich meine Dates habe, die ich auf das Wochenende lege, bringe ich meine Tochter entweder zu meinen Eltern oder einer Freundin. Tagsüber ist sie im Kindergarten, so dass ich in Ruhe meine Sexpartner unter der Woche treffen kann.

Das Amt erfährt vom Sexgeld nix, weil die Mitarbeiter selbst Freier sein sollen

Du sagst, dass Du Dir schöne Sachen kaufen kannst. Wie hoch sind Deine Einnahmen, meldest Du das dem Jobcenter? Ich mache 2000 Euro in einem Monat, wenn es gut läuft. Aber oft lasse ich auch mal einen Monat den Sex ruhen. Ich mache das seit gut 1 1/2 Jahren. Dem Jobcenter melde ich das nicht. Sie betrügen genug den Bürger. Ich habe nie Hilfe bekommen, wurde nur unfreundlich behandelt. Außerdem sichert es mein Einkommen, wenn es mal nicht läuft oder ich einfach nicht mehr möchte.

Lisa, was sagst Du dann einer Lidl-Verkäuferin, sagen wir in Deinem Alter, die 10 Stunden täglich im Laden ist und gerade mal etwas mehr als eine Hartz IV-Empfängerin verdient. Diese und andere Menschen, die für Deinen Regelsatz arbeiten gehen, Steuern zahlen, betrügst Du tatsächlich. Das tue ich, ja. Und das ist auch nicht in Ordnung. Aber was ist schon die Moral wert? Menschen, die sich Frauen kaufen und ihren Trieb ausleben, spiegeln unsere Gesellschaft wider. Du erzählst mir jetzt nur das, was man als Reporter wegen der Moral sagen sollte. Soll ich Dir sagen, was ich für Leute habe? Das macht einen Angst und man hört lieber weg. Es ist sogar ein Mitarbeiter vom #Arbeitsamt dabei. Es sind sonst Familienväter, die mir ihre Kinder nach dem Sex zeigen. Straßenbahnfahrer, die 35 Jahre verheiratet sind; ein Polizist, der für mich sofort seine Frau verlassen würde und letztens hatte ich wieder den Filialleiter einer bekannten Möbelkette. Er hat 4 Kinder. Sogar ein Azubi vom öffentlichen Dienst ist mit dabei. Ein Stammkunde. Viele Stammkunden kommen nach einer Auktion dann gleich privat weiter zu mir, das erspart mir die Provisionsgebühren und den Männern die Anmeldung. Diese Menschen wollen beim Sex sparen, bedienen sich an meinem Körper, ohne mit der Wimper zu zucken. Das ist okay, weil ich es ihnen erlaube, weil ich schweige und ihren Drang, ihr Verlangen befriedige. Sie alle zahlen Steuern für meinen Regelsatz. Und wenn sie in mich eindringen, kümmert sie das überhaupt nicht. Ich bin einfach nur eine Frau, die ihren Körper zur Verfügung stellt und dafür finanziell entschädigt wird. Wieviel wäre mein Körper zuzüglich des Regelsatzes wert? Niemand will diese Frage beantworten, weil es ein Tabu ist. Aber ich habe mal den moralischen Zeigefinger erhoben. Danke, nächste Frage.

Grundregeln sind kein Parfum, gratis Getränke und ein Rasierer

Wie bereitest Du Dich auf ein Sextreffen vor? Immerhin dringt dort ein Mensch in Deine Privatsphäre, in die Wohnung von Dir und Deinem Kind. In jedem Fall muss Serafine nicht anwesend sein. Dann dusche ich mich und rasiere mich überall. Wichtig ist, kein aufdringliches Duschbad zu nehmen und kein Parfum ranzumachen. Denn wenn ich einen Ehemann habe und er nach Chanel No. 5 riecht oder meinem Pfirsich-Duschbad, ist das gar nicht gut für ihn. Ich frage vorher, was ich anziehen soll. Mal bin ich einfach nur die Nachbarin von nebenan in Jogginghose und Shirt, dann die heiße Braut im Minikleid oder die Nymphomanin im schwarzen Nachthemd. Ich öffne so die Tür, wie es der Kunde wünscht.

Gibt es Tabus? Ja, AO. Das bedeutet "alles ohne", also der Sex ohne Kondom. Auf den Plattformen werden solche Angebote auch gemacht. Und diese bekommen oft richtig gute Gebote. Da ist schnell mal 500 Euro für eine Nummer drin. Aber das ist auch gefährlich. Hier sind wir wieder bei der Moral. Jeder zweite Mann, von dem ich eine E-Mail bekomme, fragt, ob ich auch AO mache und man bietet mir dafür schnell viele hundert Euro mehr an. Ich lehne immer ab.

Es gibt keinen Traummann, nur gute Kunden

Warum sollte man Deine privaten Dienste, einem Bordell aus Deiner Sicht vorziehen? Ich biete eine private Atmosphäre und bei mir gibt's die Getränke gratis. Ich zocke niemanden mit Extras oder überteuerten Champagner ab. Bei mir kann man in Ruhe reden, Wein trinken oder ein Bier, bei Sympathie küsse ich meine Kunden, was man in einem Bordell nicht bekommt. Ich mag Sex und genieße ihn oft mit. Das spürt der Kunde. Und er liebt es. Auch ist die Diskretion in einer privaten Wohnung viel eher gegeben, als in einem Bordell, wo man reingeht und vielleicht noch andere trifft, die man vielleicht noch kennt.

Und was ist, wenn unter den Freiern ein Mann dabei ist, der Dich näher interessiert? Die meisten Typen sind vergeben und keine Option für mich. Denn wenn sie ihre Freundin betrügen, würden sie es auch mich betrügen. Als Kunden sind solche Männer aber viel mehr wert. Ich bin momentan glücklich mit meinem Leben.

Lisa, vielen Dank für das Gespräch!


Das ist rechtlich bei Sex gegen Geld im Hartz IV-Bezug erlaubt:

Leistungsbezieher müssen die Ausübung einer Tätigkeit, dazu gehören auch Liebesdienste, unverzüglich beim Jobcenter melden. Es handelt sich dabei um eine selbstständige oder freiberufliche Arbeit. Man kann von dem Geld, welches man mit dem Sex verdient hat, einen Freibeitrag, gemäß Sozialgesetzbuch behalten. Wem das Amt ohne Anmeldung erwischt, riskiert Sanktionen und ein Strafverfahren. Wem es unangenehm ist, seine Tätigkeit zu melden, kann dies auch schriftlich machen. Das Jobcenter darf eine solche Tätigkeit, wenn sie legal ist und korrekt angemeldet wurde, nicht verbieten. Ist das Einkommen höher als der Regelsatz, fällt man automatisch aus dem Bezug und muss das Einkommen dem Finanzamt melden.