Nicht nur deutsche Wohnungen sind voll mit Möbeln des schwedischen Möbelriesen. Regal „Billy“ hat eine Weltkarriere hinter sich und einen Bekanntheitsgrad, der garantiert an den des Papstes heranreicht.

Doch in letzter Zeit geriet #IKEA immer öfter in die Schlagzeilen. Einmal wegen der schlechten Bezahlung und unerlaubten Überwachung seiner Mitarbeiter, dann wegen der Abholzung russischer Wälder und immer wieder wegen Sicherheitsmängeln einzelner Produkte. Nun macht das Möbelhaus in den USA erneut traurige Schlagzeilen: Nachdem es zu mehreren Todesfällen durch umstürzende Kommoden im Kinderzimmer gekommen ist, lässt IKEA 27 Millionen Kommoden (die komplette Serie) nachbessern.

Zwei dramatische Unfälle in den USA

Mit der Kommode „Malm“ ereigneten sich in den vergangenen eineinhalb Jahren zwei tragische Unfälle, bei denen Kleinkinder durch das umkippen des Möbelstücks zu Tode kamen. Weitere Kinder sind verletzt worden. Das Möbelhaus stattet nun 27 Millionen „Malm“-Kommoden in den USA mit bei uns längst üblichen Befestigungskits aus.

Der amerikanische Wirtschaftskanal CNBC berichtete, dass das Möbelhaus allen Kunden, die eine solche Kommode erworben haben, nachträglich ein kostenloses Anschraub-Set für die Wand erhalten. Europaweit muss dieses immer mitgeliefert werden, denn hier gelten die schärfsten Bestimmungen hinsichtlich der Stabilität von Möbeln. In den USA sei das nicht vorgeschrieben, erklärte ein Vertreter der amerikanischen Kundensicherheitskommission gegenüber dem Sender.

Mangelhafte Sicherheitsgesetze für Möbel in den USA

Es scheint, als ob das skandinavische Möbelhaus in Nordamerika auf Kosten der Sicherheit gespart habe, indem es auf das Befestigungsset verzichtete. Doch diese Erklärung wäre zu simpel. In den USA wird das Sicherheitsproblem nicht durch IKEA und ähnliche Konzerne ausgelöst, vielmehr sind die Gesetze zu lasch. Landesweit stirbt dort alle zwei Wochen ein Kind durch ein umfallendes Möbelstück oder Fernsehapparat. Auf Nachfrage der „Süddeutschen Zeitung“ weist IKEA in Europa seit vielen Jahren durch Produktbeilagen darauf hin, freistehende Möbelstücke an der Wand zu befestigen, um deren Umfallen zu verhindern. Kommoden und andere kippgefährdete Möbel enthalten immer ein Wandbefestigungs-Montageset. Nach Aussage des Herstellers sei die Aktion der CPSC und IKEA Nord Amerika keine Rückrufaktion, man wolle vielmehr auf das Gefahrenpotenzial hinweisen und künftige Unfälle vermeiden.

Auch hier sollte man Billigmöbel genau begutachten

Können wir in Europa also die Hände im Schoß falten und uns freuen, dass die Gesetze anders ergreifen? Mitnichten, denn auch bei uns werden immer wieder eklatante Mängel bei IKEA Produkten festgestellt. 2007 entdeckte man gravierende Mängel bei Schreibtisch-Drehstühlen von IKEA und anderen Handelsketten, die mit dem Verkaufsstopp endeten. 2008 waren es konstruktionsbedingte Sicherheitsmängel bei der Halogenlampe „Femton“, die sich zu stark erhitzte. 2014 erst gab es eine Rückrufaktion für die fehlerhafte Kinderschaukel „Gunggung“.

Wir Verbraucher müssen also selbst Verantwortung übernehmen, denn billig produzieren heißt nun einmal, dass irgendwo gespart wird. Einen Preis zahlt man immer.

Bild: Ikea, Helmut Stettin
#Gesundheit