In 15 Jahren konnte PAYBACK einiges über seine Karteninhaber erfahren: Was die gern bei Rewe für Joghurt kaufen, wann sich die Kundin ihre Tampons in der dm-Drogerie besorgt und deren Mann - Dank Partnerkarte - sein Rasiergel wechselt. Das sind wertvolle Daten. Und um an diese zu kommen, fordert Payback auch zum 15. Geburtstag auf, an Deutschlands größtem Bonusprogramm teilzunehmen. 

Zuviel Pudding für Punkte

Denn mit den Daten im Kartenantrag und den darin freiwillig gemachten persönlichen Angaben, können bei jedem Einsatz der PAYBACK Karte Umsatzdaten und Kundenprofile erfasst werden. Diese sind wichtig, damit die über 650 Partnern von PAYBACK, ihre Werbung individueller zuschneiden können. Besondere Rabattcoupons verleiten dazu, mehr zu kaufen. Zum Beispiel gab es vor zwei Wochen 30 Extrapunkte bei Rewe, wenn man "Ferrero" Produkte (duplo, kinder-country etc.) über 2,00 Euro kauft. Da aber fast alle Produkte unter 2 Euro kosteten, musste der Kunde mindestens zwei Artikel kaufen, um die Extrapunkte überhaupt zu kriegen. Bei Landliebe (Hersteller Friesland Campina) gab es Extrapunkte dann, wenn man fünf Sahnepudding in den Einkaufswagen legte.

Ständige Nachfrage ist Arbeitspflicht

"Gewinner sind nie die Kunden, die zahlen immer drauf", sagen uns Mitarbeiter von Rewe. "Ich habe vor acht Jahren bei Rewe angefangen. Heute besteht mein Arbeitstag vor allem daraus, jeden Kunden zwei mal zu fragen, ob er eine Payback Karte hat." Hunderte Kunden am Tag, tausende in einem Monat. "Im Callcenter gibt es Verbote, Leute unaufgefordert anzurufen - wir müssen unaufgefordert jeden Kunden belästigen." Die Mitarbeiterin erzählt weiter, Rewe verlange die Abfrage nach einer PAYBACK-Karte zwingend. "Fragen wir nicht, gibt es Konsequenzen." Wenn sich Kunden belästigt fühlen, soll es eine Sprachreglung geben. "Dann haben wir dem Kunden zu sagen, dass es doch hätte sein können, das er seine Karte vergessen hat", erklärt uns eine Filialleiterin.

Rewe ködert zu wenig PAYBACK-Kunden

Der Druck auf die Filialen sei hoch. "Wir müssen PAYBACK Karten nun auch noch Stammkunden andrehen." Inzwischen soll es zwischen den Märkten sogar Wettbewerb geben. "Wir haben eine bestimmte Anzahl von Karten an die Kunden zu bringen", berichten uns die Mitarbeiter. Um dieses Ziel zu erreichen, steht das Personal am Eingang und "fängt" Kunden ab. Blasting News hat allein in dieser Woche verstärkt Märkte bei der Vorgehensweise beobachtet (Bild 2) und kann die Kundenaquise bestätigen. "Wir sind in 2015 noch unter den Zielen (Raum Berlin, Anm. d. Autors) und müssen ranklotzen. Es wird immer schlimmer!"

Prämien sind häufig teurer als im Handel

Blasting News machte zwei Monate den Test, die Karte haben wir in einem Rewe-Markt bekommen. Wir sind aktuell bei 208 Punkten angekommen, haben nur bei Rewe eingekauft. Die angebotenen Waren im Prämienshop waren uns häufig zu teuer. Die kleine Servierpfanne mit 47,45 Euro Zuzahlung bei PAYBACK, haben wir im WMF-Shop in Berlin auf 39,00 Euro runterhandeln können. Das bunte LED Stimmungslicht von Philips (aktuell nicht lieferbar) schlug mit über 80 Euro Zuzahlung bei unseren Punkten zu Buche. Das selbe Produkt haben wir bei Ebay für 56,25 Euro neu bekommen. Und die Grillzange von WMF hat mit 1.499 Punkten einen Wert von 14,99 Euro, bei Amazon gab es diese für 14,95 Euro und bei anderen Händlern sogar noch bis zu zwei Euro günstiger.

Fazit 

Die PAYBACK Karte ist auch nach 15 Jahren vor allem ein Produkt, welches den Händlern nützt. Die Punktejagd soll Kunden gezielt an ein Unternehmen binden. Dabei wäre ein Preisvergleich oft sinnvoll. Einige Prämien sind hochwertig, aber diese gibt es selbst ohne Punkte woanders regelmäßig günstiger. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen hat zuletzt von der Nutzung der Rabattkarte im Zweifel abgeraten, da die Vorteile für den Kunden gering sind. 

Fotorechte: Payback Presse; M. Adler

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