Über Geschmack lässt sich ja bekanntlich gut streiten. Doch wenn es dann noch um den Arbeitsplatz geht, hört für viele der Spaß auf. So auch im Fall einer fristlosen Kündigung eines Auslieferungsfahrers, der bei einem einem Mönchengladbacher Unternehmen für Getränkeversorgung arbeitet. Im vorliegenden Fall hatte ein Mitarbeiter gegen seine Kündigung geklagt, weil er "mit so einem Puffauto..." nicht fahren wolle. Die daraufhin ausgesprochene fristlose Kündigung, so urteilte das Arbeitsgericht, sei unwirksam. Nach Ansicht des Richters war die fristlose Kündigung bei einer 20-jährigen Betriebszugehörigkeit unverhältnismäßig. Doch die gleichzeitig ausgesprochene fristgerechte Kündigung zum Jahresende sei dennoch wirksam. Der Mitarbeiter wurde von der Arbeit freigestellt, bekommt jedoch noch weiter sein volles Gehalt.

Geschmacklos und Sexistisch so der Kläger

Die strittige Kaffee-Werbung am Auto zeigt zwei nackte Frauen Beine, die eine Illusion einer sich in Kaffeebohnen rekelnden Frau mit roten Pumps vorgaukelt. Die Frau selbst ist dabei nicht zu sehen, dies bleibt der Fantasie des Betrachters vorbehalten. Der Kläger trat zunächst die erste Fahrt an. Als tags darauf die Felgen in rot lackiert waren, reichte es dem Kläger und er weigerte seinen Dienst mit den Worten: "Mit so einem Puffauto fahre ich nicht".  

Arbeitgeber hat das Recht der freien Gestaltung

Grundsätzlich hat der Arbeitgeber das Recht, seine Firmenfahrzeuge so zu gestalten, wie er das möchte, solange er damit nicht gegen geltende Rechte verstößt. Ein Arbeitnehmer hat dies zu akzeptieren und ihm kann im Falle der Arbeitsverweigerung fristgerecht gekündigt werden. 

Mangelnde Sensibilität des Arbeitgebers?

Die Fragen die sich hier anschließen, sind meiner Ansicht nach folgende:

  • Wäre in Anbetracht der langen Betriebszugehörigkeit eine gütige Einigung, z. B. ein anderes Fahrzeug oder ein Wechsel der Tour nicht sinnvoller gewesen, da dieses Fahrzeug ja in Köln eingesetzt werden sollte?
  • Hätte man das Erscheinungsbild entschärfen können, indem man auf die roten Felgen verzichtet hätte?
  • Muss ein Arbeitnehmer wirklich jeden Blödsinn seines Arbeitgebers akzeptieren?
  • Muss man dem Sexismus wirklich mit solch billiger Werbung Vorschub leisten?

Witzig geht auch anders und bleibt genau so im Gedächtnis. Ich erinnere mich an ein Sanitär Unternehmen, dessen Fahrzeugtüren so bemahlt sind, dass der Eindruck erweckt wird, der Fahrer säße auf dem Lokus. Vielleicht hat der Arbeitnehmer hier etwas überzogen reagiert. Ihn aber direkt zu kündigen, zeugt meiner Meinung nach von wenig Souveränität des Arbeitgebers.

Fotorechte: Fa. Kaffeegenuss Bovelett PR #Marketing