Bei Zalando gibt man sich überrascht, dass man jetzt verklagt wird. Dabei hat das Unternehmen doch sogar in seinem Blog transparent versucht, alle Umstände aufzuklären. Wirklich? Denn das Unternehmen steht am Pranger. Zalando soll viele Artikel mit dem Vermerk "3 Artikel verfügbar" versehen haben, obwohl deutlich mehr auf Lager waren. Ziel war es, Kunden schneller zum Kauf zu drängen. Denn die vermeintlichen Schnäppchen könnten rasch vergriffen sein.

Aus 10 Artikel mach 3

Bei Zalando spricht man von möglichen Missverständnissen. Man habe seit Ende August die Anzeigen der verfügbaren Artikel "konkretisiert", lässt die Pressestelle verkünden. Nun stehe der Vermerk "mehr als 3 Artikel verfügbar". So ganz missverständlich war es dann aber doch nicht. Bereits vor Wochen hat der NDR (Norddeutscher Rundfunk) recherchiert, dass zahlreiche Angaben bei diversen Artikeln schlichtweg falsch waren. Die Journalisten haben Artikel, die vermeintlich nur 3 mal verfügbar waren, einfach bis zu zehn mal bestellt. Und es war möglich. Der NDR lieferte den Beweis, dass viele Artikel in höherer Menge vorhanden waren, als von Zalando angegeben. 

Unterlassungsklage am Landgericht

Die Pressestelle erklärt in einem Statement weiter, dass man nun sehr überrascht sei, dass die "Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs" Klage eingereicht hat. Denn Zalando habe doch Bereitschaft gezeigt, sich offen zu diesem Thema auszutauschen. Schnell schiebt das Unternehmen noch hinterher, dass die Wettbewerbszentrale ja keine Behörde ist, sondern ein Verband. Man könnte es aber auch anders deuten: Wie schlimm muss es bei Zalando zugehen, dass sogar die eigenen Interessenverbände Maßnahmen ergreifen müssen? Der Verband hat Unterlassungsklage am Landgericht Berlin eingereicht.

Weitere Missstände schon 2014 entdeckt

Zalando ist erst im vergangenen Jahr in die Schlagzeilen geraten. Damals hat die RTL-Reporterin Caro Lobig undercover beim Onlineshop gearbeitet. Dabei hat sie Missstände im Umgang mit Mitarbeitern recherchiert und heimlich gefilmt. Die Journalistin vom Magazin "Extra" bekam nach Ausstrahlung des Beitrages enormes Presseecho - und von Zalando eine Strafanzeige. Bei der Staatsanwaltschaft Erfurt hat der Onlineshop der RTL-Redakteurin Verrat von Geschäfts- und Betriebsgeheimnissen vorgeworfen. Die Ermittlungsbehörden teilten die Ansicht von Zalando nicht und haben die verdeckte Recherche von Caro Lobig als nicht strafbar bewertet. Man darf gespannt sein, wie im aktuellen Fall geurteilt wird. #Mode #Finanzen #Internet