Wer hätte das mal gedacht: Das älteste Gewerbe der Welt ist im Wandel. Vorbei die Zeiten, wo man sich in einschlägige Etablissement schleicht und darauf wartet, dass ihm die leicht bekleideten Damen den Wunsch von den Augen ablesen. Da sich ein legales Bordell meist nur über Getränke und Extras finanziert, war der Gast nicht selten schnell mehr Geld los, als ihm lieb war. Inzwischen sind Privat-Models mehr und mehr auf dem Vormarsch. Genaue Zahlen gibt es nicht, aber Portale wie "kaufmich.com" boomen. Hier verkaufen Frauen (und Männer) privat nicht nur Liebesdienste.

Ein Po wie Iggy Azalea

Mina* (*Nutzer- und Privatname geändert) ist seit zwei Jahren auf "kaufmich" angemeldet. Sie hat vorigen Herbst Rechtsanwalts- und Notargehilfin ausgelernt und verdient ordentlich in einer Kanzlei in Berlin. Sie wohnt in einer Zwei-Zimmerwohnung im Ostberliner Bezirk Köpenick. Die 23-Jährige liebt Iggy Azalea und ihr Wohnzimmer ist behangen mit einer riesigen Leinwand der amerikanischen Hip Hop-Queen, deren Markenzeichen bei Auftritten der Hintern ist. "Meiner ist auch knackig", sagt Mina und lacht. "Zumindest meine Kunden finden das. Willste 'ne Coke light?" Leicht nimmt sie auch diese ganze Sex-Sache im #Internet. Warum macht das diese junge und schöne Frau, die mit beiden Beinen im Leben steht?

90 Prozent der Männer sind für Mina ungeeignet

"Es erfüllt mir gleich drei Wünsche auf einmal: Ich lerne neue Leute kennen, habe meine Intimitäten und kann mir von dem Geld auch mal ein Stück Luxus im Leben gönnen." Mina lebt nicht über ihre Verhältnisse, damit sie nicht abhängig von dem Zubrot wird. "Mal ein Urlaub, ein schönes Kleid oder zuletzt die neue Waschmaschine." Sie lebt allein. "Da hat man auch Bedürfnisse, körperlich jetzt, verstehst du." Mir klingt das zu einfach. "Der Vorteil auf diesem Portal ist, dass ich bestimmen kann, auf wen und was ich mich einlasse." Mina löscht 90 Prozent aller Anfragen. Denn sie sucht als Vorspiel einen Mann für Unternehmungen. "Letzte Woche war ich mit einen im Kino, davor mit einem anderen tanzen." Mina sei doch nicht nur einfach 'ne Nummer für eine halbe Stunde.

Freundschaft, Party und Zärtlichkeit für eine Nacht

Dabei nimmt sie auch keine "Overnight"-Preise von 1.000 Euro und mehr. "100 bis 150 Euro für einen schönen Abend und den Spaß danach, ohne auf die Uhr zu schauen - das bekommst du in keinem Bordell." Die strengen Auswahlkriterien aber auch nicht. Mit Mina könne man viel Spaß haben. Sie macht Iggy an und tanzt. "Siehste, find' mal so eine." Mina versucht mich zu überzeugen, dass sie Freundschaft, Party und Zärtlichkeiten auf Zeit verkauft. "Es ist nicht das was alle Männer suchen, aber einige." Letztens traf sie einen 30-jährigen Unternehmer, der einfach keine Zeit so findet, mal zu daten." Was Mina nur kleinlaut zugibt: Die Portale, wo sie ihre Dienste anbietet, bewerben eine einschlägige Richtung - Sex mit Hobbyh***n.

Alle guten Dinge sind vier Mal und vielleicht mehr...

"Aber es gibt genügend Frauen, die auch Gefühle und Erlebnisse verkaufen." Sex mache nur ein Teil aus. Das merke man auch an ihrem kleinen Preis. Ihre Freundin verkaufe Tantra-Massagen ohne Verkehr - 20 die Woche. Am Anfang hatte ich den Eindruck, dass Mina nur nicht sagen will, dass sie Sex für Geld verkauft. Mina biete Kino- und Clubbesuche, das Abendesse oder den Kurzurlaub ins Wellnesshotel in ihrem "Paket" an. Wenn es ihr beim Treffen unangenehm wird, blockt sie ab. Das ist vorher unmissverständlich vereinbart. Bisher sei es aber noch nie passiert. Zum Ende glaube ich, dass Mina intensiv einen Partner sucht, nur eben über ein Sexportal. Dann wird sie nachdenklich. "Mmh, klar, das wäre schon schön." Ihren heutigen Kunden trifft Mina bereits zum vierten Mal. "Wir gehen vor der gemeinsamen Nacht in ein Konzert." Ihre Augen leuchten.

Foto: Maja Kowalczyk / www.jugendfotos.de, CC-Lizenz(by-nd)

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