Seit Sommer 2015 arbeite ich mit einem privaten #Plagiatejäger an einer Recherche über #Doktortitel, die möglicherweise wirklich koscher sind. Der ältere Herr, ein pensionierter Pädagoge, ist mir dabei eine große Hilfe - doch er erschüttert auch mein Weltbild. Zuletzt im Fall des Prof. Dr. Thorsten Hofmann aus Berlin. Zwei Fragen untersuchen wir. Erstens wollen wir herausfinden, ob das mit Herrn von Guttenberg in die Welt gekommene "Doktor-Problem" ein reines Plagiatsproblem ist. Zweitens möchten wir wissen, ob es eine deutsche Anomalie ist oder ob sich hier in den USA das Thema auch so virulent zeigt.

Plagiate sind nicht das Hauptproblem

Wir sind noch lange nicht am Ende unserer Recherchen, aber zwei Tendenzen zeichnen sich bereits heute ab. Da wäre die Erkenntnis, dass offenbar #Plagiate im engeren Sinne gar nicht das Hauptproblem sind. Sicher quillt das Vroniplag über mit unsauber zitierenden Doktoren, doch handelt es sich in sehr vielen Fällen um offensichtliche Faulheit im einleitenden Teil der #Dissertationen. Die Untersuchungssegmente der Arbeiten sind meist relativ in Ordnung. Ist eine Doktorarbeit dann wirklich wertlos? Viel dramatischer stellen sich Doktorarbeiten dar, die im Grunde gar keine sind. Diese rutschen beim Vroniplag oft durch, weil bei ihnen Abschreibereien nicht das Problem sind. Vielmehr sind sie das Papier nicht wert, auf dem sie stehen. Hier geht es um Prüfungskommissionen, die Dissertationen durchwinken, die derart abenteuerlich sind, dass man glaubt, man sei in der Sendung "Versteckte Kamera".

Immer wieder schillernde Länder

In Deutschland tummeln sich viele Doktoren und Professoren, die sich ihre Titel nicht mühsam erarbeitet haben. Entweder sie haben schlicht hauchdünnen Content als Dissertation abgegeben, der unter seriösen Umständen nicht einmal als Bachelor-Arbeit durchgehen würde; Seilschaften machen es in diesem Fall möglich, dass trotzdem ein Doktor daraus wird. Oder aber die begehrten Titel werden aus dem Ausland beschafft. Der Fall des Prof. Dr. #Thorsten Hofmann von der #Quadriga-Hochschule ist für zuletzt genannte Variante ein Beispiel. Seinen Doktor hat der gute Mann in Bratislava erworben, laut Süddeutscher Zeitung ein wahres Mekka deutscher Doktortitelwünscher. Seinen Professortitel leitet er aus einer Gastprofessur im schönen Mexiko ab. Trotz allem firmiert #Thorsten Hofmann aus Berlin an der Quadriga-Hochschule als "Prof. Dr. Thorsten Hofmann". Stand vergangene Woche ohne jeden Zusatz oder Hinweis, woher er diese schmucken #Titel hat. Ob das Ganze legal ist, ermittelt gerade die Berliner Senatsbehörde.

Frau Doktor schreibt ein Buch

Richtig skurril wird es, wenn Frau Doktor eine Dissertation durchgewunken bekommen hat, in der so ziemlich alles windschief ist, was nur irgendwie schiefgehen kann - und wenn die selbe Frau dann später ein Buch schreibt, das einen Qualitätssprung in Logik und Sprache um gefühlte tausend Prozent aufweist. War Madame nur unendlich faul bei ihrer Dissertation? Hat sie ihren Namen für das Buch eines anderen hergegeben? Oder hat die Muse sie zwischenzeitlich geküsst und aus der Peinlichdoktorandin wurde eine große Literatin? Der Plagiatsjäger und die Nachrichtenagentur, für die ich arbeite - wir sind an der Story dran.

Gibt es auch in den USA ein Plagiatsproblem?

In den USA ist die Sachlage anders als in Deutschland. Hier wird weniger erwartet, dass jemand promoviert. Ärzte zum Beispiel sind von Berufswegen ein "Medical Doctor". Eine akademische Leistung wird dafür nicht erwartet, es ist ein Berufsabschluss. Aber auch sonst ist der Anreiz in den USA geringer als in Deutschland, sich zum Doktor zu mogeln. Man hält es hier mit den Titeln einfach anders, in einem Land in dem das "Hamburger Sie" per Sprachtradition der Standard auch im Geschäftsleben ist. So scheint die Doktorjägerei ein eher deutsches Spezifikum zu sein, wobei Österreich und die Schweiz bei unseren Recherchen auch hell aufleuchten. Wir werden weiter berichten. Bleiben Sie uns treu, es wird noch spannend.