Der Fall Thorsten Hofmann von der Quadriga-Hochschule wird noch merkwürdiger. Nachdem infolge von exklusiven Blasting.News Berichten die Hochschule den aus einer Gastprofessur in Guadalajara (Mexiko) abgeleiteten Professorentitel in einer Nachtundnebelaktion von der Seite der Berliner Privathochschule tilgen ließ - offenbar ohne die Existenz von externen Webcaches zu bedenken - dauern die Ermittlungen des zuständigen Berliner Senats für Wissenschaft augenscheinlich weiter an. Ob aus "Prof. Dr. #Thorsten Hofmann", der jetzt zu "Dr. Hofmann" degradiert wurde, bald nur noch "Herr Hofmann" wird, liegt einzig daran, wie am Ende die Berliner Senatsverwaltung entscheidet.

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Denn nicht nur die Professur war aus fremden Gefilden, der Doktortitel stammt aus der Slowakei und die Dissertation ist nicht auffindbar.

Tollhaus Quadriga-Hochschule?

Es grenzt schon an ein Stück aus dem Tollhaus, dass die #Quadriga-Hochschule jetzt Krisenkommunikation für jenen Mann betreiben muss, der genau dies als "Prof. Dr." dort zahlenden Studenten lehrt. Die Hochschule war Tage vor der Veröffentlichung der Fakten vorgewarnt und hätte jede Chance gehabt, die Sache unauffällig auszuräumen. Stattdessen stellte man sich taub, war überrascht von der Ernsthaftigkeit der CNA-NY und Blasting.News Recherchen, die man offenbar als Nebensächlichkeit ignoriert oder als Manöver irgendwelcher Wettbewerber im privaten Hochschulmarkt fehlinterpretiert hatte. Die Quadriga-Hochschule tat Herrn Hofmann in der Folge die schlimmste Peinlichkeit schlechthin an: ein unterirdisch schlechtes Krisenmanagement im Fachgebiet des Krisenexperten selbst.

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Hilfloser geht es kaum, der Mann kann einem fast leid tun.

Hofmann und die Atomwirtschaft?

Dabei ist die Quadriga-Hochschule kein unbeschriebenes Blatt und Thorsten Hofmann schon gar nicht. Denn dieser ist laut Spiegel (27/2010) als Lobbyist für die Atomindustrie auffällig geworden: "Er ist geschäftsführender Gesellschafter einer Agentur für Krisenkommunikation namens PRGS in #Berlin. Das Unternehmen erstellte für den Energieriesen E.on ein Papier mit dem harmlos klingenden Titel Kommunikationskonzept Kernenergie. Tatsächlich liest es sich wie ein Brevier für die Manipulation der öffentlichen Meinung. (...) Auf 109 Seiten listet Hofmanns PRGS allerlei Tricks auf, wie man die Stimmung in der Bevölkerung so drehen kann, dass eine Verlängerung der Laufzeit für Atomkraftwerke mehrheitsfähig wird. Das Arsenal reicht von geeigneten Studien und Umfragen bis zu 'Grassroots"-Aktivitäten wie Unterschriften- und Call-Center-Aktionen".

Was ist da los?

Der Zwischenstand der Recherchen ist also jener, dass der Berliner Senat hinsichtlich des rechtmäßigen Führens der akademischen Titel des Leiters Krisen-PR an der Quadriga-Hochschule ermittelt.

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Die Hochschule selbst nahm jede Vorwarnung nicht ernst und reagierte dann ausgerechnet im Bereich "Krise" völlig falsch. Die Quadriga-Hochschule kann ihre Webseiten vom mexikanischen Professortitel des Herrn Hofmann reinigen so lange sie will - auf Servern im Ausland liegen, wie von fast allen Webseiten dieser Welt - automatisierte Kopien der History. Vertuschen? Zwecklos! Und als wäre das nicht genug, war Hofmann wohl auch noch ein Atom-Lobbyist.

Wie kann das sein?

Völlig egal, wie die Kernenergie-Affäre damals geregelt wurde. Wie kann es sein, dass jemand, der bereits einen erheblichen und schlecht gehandhabten Atom-PR-Schaden in eigener Sache hatte, mit einer mexikanischen Gastprofessur und einem Doktortitel aus einer noch weiter zu klärenden Quelle in der Slowakei zum Leiter des "Institute for Crisis, Change and Conflict Communication" an einer deutschen Hochschule wird? Das alles ist eigentlich nicht mehr erklärbar. Es wird interessant sein, ob sich Studenten der privaten Hochschule jetzt hinter die Fichte geführt fühlen. Zu verübeln wäre es ihnen nicht. Balsting.News bleibt dran.