Es ist einmalig, was bei der früheren deutschen Staatsairline ##Lufthansa derzeit geschieht. Wäre Lufthansa ein Staat, würde man es wohl als Bürgerkrieg bezeichnen müssen, was passiert. Da streiken die Piloten zum x-ten mal, um Unsummen an Gehaltserhöhung zu erkämpfen - und gleichzeitig werden sie auf ihrer Demo vor die Lufthansa-Zentrale in Frankfurt vom Bodenpersonal so ausgebuht, dass man erwarten könnte, gleich werden die Kapitäne geteert und gefedert.

Die Airline lebt von der Legende

Es ist traurig, was dort passiert, denn kaum ein Deutscher hat keinen leicht sentimentalen Bezug zur Airline mit dem Kranich am Leitwerk.

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Doch Lufthansa ist schon seit bald zwanzig Jahren ein vollprivatisiertes Unternehmen. Alleine der geschickten PR des inzwischen riesigen Konzerns mit Tochterunternehmen wie u.a. Austrian Airlines, Swiss, Germanwings, #Eurowings und Brussels Airline ist es zu verdanken, dass sich die Legende der perfekten deutschen Staatsairline gehalten hat. Daran konnten auch kleinere Unfälle und der Amokflug eines wohl geisteskranken Piloten nichts ändern.

Die PR-Maschine fliegt beschwingt

Das hat auch damit zu tun, dass die Lufthansa eine Presseabteilung hat, die richtig gut ist. So geht es zu einem guten Stück auf deren Berieselungsfähigkeiten zurück, dass die deutsche Presse den direkten Wettbewerber ##Air Berlin nach wie vor als "Billigflieger" und "fast bankrott" bezeichnet, obwohl Air Berlin zusammen mit #Alitalia längst eine veritable Linienfluggesellschaft im Verbund des #Etihad Konzerns ist.

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Und dass auch Lufthansa selbst mehrfach finanziell ins Straucheln kam, ja einmal sogar kurz vor der Pleite stand, geht völlig vergessen.

Die Sicherheit ist längst chinesisch

Auch eine andere Schmach für die deutsche Seele überspielt die Airline mit der deutschen Flagge am Rumpf und den hauseigenen Meistermanipulatoren: Die wichtigsten und größten Wartungsarbeiten an ihren Flugzeugen, den so genannten "D-Check", lässt Lufthansa schon seit Jahren nicht mehr in Deutschland machen, sondern in Xiamen (China). Ein Kollege, der darüber berichten wollte, wurde 2015 von seiner Redaktion unsanft zurückgepfiffen. Kurz danach schaltete der Lufthansa Billigableger Eurowings in genau jenem Blatt massiv Werbung. Ein Zufall? Mag sein. Ich habe allerdings einige dieser Zufälle mitbekommen.

Schrammen am Image

Zuletzt wurde auf YouTube ein rührseliges Filmchen über die Ausflottung der Boeing 737 als Werbung geschaltet. Interessant ist dabei, dass genau dieses Thema eigentlich peinlich für Lufthansa war.

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Nur dank ordentlich Tränendrüsengeschwurbel und einer Extradosis Hollywoodmusik wurde der Blick davon abgelenkt, dass die Lufthansa-Flotte in Teilen uralt ist. Sinnbildlich dafür waren diverse Reparaturflicken und Schrammen am Flugzeug im Werbefilmchen, die nur dank des großzügig eingesetzten Werbeschmalzes kaschiert wurden.

Altflugzeuge sind Gelddrucker

Auch deshalb ist die schon seit Ewigkeiten angekündigte "Flottenerneuerung" bei Lufthansa kein Ruhmesblatt und auch kein Zeichen deutscher Innovationsverliebtheit. Als Reisende werden wir sogar einige der alten und finanziell abgeschriebenen Flugzeuge von innen wiedersehen, unter anderem bei der LH-Billigtochter Eurowings. Denn abgeschriebene Flieger sind - ebenso wie alte Atomkraftwerke - wahre Gelddruckmaschinen. So ein Flugzeug ist irrsinnig teuer. Ist es aber erst einmal abbezahlt und ein Fall für das Technikmuseum, fängt es an, richtig dicke Gewinne abzuwerfen. Man versucht also, die Flieger so lange es nur geht im Einsatz zu halten. Im Zweifel eben bei einer Billigtochter wie der Eurowings. Wenn man dann noch günstige Piloten aus dem Ausland ins Cockpit setzt, klingelt die Kasse umso lauter.

Mehr Schein als Sein?

Der ganze Lufthansa-Konzern lebt also im Grunde noch von einem Ruf, der in den 1970ern und 80ern hart erarbeitet wurde und von einer - das muss man neidlos anerkennen - sehr effektiven Propagandaabteilung. Ansonsten sind dort viele Kratzer und jede Menge China unter dem weiß scheinenden Lack.