In der Affäre um #Gerald Hensel, jenen linkslastigen Ex-Chefstrategen der Werbeagentur Scholz & Friends, der einen Kauft-nicht-bei-Konservativen Boykott ausgerollt hatte (hier geht es zum Bericht), geht den Hamburger Werbeprofis das Gesäß offenbar auf Grundeis. Jetzt kommt der Gesamtverband Kommunikationsagenturen (GWA) herbeigerannt, um Scholz & Friends beizuspringen. GWA-Präsident Faecks schreibt: "Wir verurteilen schärfstens, dass eine Agentur für eine Aktion in Sippenhaft genommen wird, die nach übereinstimmenden Aussagen von einem ihrer Mitarbeiter privat und somit losgelöst von der Agentur initiiert wurde". Sippenhaft, ein interessantes Substantiv zum Schutz einer Werbefirma, deren Geschäft die Kommunikation ist und welche genau in dieser Disziplin krachend versagt hat.

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Dass die linksradikal anmutende Aktion des Scholz & Friends Ex-"Executive Strategy Director Digital" unsäglich war, ist inzwischen hinlänglich bekannt. Dass aber Scholz & Friends einen solchen Politaktivisten, der auf seiner Homepage* einen roten Sowjetstern prangen hat und zu Boykotten aufruft, als leitenden Strategen beschäftigt hat - das wirft doch Fragen auf. Zum Beispiel jene, ob die Personalabteilung von Scholz & Friends weiß, was sie da eigentlich so tut? Oder ob die Leiter der Agentur selbst verkappte Linksradikale sind? Oder ob man sich als Kunde auf die Mitarbeiter der Werbeagentur überhaupt verlassen kann?

Mit Vollgas gegen die Wand!

Es soll keinem aufgefallen sein, wes Geistes Kind Herr Hensel ist? Der Mann hätte berufsbedingt wissen müssen, was er tut. Wäre Hensels Exkurs in den Linksradikalismus einem Müllmann passiert - geschenkt.

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Aber einem Executive Strategy Director Digital? Dieser Mann hat seinen Arbeitgeber mit Karacho gegen die Wand gefahren, dann schwungvoll zurückgesetzt - um mit noch mehr Anlauf den Ruf der Agentur mit Vollgas in den Abgrund zu stürzen. Denn Hensel fiel nichts Besseres als eine Verschwörung ein: "Ich wurde geframed. Und mein Arbeitgeber auch. Warum? Damit diese Leute mehr Abos verkaufen. Und die manipulierte Digitalmeute frisst das ungefragt".

Hallo WPP?

Spannend wird es, seit klar ist, dass auch das Scholz & Friends Management mit einer Krise nicht umgehen kann. Hensel sei eben ein "Querdenker“ und seine Aktion "unnötig provozierend", hieß es von dort. Dann folgte eine angeblich freiwillige Kündigung. Jetzt das Lamento des Gesamtverbandes Kommunikationsagenturen, weil die Werber offenbar keine blassen Schimmer zu haben scheinen, wie sie aus diesem Schlamassel wieder rauskommen sollen. Die interessante Frage wird jetzt aber eine andere sein: was sagt #WPP dazu? Denn Scholz & Friends ist schon lange keine nette kleine Hamburger Agentur mehr.

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Der Laden gehört dem gigantisch großen britischen Werbekonzern WPP. Dieser nennt so ziemlich die halbe Werbebranche weltweit ihr Eigen. Scholz & Friends gehört zur riesigen WPP-Sammlung und bedient im deutschen Markt nach Eigenangabe** unter anderem die Deutsche Bahn, Opel, Siemens, Tchibo, TUI, Unilever, Vodafone, die Bundesregierung und das Europäische Parlament.

Warum so weinerlich?

Offenbar hat keiner Scholz & Friends verraten, dass es keine besonders schlaue Idee ist, wenn jetzt Herr Faecks öffentlich lamentiert, "Scholz & Friends wird aktuell massiv unsachlich angegriffen". Das einzige, das im Fall Hensel unsachlich erscheint, ist sein linksradikaler Ausflug, seine eigene Uneinsichtigkeit, ein völlig verkorkstes Krisenmanagement seiner Agentur und die Einlassungen von Herrn Faecks. Es wird spannend sein, ob, wann und - wenn ja - wie der konservative Mutterkonzern WPP in diese Affäre eingreift. Um einzugreifen wäre jetzt allerhöchste Zeit.

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*Webarchiv der inzwischen abgeschalteten Seite des Gerald Hensel:

https://web.archive.org/web/20161210070211/http://www.davaidavai.com

**Webseite von Scholz & Friends bei WPP

https://web.archive.org/web/20161218233200/http://www.wpp.com/wpp/companies/scholz-friends/ #Scholz & Friends