Ein normaler Montagmorgen, Wochenbeginn.

Gleichbedeutend mit Beginn einer neuen Studienwoche.

Max sitzt in seinem dunklen Zimmer, 12 qm, eine knappe halbe Stunde Fahrt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln von der Hochschule entfernt.

Max, 23 Jahre alt und Student der "Allgemeinen Betriebswirtschaftslehre", eigentlich ein kühner Genosse, mit einer Leidenschaft für Zahlen und das Kalkulieren derer, blickt einmal mehr in seinen Geldbeutel. "Gähnende Leere" beschreibt dessen Zustand gar noch freundlich!

Den Blick auf seinen Kontostand hat Max schon länger erst gar nicht mehr getätigt.

Dieses böse "-" vor dem höheren, dreistelligen Betrag hinterlässt beim Anblick stets ein mulmiges Gefühl in Max' Magengrube.

Max könnte wohl auch Timo oder Bernd heißen, weiblich sein und auf die wundervollen Namen Ann-Christin oder Lena hören, es gibt diese Kommilitonen an jeder Universität oder Hochschule, in Bochum, wie in Leipzig. Sie sind unter uns, unauffällig, manchmal erst gar nicht zu erblicken.

Max jedenfalls wird heute, Montag, Monatsende nicht in seinen Kursen erscheinen.

Nicht aus Desinteresse, Faulheit oder weil er tagszuvor zu heftig gefeiert hätte - seine finanzielle Lage lässt das Wochenticket nicht mehr zu!

Schlechtes Gewissen, Ohnmachtsgefühl,Verzweiflung...

Max erhält kein BaFöG, seine Eltern sollen zu viel verdienen!

Warum "sollen"!? Für das "Amt für Ausbildungsförderung" seines Studienorts liegt der Fall doch klar:

Trotz dreier Geschwister, die Eltern geschieden und Mutter arbeitsunfähig aufgrund eines Halswirbel-Leidens geht er leer aus, da er zuhause wohnen kann und der Vater mit seinem mittleren Gehalt obgleich weiterer Unterhaltsverpflichtungen nach Ansicht des Amts "zu viel" verdienen soll.

Wessen Eltern nahe der Armutsgrenze leben, der erhält natürlich zurecht die staatliche Förderung nach dem "Berufsausbildungsförderungsgesetz", kurz "BaFöG". Diejenigen, deren Eltern selbstständig sind und mit allen Wassern gewaschen, ebenso! Da gehört der luxuriöse Privat-PKW plötzlich zum Firmeninventar und, und, und.

Alle anderen gehen leer aus, wenngleich sie die Förderung eigentlich genauso gut bräuchten, da die Eltern sie effektiv nicht unterstützen können!

Selbstverständlich leben wir in einer "Neid"-Gesellschaft, aber ein wenig gerechter dürfte es in eben jener schon zugehen.

Kosten für die tägliche Zugfahrt, Bücher und Kopierkarten, Ordner und Stifte, Kleidung und Friseurbesuche muss Max alleine aufbringen. Dafür arbeitet er nebenher, 15 Stunden, jede Woche. Mehr geht nicht, denn das Studium bedeutet seinen "eigentlichen" Job.

Für "Vergnügen" oder das aufregende "Studentenleben", welches er nur aus den Erzählungen der glücklicheren Kommilitonen kennt, bleibt da kaum mehr etwas.

Die Politik möchte das Märchen vom "Studium für jedermann" nur zu gerne aufrechterhalten, die Wahrheit bleibt jedoch, dass dieses immer noch stark sozial selektiv ist und die Akademikerkinder meist unter sich bleiben, wie 2012 eine, von der Vodafone Stiftung Deutschland in Auftrag gegebene Studie mit dem Titel "Aufstiegsangst? Eine Studie zur sozialen Ungleichheit beim Hochschulzugang im historischen Zeitverlauf" bestätigte.

Max ist immerhin nicht auf den Kopf gefallen, solides Abitur mit einer Zwei vor dem Komma und somit zu einem Studium in gleichem Maße befähigt, wie Paul, der Anwaltssohn aus dem Nachbarshaus.

Und da er weiterhin das Maximum für sich und seine Zukunft herausholen möchte, wird er weiterkämpfen. Für sich, gegen alle Widrigkeiten, um seiner Qualifikation gerecht zu werden... #Schule