Für Arendt ist Handeln die höchste der menschlichen Tätigkeiten, die einzige, bei der kein Gegenstand zwischen Menschen vermittelt. Handeln ist immer zweckfreies Handeln, es besitzt keinen dritten, von den Menschen in der Interaktion unabhängigen Zweck. Somit sind handelnde Menschen frei (vgl. ARENDT 1960, S. 14). Durch die Geburt ist allen Menschen der Antrieb, mit anderen Menschen in Interaktion zu treten, gegeben. Menschen sind im Plural erschaffene Wesen (vgl. ebd., S. 15), was die Grundbedingung des Handelns darstellt (Handeln in Isolation ist also nicht möglich). Denn die Vielheit der Menschen, in der zwar keiner dem anderen gleicht, aber doch alle dasselbe sind (vgl. ebd.) macht Verständigung erst möglich (vgl. ebd., S. 164). Die Einzigartigkeit des Einzelnen wird im Handeln und damit auch im Sprechen zum Ausdruck gebracht, der Mensch offenbart sich sozusagen in der Interaktion mit anderen Menschen und teilt sich in seiner Einzigartigkeit mit (vgl. ebd., S. 169). Deshalb muss Politik immer im Bereich des Handelns vorzufinden sein, denn Pluralität ist die hinreichende Bedingung für Politik (vgl. ebd., S. 15).

Wäre Soziale Arbeit also im Handeln anzusiedeln, so müssten ihre Tätigkeiten direkte, ohne gegenständliche Vermittlung initiierte Interaktionen zwischen Menschen sein, die keine dritten Zwecke verfolgen. Hierfür lassen sich einige Beispiele aus der Sozialen Arbeit finden. Jugendliche im Jugendhaus kommen zusammen um zu reden, sich auszutauschen und "abzuhängen", dabei geht es vor allem um Kommunikation und um gemeinsames "Chillen". Meinungen werden gebildet und es wird gestritten, dadurch findet sowohl Identitätsbildung als auch politische Bildung statt. Mit Hilfe von Arendt könnte Soziale Arbeit damit legitimieren, dass das, was sie in der Offenen Jugendarbeit tut, nicht nur ein 'nichts tun', sondern Handeln ist. In Jugendräten werden Probleme und Verbesserungsmöglichkeiten des Stadtteils diskutiert, hier findet Handeln in Arendts Sinne statt, denn die die dort existierenden Zwecke betreffen alle an der Interaktion beteiligten Personen gleichermaßen und werden in gegenseitiger Diskussion angegangen. Gemeinwesenarbeit kann damit zum Tätigkeitsbereich des Handelns gezählt werden, denn sie schafft Strukturen und erschließt Ressourcen durch Interaktion mit Menschen und Beziehungsarbeit. Ein dritter Zweck ist nicht erkennbar, denn alle an der Aktion beteiligten Personen (auch Sozialarbeiter) arbeiten aus denselben Gründen auf dasselbe Ziel hin, ohne die Vermittlung durch Materie. Außerdem werden Klienten als Experten ihrer Selbst betrachtet, was eine Gleichstellung in der Kommunikation und Aushandlungsprozesse ermöglicht. Allerdings gerät auch diese Tätigkeit an ihre Grenzen in Hinblick auf Soziale Arbeit: Oft finden Interaktionen zwischen Menschen vor allem über die Vermittlung von Gegenständen statt, z.B. kommen Jugendliche vor allem über das gemeinsame Tischkicker-Spielen ins Gespräch. Auch die vermehrte Mediennutzung von Facebook und Handy lassen Probleme des Handelns erkennen, denn viele Interaktionen finden nicht mehr "face-to-face" statt, sondern werden mit Hilfe eines Gegenstandes vermittelt. Nach Arendt ist dies dann nicht eindeutig als Handeln zu zählen.

Damit befindet man sich wieder in einer Grauzone, wie zuvor beim Herstellen bei der Frage nach Beratung. Beim Herstellen tauchte das Problem der nicht eingesetzten Mittel auf, untersucht man Beratung nun auf das Handeln, ergibt sich das Problem des Zweckes: Verfolgen alle an der Beratung beteiligten Personen dieselben Zwecke oder unterscheiden sich diese? Existiert also vielleicht beim Sozialarbeiter oder beim Ratsuchenden ein dritter Zweck, der dem jeweils anderen nicht bekannt ist? Dann wäre Beraten auch kein Handeln. Die Devise, dass Sozialarbeiter für Jugendliche z.B. anwaltschaftlich handeln sollen, vertritt außerdem ein Handeln für jemanden, was nach Arendt nicht zum Handeln zählt, denn Handeln ist nur Handeln miteinander und nicht für- oder gegeneinander (vgl. 1960, S. 169).

Auch beim Handeln sind also Aufgabenbereiche Sozialer Arbeit zu finden, die für eine Zuordnung Sozialer Arbeit zu dieser Tätigkeit sprechen, allerdings gibt es auch Bereiche, die eine Zuordnung nach der strikten Einteilung Arendts sehr schwierig machen.