Bereits diese anfänglichen Überlegungen machen deutlich, dass Soziale Arbeit weder den Bürgern noch der eigenen Profession gegenüber eine klare Position besitzt. Daher kann eine Diskussion um die Zuordnung Sozialer Arbeit zu einer der drei Grundtätigkeiten das Profil der Sozialen Arbeit zu schärfen versuchen, um die Handlungsweisen der Sozialen Arbeit nach innen und nach außen zu legitimieren und den Standpunkt transparenter und deutlicher zu bestimmen.

Die Frage der Standortbestimmung Sozialer Arbeit soll, wie die Fragestellung dieser Arbeit bereits verrät, mit Hilfe von Arendt beantwortet werden, da ihre Gedanken einen neuen Blick auf die heutige Gesellschaft werfen. Sie legt den Schwerpunkt ihrer Schrift auf das Handeln und bewertet es höher als das Arbeiten und Herstellen. Dadurch ermöglicht sie einen neuen Blick auf Produktivität und Leistung, der nicht von Wirtschaftlichkeit abhängig ist.

Im Folgenden werden nun die drei menschlichen Grundtätigkeiten nach Hannah Arendt detaillierter dargestellt. Dabei wird geprüft, was dafür bzw. dagegen spricht, Soziale Arbeit der jeweilig diskutierten Tätigkeit zuzuordnen.

Nach Arendt entspricht Arbeiten dem Naturkreislauf, was bedeutet, dass das entstandene Produkt sofort wieder verbraucht, also konsumiert wird. Der Mensch arbeitet, um am Leben zu bleiben, er unterliegt in dieser Tätigkeit den Erfordernissen der Natur und ist daher nicht als frei anzusehen (vgl. 1960, S. 14). Als Prototyp einer Erwerbsarbeit in dieser Grundtätigkeit kann die Landwirtschaft gesehen werden, generell ist aber alles, was nach Fertigstellung auf sofortigen Konsum und somit auf nichts dauerhaft Fassbares ausgelegt ist, der Tätigkeit des Arbeitens zuzuschreiben. Was spricht nun dafür, dass Soziale Arbeit der Tätigkeit des Arbeitens entspricht?

Gerade in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen kann oft beobachtet werden, dass Soziale Arbeit Tätigkeiten des Arbeitens verrichtet: In der Offenen Jugendarbeit, in Kindergärten oder Heimen wird gekocht, teilweise geputzt und abgewaschen, Tätigkeiten, die nur darauf hin ausgelegt sind, etwas Vergängliches zu schaffen.

Allerdings stößt der Tätigkeitsbegriff Arbeiten damit auch schnell an seine Grenzen: Kocht zum Beispiel der Sozialarbeiter im Jugendhaus gemeinsam mit den Jugendlichen, so finden dabei Prozesse der Beziehungsarbeit statt. Hier stellt sich die Frage, worauf der Fokus der Tätigkeit nun liegt: auf dem Endprodukt oder auf dem Prozess? Beim Pflegen von Menschen führt nicht nur ein anders gelegter Fokus, sondern auch ein anderer Blickwinkel zu einer unterschiedlichen Zuordnung der Sozialen Arbeit. Aus Sicht der Pflegekassen wäre Soziale Arbeit wohl dem Arbeiten zuzuordnen, denn Pflege wird hier als etwas Vergängliches gesehen, das immer wieder bei Null anfängt und folglich abgerechnet und mechanisch erledigt werden kann. Soziale Arbeit wehrt sich gegen eine solche Zuordnung der Pflege zur Tätigkeit des Arbeitens, sie sieht diese eher im Bereich des Handelns, da die Interaktion zwischen Menschen betont und gewürdigt werden soll. Es wird also deutlich, dass es bei der Frage der Zuordnung nicht nur um die Frage des Ist-Zustandes, sondern auch um die Frage eines Soll-Zustandes geht, die viele Konsequenzen nach sich zieht. Festzuhalten bleibt, dass wohl einige Aufgaben Sozialer Arbeit der Tätigkeit des Arbeitens zuzuordnen sind, darüber hinaus aber viele Aufgaben und Handlungen existieren, die mit Arendt in dieser Tätigkeit unpassend und undenkbar sind. Daher soll im dritten Teil des Essays die zweite Grundtätigkeit, das Herstellen, untersucht werden.