Im vorliegenden Essay möchte sich die Autorin mit Hilfe des Textes „Vita Activa“ von Hannah Arendt mit der Frage beschäftigen, welcher der drei Grundtätigkeiten des Menschen Soziale Arbeit am treffendsten entspricht. Dazu soll zunächst erläutert werden, warum diese Frage sinnvoll und von Relevanz für Sozialarbeiter und auch für die Gesellschaft im Allgemeinen ist. Dazu werden die drei Tätigkeiten nach Arendt zunächst kurz eingeführt, um dann darzustellen, warum eine Einordnung hilfreich und folgenreich sein kann. Anschließend werden die einzelnen Tätigkeiten detaillierter betrachtet, um mit Hilfe von Beispielen das Für und Wider einer Zuordnung Sozialer Arbeit zu jeder Tätigkeit zu diskutieren. Schließen wird diese Arbeit dann mit einer Antwort auf die Frage nach der passendsten Grundtätigkeit, zu der Soziale Arbeit zu zählen ist.

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird die Autorin dieser Arbeit (im Folgenden Autorin genannt) ausschließlich die männliche Form verwenden, schließt dabei die weibliche Form aber selbstverständlich immer mit ein.

Zunächst soll ein kurzer Überblick über die drei Grundtätigkeiten nach Hannah Arendt gegeben werden, um im Folgenden dann verstehen zu können, warum eine Auseinandersetzung mit der oben genannten Fragestellung sinnvoll und wichtig ist.

Hannah Arendt benennt in ihrem Buch „Vita Activa oder Vom tätigen Leben“ drei Grundtätigkeiten des Menschen, die zusammenfassend darstellen sollen, was Menschen tun, wenn sie tätig sind, nämlich: Arbeiten, Herstellen und Handeln1. Unter Arbeiten versteht Arendt eine Tätigkeit, die unmittelbar zum Lebenserhalt des Menschen beiträgt (vgl. 1960, S. 14), wie z.B. die Verrichtung der Landwirtschaft. Herstellen ist nach Arendt eine Zweck-Mittel-Beziehung, bei welcher der Mensch durch Nutzung eines Gegenstandes eine künstliche Welt der Dinge erschafft, die ihm ein gegenständliches Zuhause bietet (vgl. ebd.). Handeln schließlich, so Arendt, ist die einzige Tätigkeit, die sich „ohne die Vermittlung von Materie, Material und Dingen direkt zwischen Menschen abspielt“ (ebd). Diese Grundtätigkeiten werden im Verlaufe der Arbeit noch ausführlicher dargestellt. Zunächst soll aber geklärt werden, warum es überhaupt wichtig ist, die Frage der Zuordnung Sozialer Arbeit zu beantworten.

Laut Arendt umfassen die drei Grundtätigkeiten jegliche menschliche Tätigkeit (vgl. ebd.) und damit auch alle Arten der Erwerbsarbeit, die diesen Tätigkeiten zugeordnet werden können.

In der heutigen Gesellschaft wird Erwerbsarbeit als sinnstiftend und damit wichtig für Identität und Selbstwert angesehen. Dass heute mit Leistung vor allem Werte wie Wirtschaftlichkeit und Produktivität verbunden sind, lässt darauf schließen, dass vor allem die Tätigkeitsbereiche Arbeiten und Herstellen gesellschaftlich hoch angesehen sind, denn sie bringen etwas Fassbares, ein konsumierbares Produkt hervor. Da Ansehen auch mit materieller Anerkennung verbunden ist, werden 'produktive, wirtschaftliche Jobs' gut bezahlt, etwas Unproduktives wie das Handeln verdient es hingegen scheinbar nicht, mit einem angemessenen Verdienst entlohnt zu werden. Die Zuordnung einer Erwerbsarbeit zu einer der drei Grundtätigkeiten, die meist unbewusst durch geltende Normen und Werte geschieht, hat enorme Auswirkungen, die sich in gesellschaftlicher und finanzieller Anerkennung widerspiegeln. Soziale Arbeit, die auf Grund ihrer, als unwirtschaftlich geltenden Tätigkeit wohl intuitiv dem Bereich des Handelns zuzuordnen wäre, wird daher sowohl gesellschaftlich als auch finanziell im Vergleich zu anderen akademischen Berufen geringer anerkannt und abgewertet. Dennoch ist immer mehr zu beobachten, wie ein wirtschaftlicher Konkurrenzgedanke in sozialen Einrichtungen, wie z.B. Pflegeeinrichtungen, Einzug hält und Soziale Arbeit dadurch eine Tendenz zur Tätigkeit des Herstellens erhält.

1 ARENDT, Hannah (1960): Vita Activa oder Vom tätigen Leben. Kohlhammer Verlag. Stuttgart. S. 14.