Die Feierlichkeiten haben nun offiziell begonnen, denn heute um 11.00 Uhr fiel mit der Festrede des Rektors Heinz W. Engl der Startschuss für das Jubiläumsjahr 2015 an der Universität Wien. Auf den Tag genau vor 650 Jahren, nämlich am 12. März 1365, gründete Rudolph IV. die Universität. Anlass genug für wichtige Repräsentanten aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft, sich der Feierlaune hinzugeben und die Wiener Uni ins beste Licht zu stellen.

Des einen Freud…: Nur das Beste!

Laut der APA-Presseaussendung fanden sich neben Bundespräsident Heinz Fischer und Bürgermeister Michael Häupl auch andere zahlreiche Vertreter aus der österreichischen Prominenz. In mehreren Ansprachen wurde die Bedeutung der Universität hervorgehoben:

Viele Redner konzentrierten sich auf die unbestreitbare Wichtigkeit der Alma Mater Rudolphina in der internationalen Bildungslandschaft oder betonten ihre Aufgabe im Hinblick auf Forschung und Innovation. Reinhold Mitterlehner, seines Zeichens Wissenschafts- und Wirtschaftsminister in einer Person, soll APA zufolge von der Uni Wien als einem "Wissensunternehmen in Österreich" gesprochen haben.

…des anderen Leid. ÖH: Nur das Beste?

Eine Gruppe, die vor einigen Jahren bei der umstrittenen Zusammenlegung dieser beiden Ministerien hierzulande großen Widerstand zeigte, ist auch heute nicht in Party-Stimmung: Die Österreichische HochschülerInnenschaft (ÖH) zweifelt an der Glaubwürdigkeit der Inszenierung des Universitätsgeburtstages.

Eine der Vorsitzenden der ÖH Uni Wien, Camila Garfias, betonte laut APA die Fortschrittsgeschichte der Uni, die aber immer noch im Gegensatz zu deren vermeintlichen Erfolgsgeschichte stehe. Denn den Studierenden-Vertretenden stoßen vor allem die herrschenden Studienbedingungen sauer auf: Seit 2000 sei die Mitbestimmung der Studierenden Schritt für Schritt abgebaut worden. Außerdem soll die derzeitige Situation unter anderem durch verschulte Studienpläne, fragwürdige Voraussetzungsketten und wenig Wahlfreiheit im Studium bestimmt sein.

"open since 1365" - eine Botschaft, die so nicht stimmt.

Was die ÖH vor allem kritisiert, ist die fehlende Bereitschaft seitens der Universität, sich mit ihrer Vergangenheit auseinanderzusetzen. Es habe große Fortschritte in der Bekämpfung der Frauenfeindlichkeit und der Diskriminierung gegeben. Doch wenn man auf Reklametafeln in Wien Aufschriften wie "Besserwisserin seit 1365" oder "open since 1365" liest, muss man sich als Frau verhöhnt vorkommen. Immerhin dürfen Frauen erst seit 1945 uneingeschränkt an der Universität Wien studieren.

Beim 700-Jahre-Jubiläum erhofft sich die ÖH deshalb eine noch weiter verbesserte Universität vorzufinden, damit neben den offiziellen Uni-Repräsentanten "auch die Studierenden etwas zu feiern haben". (APA)

Bild: housymomo / pixelio.de, Zugriff: 12.03.2015.